Bankberatung bei der Kreissparkasse

Test Anlageberatung Teil 2 Bankberatung bei der Kreissparkasse

Thomas Brummer
von Thomas Brummer
07.06.2017
Auf einen Blick
  • Wie legt man 50.000 Euro am besten an?

  • Mit dieser Frage haben wir ein Beratungsgespräch bei der Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg vereinbart.
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Wir wollten testen, ob die Beratungsleistung die relativ hohen Gebühren der Sparkasse rechtfertigt. Den Rechner angeworfen fand ich schnell die nächst gelegene Sparkasse, schließlich kenne ich von klein auf den Slogan: Wenn´s um Geld geht, Sparkasse. Sprichwörtlich eine sichere Bank eben, so die gängige Meinung. Aber ob das stimmt?

Anruf bei der Service-Hotline

Eine direkte Durchwahl zur Filiale der Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg finde ich nicht, was sich später noch als Nachteil herausstellen sollte. So wende ich mich einfach an die zentrale Servicestelle, um einen Termin für ein Beratungsgespräch in meiner Wunschfiliale zu erhalten. Prompt eine Woche später ist es dann soweit.

Ein Zwischenfall

Mein Handy klingelt. Eine Kollegin einer benachbarten Filiale ruft etwa eineinhalb Stunde vor dem Termin bei mir an: Ich müsse mit ihr Vorlieb nehmen, da die eigentlich vorgesehene Sparkassen-Beraterin krank sei. Dumm nur, dass weder sie noch ihre Kollegin in der Geschäftsstelle sitzen, in der ich den Termin vereinbart habe. Die Service-Zentrale hat also geschlafen. Dennoch bemüht sich die freundliche Dame am Telefon darum, dass ich doch noch in meiner Wunschfiliale unterkomme.

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Mittwochvormittag, 11:28 Uhr: Mein Kollege und ich betreten die Geschäftsstelle. Außer ein paar Rentnern verlaufen sich keine weiteren Kunden in die Sparkasse. In wenigen Sätzen erkläre ich meine ausgedachte Geschichte: Ich erwarte eine Erbschaft von 50.000 Euro. 10.000 Euro sollen in meine Altersvorsorge fließen, die restlichen 40.000 Euro sollen zur Hälfte sicher angelegt werden, der Rest mit etwas mehr Würze. In zehn Jahren soll schließlich eine Immobilie her. Kopfnickend notiert der Sparkassler die Wünsche.

Doch eine ausführliche Beratung könne er mir auf die Schnelle nicht bieten. Wegen des Fehlers der Service-Stelle hat der Berater kaum Zeit für uns. Es zeugt von Seriosität, in diesen wenigen Minuten nicht über 50.000 Euro zu entscheiden. Als echter Neukunde hätte ich allerdings einen Urlaubstag verschenkt.

Auf die Frage, wo ich denn mein Girokonto hätte, antworte ich wie aus der Pistole geschossen: bei einer Direktbank. Daraufhin der Berater: Bei der Kreissparkasse gebe es ab 1250 Euro monatlichem Geldeingang ebenfalls ein gebührenfreies Online-Girokonto. Als Biallo-Redakteur weiß ich, dass das keine Garantie für die Ewigkeit ist, schließlich haben in den vergangenen Monaten etliche Filialbanken mächtig an der Gebührenschraube gedreht. Einige nehmen sogar Gebühren, wenn eigene Kunden abheben. Bleibt das Girokonto bei dieser Sparkasse auf absehbare Zeit kostenlos? "Das ist natürlich nicht sicher. Ich arbeite aber seit zehn Jahren hier und seitdem ist das so", antwortet der Sparkassler. Mein Girokonto bekommt er schon mal nicht, das ist klar. 

Wir brauchen einen Folgetermin

Donnerstagnachmittag, zweiter Anlauf in der Sparkassen-Filiale. Hoffentlich klappt es diesmal. Noch einmal wird der Immobilienwunsch thematisiert. Der Berater rechnet mit steigenden Bauzinsen. Dabei legt er ein Infoprospekt der LBS-Bausparkasse vor. Darin wird vage eine steigende Zinsentwicklung für Baukredite aufgezeigt. Es sei sinnvoll, sich die günstigen Zinsen möglichst lang zu sichern. Der Banker bietet daher einen Bausparvertrag an. So könne man sich über Jahre hinaus günstige Zinsen sichern. Er warnt aber zugleich vor zu viel Eifer. Ist die abgeschlossene Summe zu hoch, wird der Bausparer umso später zuteilungsreif. Denn erst bei 30 bzw. 40 Prozent der vereinbarten Summe können Kunden den Bausparer nutzen. Auf die Gebühren angesprochen antwortet er: "Ein Prozent der abgeschlossenen Summe". Doch seine Argumente scheinen schlüssig, die Zinsen sind derzeit in der Tat unbestritten günstig. Doch wenn die Zinsen nicht anziehen, zahle ich die Abschlussgebühr umsonst.

Dritter und letzter Termin

Gleicher Ort, gleiche Uhrzeit, exakt eine Woche später. Jetzt geht es um den größten Teil des Geldes. Die restlichen 40.000 Euro sollen angelegt werden. Zunächst greift der Banker das vergangene Gespräch auf. Thema: Bausparer. Er stellt dabei zwei Berechnungen gegenüber. Einmal den LBS-Bausparer ohne und einmal mit Riester-Förderung. Seine klare Empfehlung: Riester lohnt sich in diesem Fall. Eine Versicherungssumme von 80.000 Euro hielt er für angemessen. Daneben empfiehlt er eine Pflegezusatzversicherung. Gerade, wenn Immobilienwunsch besteht, sei das eine sinnvolle und preiswerte Absicherung.

Und die Geldanlage? Jetzt will der Sparkassen-Banker Produkte verkaufen und rät grundsätzlich zu Fonds. Er schlägt vier Fonds vor – alle samt von Deka, einem Anbieter der Sparkasse.

Um einen stabilen Anker zu haben, sollen 5.000 Euro in einen Immobilien Fonds fließen. Eine wirklich sichere Angelegenheit, versichert der Berater. In den vergangen Jahren hat der "Deka-ImmobilienEuropa" meist gut zwei Prozent im Jahr gebracht. Die Rendite soll sich aus den Mieterträgen und Objektveräußerungen speisen. Ein Blick auf die Gebühren verheißt nichts Gutes. Ausgabeaufschlag: 5,26 Prozent, laufende Kosten: 0,64 Prozent. Fast sechs Prozent sind damit erstmal weg. Der Fonds müsste also aller Voraussicht nach drei Jahre im Depot liegen, ehe er überhaupt in die Gewinnzone kommt. Außerdem zeigt ein Blick auf den Festgeld-Vergleich von biallo.de, dass sogar langlaufende Festgelder in ähnliche Renditeregionen vorstoßen. Hier ist die Verzinsung vorher exakt bekannt und die Anlage kostenlos.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
DWS Aktien Strategie Deutschland LC
DE0009769869
19,04%
2.
DWS Deutschland LC
DE0008490962
16,32%
3.
DWS German Equities Typ O
DE0008474289
15,97%
Laufzeit: 5 Jahre

Was hat er noch anzubieten? Ein weiterer Sicherheitsanker sei der "Deka-BasisAnlage A60". Hier rät er etwa 15.000 Euro zu investieren. "A60" bedeutet in diesem Fall, dass der Aktienanteil maximal auf 60 Prozent anschwellen kann. Ausgabeaufschlag: vier Prozent, laufende Kosten: 1,32 Prozent.

Jetzt geht es um den "Renditeturbo". Hier schlägt der Berater zwei Fonds vor. Die Aufteilung soll 50:50 sein. Die ersten 10.000 Euro gehen in den "Deka-DividendenStrategie". Ein höheres Risiko, aber die Renditen waren in den vergangenen Jahren höher, ein Verlustjahr war auch dabei. Aber das stimmt soweit mit dem angegebenen Risikoprofil überein. Auch hier verweist die Produktinformation auf einen ähnlich hohen Ausgabeaufschlag. Schade, wo es doch auch gezielte Dividenden-ETFs gibt, praktisch ohne Gebühr. Auf die ETF-Variante angesprochen, wollte der Berater nicht genau Bescheid wissen, obwohl er wenige Minuten zuvor davon sprach, selbst auch an der Börse zu spekulieren. Er will sich zumindest erkundigen.

Von den ursprünglichen 50.000 Euro sind jetzt noch 10.000 übrig. Diese sollen in den "Deka-BasisAnlage A100" fließen. Auch hier wieder steht die Zahl für den maximalen Aktienanteil. Als Minimum sind 60 Prozent vorgesehen. Auch hier wieder mit fünf Prozent ein satter Ausgabeaufschlag und knapp zwei Prozent laufende Kosten. "Die Fonds mit hohem Ausagabeaufschlag laufen meist besser", stellt der Sparkassen-Berater fest. Fragt sich nur für wen.

Fazit:

Mit der Beratung waren wir nicht zufrieden. Das Beratungsprotokoll wurde aber einwandfrei verfasst. Die Gespräche waren verkaufsorientiert, die Produkte meist mit hohen Gebühren. Er hat uns ausschließlich Sparkassen-Produkte angepriesen. "Die zunehmende Produktvielfalt stellt sich für die Verbraucher aber auch für die Beraterinnen und Berater als unlösbaren Konflikt dar. Wer weiß schon, welche Schraube er benötigt, wenn über 100.000 auf dem Verkaufstisch liegen?", sagt Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen.

Kundenfreundlich wäre eine Empfehlung hin zu ETF-Produkten gewesen. Studien zeigen, dass solche passiven Fonds langfristig die meisten aktiven in den Schatten stellen und kaum Gebühren nach sich ziehen. Über diese Variante wollte der jedoch sonst eloquente Berater kaum ein Wort verlieren. Vielleicht weil die Sparkasse mit Deka-Fonds wesentlich mehr verdient. "Cross-Selling und andere Zielvorgaben führen sehr oft an den Bedürfnissen der Kunden vorbei. Hier treffen unterschiedliche Welten aufeinander", so Schwarz.

Ganz ohne Verkaufszwänge scheint es dann doch nicht zu sein. Das sieht man auch daran, dass der Banker nach dem Gespräch noch drei E-Mails geschickt hat. Es geht immerhin um 50.000 Euro. Darüber möchte ich als Kunde frei von Druck selbst entscheiden. Auch die Terminvergabe war mehr als holprig. Termin versemmelt, Ersatztermin ging lediglich 20 Minuten und zu guter Letzt hat der Banker nicht einmal eine Visitenkarte für uns. Meine 50.000 Euro lege ich besser woanders an.

Testkriterien

Unser Beispielfall ging von folgenden Annahmen aus: Die Testperson erwartet eine Erbschaft in Höhe von 50.000 Euro. Außerdem ist sie 31 Jahre alt und hat ein solides Einkommen. Die monatliche Miete beträgt 1.000 Euro. In zehn Jahren soll der Immobilienwunsch in Angriff genommen werden. An diesem Ziel soll sich die Beratung orientieren.

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Thomas Brummer
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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de