Anleihe-Investment: Zins ist nicht gleich Rendite

Anleihen Anleihe-Investment: Zins ist nicht gleich Rendite

Update: 14.02.2020
von Peter Hermann
Update: 14.02.2020
Auf einen Blick
  • Die weltweite Lockerung der Geldpolitik hat den Anleihemärkten im vergangenen Jahr Rekordzuflüsse beschert.

  • Die Renditeberechnung von Anleihen gestaltet sich für Laien allerdings schwierig. Neben der Kursentwicklung kommt es immer auch auf die individuelle Haltedauer an.
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Rentenfonds haben 2019 einen neuen Rekord aufgestellt. Laut Analysehaus Morningstar beliefen sich die Mittelzuflüsse in Europa auf 329 Milliarden Euro. Das sind vier Milliarden Euro mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017. Besonders beliebt waren Euro-Unternehmensanleihen, Hochzinsanleihen und Anleihen der Schwellenländer. 

Dabei profitierten die Rentenmärkte auch von der weltweiten geldpolitischen Lockerung. So haben viele Notenbanken im vergangenen Jahr ihre Anleihekaufprogramme wieder aufgenommen. "Dies trug zu einem weiteren Renditerückgang bei Staatsanleihen bei, aber auch die risikoreichen Bereiche der Anleihenmärkte profitierten, da Anleger Vertrauen in die Stärke der Weltwirtschaft gewannen und in Spread-Papiere einstiegen", schreibt Morningstar-Analyst Ali Masarwah in einer Studie vom Januar.

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Wie sich der Kurs auf die Rendite auswirkt

Die Rendite einer Anleihe ist nicht mit dem Zinskupon (Nominalzins) zu verwechseln. Denn Erstere verändert sich stetig aufgrund der Kursschwankung, da Anleihen oder Bonds in der Regel über die Börse gehandelt werden und der Kauf- bzw. Verkaufskurs sowie die Laufzeit sich deutlich auf die Rendite auswirken.

Der Kurswert einer Anleihe wird nicht in Euro, sondern in Prozent des Nominalwerts – auch Nennwert genannt – ausgedrückt. Bei Bundesanleihen beträgt der Nennwert pro Teilschuldverschreibung 100 Euro. Diesen Betrag muss der Anleihe-Zeichner dem Emittenten – in dem Fall dem Staat Deutschland – bezahlen.

Steigt das Papier nach der Emission beispielsweise um fünf Prozent, notiert der Kurs bei 105 Prozent. Das Papier hat somit einen Wert von 105 Euro – ohne Berücksichtigung des Zinskupons. Würde der Zeichner das Papier zu diesem Zeitpunkt wieder verkaufen, läge der Kursgewinn bei fünf Prozent.

Der nächste Käufer wiederum muss fünf Euro mehr als den Nennwert auf den Tisch legen. Da der Rückzahlungskurs des Emittenten bei Laufzeitende immer der Nennwert ist, kann der Käufer seinen höheren Einsatz nur über die jährlichen Zinszahlungen wettmachen, außer er verkauft das Papier wieder zu einem höheren Kurs weiter. Allerdings besteht hier natürlich das Risiko fallender Kurse.

Anleger sollten sich deshalb von der Höhe des Zinskupons nicht blenden lassen, sondern immer auch den Kurs berücksichtigen. Liegt der Nominalzins einer Anleihe beispielsweise bei 3,5 Prozent und der Kaufkurs beträgt 105 Prozent, ergibt sich für den Investor nur noch eine laufende Verzinsung von 3,33 Prozent pro Jahr auf sein eingesetztes Kapital.

Die Berechnung lautet wie folgt: (Zinssatz x 100) / Kurswert = laufende Verzinsung. Bei einem Kaufkurs von 95 Prozent würde die laufende Verzinsung in dem Beispiel 3,68 Prozent betragen.

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Haltedauer und Verkaufskurs beachten

Das sagt aber alles noch nichts über die tatsächlich erzielte Rendite beziehungsweise Effektivverzinsung aus. Denn hier fließen neben Kaufkurs und Nominalverzinsung auch der Rückzahlungskurs und die Laufzeit der Anlage mit ein.

Zurück zu unserem Beispiel: Bei einem Kaufkurs von 105 Prozent und einer Nominalverzinsung von 3,5 Prozent entschließt sich der Investor, das Papier nach zwei Jahren zu einem Kurs von 130 Prozent zu verkaufen. Damit beläuft sich die Rendite bzw. Effektivverzinsung auf 15,24 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Transaktionskosten.

Die Formel dafür lautet: {Nominalzins + [(Verkaufskurs – Kaufkurs) / Laufzeit]} / Kaufkurs x 100 = Rendite.

Wenn der Investor seine Anleihe allerdings nach zwei Jahren nur zu einem Kurs von 99 Prozent verkaufen könnte, läge die Effektivrendite nur noch bei 0,48 Prozent pro Jahr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de