Zinserhöhung der US-Notenbank

Sind Rentenfonds jetzt gefährdet?

17.12.2015
Auf einen Blick

Die Zinsen in den USA steigen. Vielen Anleihen drohen Kursverluste. Besonders gefährdet sind Rentenfonds. Soll man das Depot säubern?

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Haben Sie Rentenfonds im Depot, dann heißt es aufpassen. Denn die in den Fonds enthaltenen Anleihen reagieren negativ auf Zinssteigerungen. Der Grund liegt in der Verzinsung von Anleihen. Steigen die Zinsen, kommen neue Anleihen mit höheren Zinskupons auf den Markt. Folge: Investoren greifen verstärkt zu den besser verzinsten Papieren, die älteren, mit geringerem Zinssatz bleiben liegen. Damit diese Anleihen trotzdem noch Käufer finden, sinken deren Kurse und damit ihr Wert. Erst wenn Kaufpreis und Zinssatz wieder in einem attraktiven Verhältnis zu den neu emittierten Anleihen stehen, ist die ältere Anleihe am Markt wieder interessant.

Sind alle Rentenfonds gleichermaßen betroffen?

Nein. Es gibt verschiedene Arten von Rentenfonds. „Grob kann man drei Kategorien unterteilen: Rentenfonds mit Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Spezialitätenfonds“, erklärt Frank Wieser, von der PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf. Nicht selten mischen die Fondsmanager mehrere Kategorien. Zusätzlich gibt es Unterscheidungen nach Währungsräumen, Laufzeiten der Anleihen oder Absicherungsgeschäften z.B. gegen Zinsrisiken oder Währungsschwankungen. Auf steigende Zinsen reagieren Staatsanleihen und Anleihen staatsnaher Emittenten in der Regel stärker als Unternehmensanleihen. Das Kursrisiko hängt hier vor allem von der Laufzeit der im Fonds enthaltenen Papiere ab. Bei langer Laufzeit (Duration) drohen höhere Kursverluste als bei kurzer Laufzeit. „Aktuell sollten Besitzer von Rentenfonds, die ausschließlich in Staatsanleihen im Euroraum investieren, die Kursentwicklung genau beobachten“ rät daher Lothar Koch, Portfoliomanager bei GSAM Spee Asset Management. Profiteure der Zinsentwicklung könnten eher Fonds mit Unternehmensanleihen sein, da die Zinsen üblicherweise nur bei besserer Konjunktur steigen und sich dadurch potentiell die Bonität der Unternehmen erhöht.

Welche Fonds empfehlen sich nach der Zinsentscheidung?

Um Turbulenzen zu vermeiden, „sollten sich Anleger auf reinrassige europäische Rentenfonds konzentrieren“, empfiehlt Wieser. Sinnvoll sind Rentenfonds, die auf Anleihen mit niedriger Duration setzen oder die sich gegen Zinsanstiege absichern, da hier die Kursrisiken geringer sind. Der Düsseldorfer Vermögensverwalter Hans Hinkel sieht neben Rentenfonds mit kurzen Restlaufzeiten auch in Geldmarktfonds ein Mittel gegen Kursrisiken. Risikofreudigere Anleger könnten in Rentenfonds mit US-Dollar-Anleihen investieren. „Ein Zinsanstieg in den USA dürfte den Dollar gegenüber dem Euro beflügeln und somit zu Währungsgewinnen führen“, so Hinkels Einschätzung. Wer den Focus auf Rendite legt, der kann nach Ansicht von Andreas Görler, Vermögensmanager bei Wellinvest-Pruschke & Kalm in Fonds mit Wandelanleihen (Convertibles), internationale Unternehmensanleihen oder Nachranganleihen investieren. Für defensive Investments sieht der Fondsexperte Laufzeitenfonds mit Unternehmensanleihen oder aktiv gemanagte Mischfonds mit erhöhtem Rentenanteil im Vorteil. In eine ähnliche Richtung argumentiert Tobias Spies, Leiter Fixed Income bei Huber, Reuss & Kollegen in München: „Fonds mit Hochzinsanleihen und/oder kurzer Duration sollten steigende Zinsen gut abfedern können.“

Wie hoch sollte der Rentenfonds-Anteil am Gesamtdepot aktuell sein?

Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. Einen Anteil von maximal 50 Prozent hält Frank Wieser für vertretbar. Dass heiße aber auch, dass die Hälfte des Depots aktuell keinen Ertrag bringt, sondern lediglich Sicherheit. „Der Rentenanteil im Depot kann bei 30 bis 40 Prozent liegen“, findet Finanzexperte Görler. Lothar Koch ist hingegen deutlich zurückhaltender: „Derzeit investieren wir nicht neu in Rentenfonds. Unser Depotdurchschnitt liegt bei etwa 20 Prozent.“ Grundsätzlich argumentieren alle Geldexperten, dass trotz der Zinsanhebung in den USA Anleger nicht gänzlich auf Anleihen verzichten sollten. Der Depotanteil von Rentenfonds hänge vor allem von der Anlagedauer und der Risikobereitschaft eines jeden Einzelnen ab.




  Max Geißler


 
 
 
 
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