ETFs: Wo das eigentliche Währungsrisiko liegt

Geldanlage ETFs: Wo das eigentliche Währungsrisiko liegt

von Björn König Max Geißler
22.10.2019
Auf einen Blick
  • Zahlreiche ETFs beziehungsweise die darin enthaltenen Wertpapiere werden nicht in Euro, sondern Fremdwährungen gehandelt. Relevant ist dies vor allem für Anleger, die in renditestarke Werte an den US-Märkten oder in Asien investieren wollen.

  • Trotz Aussicht auf nachhaltig positive Kursentwicklungen schwingt für viele Investoren immer wieder die Sorge vor möglichen Währungsrisiken und damit einem Wertverlust ihrer Anlage im Hintergrund mit.

  • Weder die Fonds- noch die Handelswährung bestimmen den eigentlichen Wert des Investments. Ein Auge sollten potenzielle Anleger hingegen auf die Währung der abgebildeten Titel haben und auch den Kauf von währungsgesicherten ETFs in Betracht ziehen.
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Wer als Anleger in Deutschland seine ersten Schritte an der Börse macht, kauft in aller Regel zunächst deutsche Aktien beziehungsweise ETFs, welche deutsche Unternehmen beinhalten. Diese werden üblicherweise in Euro gehandelt. Man kauft, was man kennt. Das ist natürlich gut nachvollziehbar aber auf lange Sicht keine besonders effektive Strategie, da sie gegen eine der elementaren Grundregeln für langfristig orientierte Investoren (Buy and Hold) verstößt. Nämlich das eigene Anlageportfolio möglichst breit zu diversifizieren.

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Warum überhaupt Wertpapiere im Ausland kaufen?

Im Klartext: Wertpapiere aus verschiedenen Ländern und Branchen gehören ins Depot – allein schon, um sich vor einer negativen Entwicklung an einzelnen Märkten abzukoppeln und das individuelle Anlagerisiko zu senken.

Daneben gibt es natürlich noch einige weitere Gründe, das Ersparte an den Börsen nicht nur mit Euro zu investieren. Zum einen wären dies durchaus beachtliche Renditechancen. Man denke vor allem an viele bekannte und noch weniger bekannte Tech- bzw. Internetunternehmen. Zwar kann man Aktien von Amazon, Netflix, Apple und Co. auch in Euro an einer deutschen Börse kaufen, das nächste unbekannte Start-Up im Silicon Valley jedoch ganz sicher (noch) nicht.

Wer zudem beim Thema ETFs auf eine Dividendenstrategie setzt, kommt im Prinzip auch nicht umher, auf der anderen Seite des Atlantiks zu investieren. Gerade viele US-Unternehmen gehören nämlich nicht nur zum sogenannten Dividendenadel (sie verzeichnen über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg stabil steigende Dividendenrenditen), sondern zahlen diese im Gegensatz zu deutschen Aktiengesellschaften nicht nur jährlich, sondern quartalsweise aus. Und gerade dies ist für viele Anleger sehr interessant (Stichwort: passives Einkommen).

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Aktienkurs und Währungsschwankung

Es ist zunächst wichtig zu verstehen, dass ein Börsenerfolg sich nicht primär an den Währungen von Aktien, sondern an den Aktien selbst bemisst. Der Fairness halber muss man natürlich auch hier noch erwähnen, dass Unternehmen durchaus über- oder unterbewertet sein können und selbst ein aktueller Kursverlauf recht wenig über den tatsächlichen Wert eines Unternehmens aussagt.

Paradoxerweise machen sich viele Anleger jedoch mehr Sorgen um einen fallenden Dollar, als die besagte Wertentwicklung des US-Unternehmens, in welches sie investieren.

Ganz gut zeigt dies beispielsweise ein Blick auf das Papier des US-Energieriesen General Electric (GE): Auf Sicht der vergangenen drei Jahre hat die Aktie sowohl in der Originalwährung US-Dollar als auch in Euro gerechnet ein Minus von rund 70 Prozent eingefahren, während sich der Dollar im Vergleichszeitraum – wenn auch mit gewissen Schwankungen – auf relativ stabilem Vergleichsniveau zum Euro bewegte. Die GE-Aktie dürfte den meisten Anlegern somit wenig Freude bereitet haben – und zwar unabhängig von der Frage, an welcher Börse und in welcher Währung diese gekauft wurde.

Selbst auf Sicht von fünf Jahren, in denen der Dollar im Vergleich zum Euro immerhin gut zwölf Prozent abwertete, erzielten europäische Anleger mit der GE-Aktie nur fünf Prozent weniger Verlust (minus 60 Prozent) als US-Anleger (minus 65 Prozent).

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Fondsanlage in Euro versus US-Dollar

Aber kommen wir nun zur Erklärung, warum die Fondswährung für Anleger ohnehin keine Rolle spielen sollte. Nehmen wir an, ein Anleger kauft einen ETF auf Unternehmen in der Eurozone zum Preis von 100 Euro, wobei die Fondswährung auf US-Dollar lautet. Der Wechselkurs liegt bei 0,90 Euro zu einem US-Dollar. Nun rechnet der in US-Dollar notierende Fonds den ETF-Kauf um. Im Depot des Anlegers liegt also der ETF-Gegenwert nicht bei 100 Euro, sondern 111,11 US-Dollar.

Anschließend weist die Depotbank des Anlegers den Betrag wieder in Euro aus, womit wir wieder bei den zuvor genannten 100 Euro Kaufpreis wären:

Fondswährung EUR

Fondswährung USD

Beide Fonds halten europäische Aktien im Wert von 100 Euro pro Anteilsschein.
Der Wechselkurs beträgt: 1,00 USD = 0,90 EUR.

Notiert der Fonds in Euro, kostet:
1 ETF-Anteil = 100 EUR

Notiert der Fonds in USD, kostet:
1 ETF-Anteil = 111,11 USD

(100 EUR werden fondsintern in USD umgerechnet: 100 geteilt durch 0,90 = 111,11)

Wert des Fonds




----------------------
100 EUR

Wert des Fonds
Depotbank des Anlegers rechnet die USD-Position wieder in EUR um:

(111,11 x 0,9)
-------------------------------
100 EUR

Fazit:
Trotz unterschiedlicher Fondswährungen sind die Werte von Fonds A und Fonds B gleich groß, da beide in Aktien des gleichen Währungsraums investiert haben.


Die Frage lautet also nicht: "Wie viel US-Dollar bekomme ich beim aktuellen Wechselkurs für 100 Euro?", sondern: "Wie viele Anteile bekomme ich für meine 100 Euro?"

Stellt man die zweite Frage, wird schnell deutlich, warum das Währungsrisiko in diesem Fall eine zu vernachlässigende Größe ist. Da nämlich die zugrunde liegenden Titel, welche der ETF abbildet, alle in Euro notieren, trägt der Anleger auch kein Währungsrisiko.

Neben der Fondswährung spielt übrigens auch die Handelswährung – also die Währung, in der ein spezifischer ETF an einer bestimmten Börse gehandelt wird – nur eine untergeordnete Rolle für mögliche Wechselkursschwankungen. Auf der elektronischen Handelsplattform Xetra und an der Börse Stuttgart zum Beispiel werden alle ETFs in Euro gehandelt, auch wenn die Fondswährung auf US-Dollar lautet. 

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Währung der abgebildeten Titel ist entscheidend

Unabhängig von der Frage, in welcher Währung der Fonds selbst notiert oder gehandelt wird, sollte ganz besonders die Währung der abgebildeten Titel im Auge behalten werden. Je breiter das ETF-Portfolio diversifiziert ist, desto stärker machen sich die Währungsschwankungen bei enthaltenen Werten bemerkbar.

Während beispielsweise bei einem ETF auf den S&P 500 ausschließlich der US-Dollar von Relevanz ist, können dies beim MSCI World schon über zehn verschiedene Währungen sein – unter anderem japanischer Yen, kanadischer Dollar und britisches Pfund.

Aktuell setzt sich der MSCI World Index wie folgt zusammen:

  • Vereinigte Staaten: 63,08 Prozent
  • Japan: 8,21 Prozent
  • Vereinigtes Königreich: 5,47 Prozent
  • Frankreich: 3,80 Prozent
  • Kanada: 3,48 Prozent
  • Andere Länder: 15,96 Prozent
Quelle: www.msci.com/ Stand: 30. September 2019

Diverse international tätige Fondsgesellschaften – wie beispielsweise Xtrackers, Lyxor und Blackrock – bieten ihre ETFs in sogenannten "gehedgten" Varianten an, die das enthaltene Währungsrisiko ausgleichen sollen. Dabei werden Devisenschwankungen mittels Währungstermingeschäften minimiert. Entsprechende Fondsanteile haben häufig den Namenszusatz "Euro Hedged".

Beispiele hierfür sind unter anderem:

Anleger sollten hier allerdings bedenken, dass es diese Leistung nicht kostenlos gibt. Die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) wird in solchen Fällen üblicherweise marginal über den Preisen der nicht gehedgten ETF-Variante liegen.

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Experten weisen darauf hin, dass das Hedging nicht immer perfekt funktioniert, etwa wenn der Währungshedge monatlich angepasst wird und man nicht am Hedgetag selbst investiert. Zwar versuchen ETF-Anbieter das zu umgehen, indem sie das Währunghedging auf täglicher anstatt auf monatlicher Basis durchführen, aber das wiederum treibt die Kosten weiter in die Höhe.

Verbraucherschützer sehen die entstehenden Kosten durchaus kritisch, denn sie verringern die Renditechancen der ETFs. Sie favorisieren ETFs ohne Währungsabsicherung.

Biallo-Tipp: Eine weitere Möglichkeit, das Währungsrisiko zu mindern, besteht in einer größeren Diversifizierung des eigenen Depots. Anleger sollen nicht ihre gesamte Sparrate in einen Indexfonds stecken, der den US-Dollar lastigen MSCI World Index abbildet. Um eine Parität oder gar leichte Übergewichtung von Euro-Aktien zu erzielen, könnte man einen im Euro-Raum anlegenden ETF hinzufügen, etwa den Euro Stoxx 50.

Lohnen sich Währungsspekulationen?

Gewiefte Anleger könnten nun versuchen, gezielt in Aktien von Ländern und Regionen zu investieren, in denen sie sowohl Aktienkursgewinne als auch Währungsgewinne erwarten. "Vorausgesetzt, Anleger haben eine klare Vorstellung, wie sich die Wechselkurse entwickeln werden, kann es durchaus sinnvoll sein, auf entsprechende Fonds zu setzen", erklärt Rudolf Geyer, Geschäftsführer der Depotbank Ebase.

Allerdings beinhalten Fremdwährungspositionen im Fonds immer ein zusätzliches Risiko, denn Wechselkursentwicklungen sind schwer vorherzusagen und Anleger können schnell daneben liegen. Insofern sind solchen Spekulationen mit Vorsicht zu genießen.

Fazit

Es gibt keinen sachlichen Grund, einen interessanten ETF nur deshalb links liegen zu lassen, weil er in einer Fremdwährung abgerechnet wird.

Orientieren Sie sich vielmehr an den wichtigen Faktoren. Der Fokus sollte neben einer positiven Wertentwicklung des Index vor allem auch auf individuelle Präferenzen ausgerichtet werden. In welche Länder und Branchen wollen Sie investieren, erwarten Sie eine attraktive Dividendenrendite, soll der ETF die Dividende ausschütten oder soll diese in das Anlagevermögen zurückfließen? Behalten Sie zudem stets auch die Kosten des ausgewählten ETF im Auge und vergleichen diesen mit alternativen Angeboten.

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Biallo-Tipp

Für die meisten passiven Anleger dürften unserer Ansicht nach ETFs auf den MSCI World besonders interessant sein. Ausgewählte Top-Performer finden Sie hier: Die besten ETFs auf den MSCI World Index.

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