Abzocke bei Finanzwetten?

Binäre Optionen Abzocke bei Finanzwetten?

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
28.01.2017
Auf einen Blick
  • Verbraucherschützer warnen vor dubiosen Anbietern binärer Optionen: Anleger erhalten eingezahlte Einlagen und auch ihren Gewinn nicht zurück.
  • Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sieht derzeit noch keinen Handlungsbedarf für ein Verbot von binären Optionen, beobachtet die jüngste Entwicklung allerdings mit Argusaugen.

 

 

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100 Prozent Rendite in wenigen Minuten? Die Verlockung ist groß. Zumal die sogenannten binären Optionen selbst für Laien leicht zu verstehen sind. Sie sind nichts anderes als eine Wette auf die künftige Kursentwicklung eines Wertpapiers, Index, Rohstoffs oder Währungspaars in einem festgelegten Zeitraum. Wie der Name "binär" (von lateinisch binus = zweifach) schon sagt, gibt es dabei nur zwei Möglichkeiten: alles oder nichts – cash or nothing. Entweder exorbitant hohe Gewinne oder eben der Totalverlust.

So weit so gut -  würden sich nicht immer mehr Anbieter im Netz tummeln, deren Masche an Betrug grenzt. "Die Geschäftspraktiken sind teils dubios, die Firmen im Ausland nicht greifbar", warnt das Marktwächter-Team Finanzen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Beschwerden häuften sich, dass Verbraucher ihre eingezahlten Einlagen und auch ihre Gewinne nicht zurückerhalten.

Immer die gleiche Masche

Das Perfide: Auf scheinbar seriösen Seiten wie betrugstest.com, nachgefragt.net oder geldplus.net – um nur einige zu nennen - werden die Anbieter kräftig beworben. Beispiel 24option mit Sitz in Zypern: Gibt man bei der Google-Suche "24option Betrug" ein, tauchen bei den genannten Test-Seiten folgende Treffer auf: "24option Betrug? +++ Die Wahrheit über den Trend 2017",  "ACHTUNG: Ist 24option wirklich Betrug? JETZT lesen!" oder "Krasse Abzocke bei 24option? +++ JETZT die Wahrheit erfahren".

Wer auf die entsprechenden Links klickt, der wird überschüttet mit Lob – Lob für die Anbieter: "Trader können bei ihrer Broker-Suche sicher auf 24option setzen. (…) Eine Anmeldung bei 24option kann nur empfohlen werden." Kritische Nutzerkommentare? Fehlanzeige. Alle Kunden preisen die Broker in den höchsten Tönen.

Vorsicht vor Fake-News

Die Macher solcher Websites scheuen auch nicht davor zurück, seriöse Nachrichtenseiten für ihre Zwecke zu missbrauchen. Erst vor wenigen Wochen kursierte im Netz ein Link zu einer Website, welche der Spiegel Online-Seite verblüffend ähnlich sah. Ganz groß im Bild: Milliardär Carsten Maschmeyer. "Noch nie zuvor in der Geschichte hatten wir so eine Gelegenheit, die von den Leuten so leicht ausgenutzt werden kann, um in einer sehr kurzen Zeit zu gewaltigem Wohlstand zu kommen", enthüllte Maschmeyer die "geheime Formel" der binären Optionen. Natürlich nichts als ein Fake, wie ein Sprecher der Maschmeyer Group der Redaktion von biallo.de bestätigte.

Bumm-Bumm-Boris als Lockvogel

Ganz anders Boris Becker: Das "Bobbele" wirbt schon länger für einen der fragwürdigen Anbieter, die auf dem Index der Verbraucherschützer stehen: besagte 24option. Die App des Brokers wurde bei Google Play bereits mehr als 500.000 mal heruntergeladen. In den Rezensionen wird vielfach von Betrug und Abzocke berichtet. So bemängeln viele Nutzer, dass ihr Geld plötzlich weg war, nachdem sie einige Zeit nicht aktiv gehandelt haben. Selbst von Kursmanipulationen ist die Rede.

24option wollte sich gegenüber biallo.de nicht zu den Vorwürfen äußern. Von Seiten des Unternehmens heißt es lediglich: „24option ist eine streng regulierte Firma. Wir sind von der CySEC (zypriotische Finanzaufsichtsbehörde; Anm. d. Red.) anerkannt und von der MiFID autorisiert, in allen EU-Ländern zu operieren."

Betrug nur schwer nachzuweisen

"Das zu beweisen ist natürlich nicht einfach, da die Anbieter hochkomplexe Software benutzen und nur eine umfassende Auswertung der Daten sichere Ergebnisse liefern könnte", erklärt die Hamburger Anwaltskanzlei Herfurtner, die sich solcher Fälle annimmt. Dennoch gebe es gewisse Indizien, dass die Broker durch Kursmanipulationen höhere Gewinne erzielen. "So ist es etwa verdächtig, wenn die Kurse der gehandelten Produkte nicht mit den offiziellen Aktienkursen auf den Börsen identisch sind", verlautet die Anwaltskanzlei.

Das Problem: Die meisten Anbieter haben ihren Hauptsitz in Zypern, Malta oder Samoa – unterliegen also nicht deutschem Recht. Die EU-Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) sieht vor, dass bei Finanzdienstleistungen die Gesetze vom Land des Unternehmenssitzes gelten und nicht die vom Heimatland des Kunden. "Die staatliche Regulierung richtet sich also nach den örtlichen Vorschriften, selbst wenn die Kunden in anderen EU-Ländern ansässig sind", sagt die Anwaltskanzlei Herfurtner.

Was sagt die Bafin?

Eine ausschließliche Warnung seitens der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) besteht nicht. "Wir schließen uns der Warnung der Europäischen Finanzaufsicht ESMA an, derzeit laufen aber keine thematischen Untersuchungen bezüglich eines möglichen Verbots der binären Optionen", sagte Pressesprecherin Anja Schuchhardt gegenüber biallo.de. "Dennoch beobachten wir die aktuellen Entwicklungen."

Die ESMA hatte im Juli 2016 eine allgemeine Warnung über binäre Optionen und andere spekulative Produkte herausgegeben. Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass Anleger in den meisten Fällen ihren Einsatz verlieren, wenn sie in solche Produkte investieren. "Die Aufsichtsbehörden haben auch beobachtet, dass diese Produkte oft aggressiv beworben und verkauft werden und dass einige Firmen gegen regulatorische Auflagen unter MiFID verstoßen, indem sie die Konditionen für Privatanleger so gestalten, dass diese erheblichen Schaden erleiden", warnte die ESMA. Konkrete Namen nannte die Behörde nicht.

Die zypriotische Finanzaufsicht CySEC hat auf ihrer Website eine Liste von Warnungen zu einzelnen Firmen veröffentlicht. Allerdings datiert der letzte Eintrag vom 10. Dezember 2015. Eine explizite Warnung zu 24option existiert bei der CySEC nicht.

Leseraufruf: Haben Sie auch schon Ungereimtheiten bei Brokern im Handel mit binären Optionen festgestellt? Dann schreiben Sie uns unter redaktion@biallo.de oder nutzen Sie unsere angefügte Kommentarfunktion.

Biallo-Tipp

Die Redaktion von biallo.de sieht binäre Optionen nicht als seriöse Geldanlage, sondern als Glücksspiel, vergleichbar mit Fußball-Wetten. Das Risiko eines Totalverlusts liegt bei 50 Prozent. Im Vergleich dazu steht die maximal erzielbare Rendite von knapp 100 Prozent in keiner Relation. Zudem ist der Handel mit binären Optionen kaum reguliert. Kursmanipulationen sind nicht ausgeschlossen. Verbraucher, die Ungereimtheiten bei der Kursfeststellung beobachten oder ihre Gewinne und Einlagen nicht ausbezahlt bekommen, sollten sich dringend rechtlichen Beistand holen.

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de