Technologie-Riesen

Big is beautiful: Anlegen in Facebook, Amazon, Google und Co

Update: 19.06.2020
Alexander Rudow
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Auf einen Blick
  • Die Aktienmärkte der Welt hängen von einigen großen Unternehmen ab. Alleine Apple ist an der Börse so viel wert wie alle DAX-Unternehmen zusammen.

  • Das Gewicht der Tech-Riesen nimmt weiter zu, gerade auch in der Corona-Krise. Dieser Trend wird voraussichtlich anhalten.

  • An den Chancen, die die Unternehmen bieten, kann man als Privatanleger über ETFs teilhaben.
Handy mit den Symbolen der fünf großen Tech-Konzerne: Ein Leben ohne die Big Five scheint heute schwer vorstellbar.
Koshiro K / Shutterstock.com

Big is beautiful - so könnte man denken, wenn man sich die Titanen unter den Unternehmen anschaut. Die 50 größten Aktiengesellschaften der Welt haben sich seit der Finanzkrise 2008 besser geschlagen als der Welt-Index MSCI World - zumindest gemessen am ETF "iShares Dow Jones Global Titans 50", der die 50 größten Unternehmen weltweit enthält. Dabei ist es egal, ob man als Zeitraum ein Jahr nimmt, drei, fünf oder zehn Jahre: Die Outperformance bleibt.

Tech-Firmen haben den höchsten Börsenwert

Doch wer sind die Größten an der Börse? Und wie misst man das? Die Liste "Fortune Global 500 etwa, die das US-Magazin Fortune jährlich veröffentlicht, richtet sich nach dem Umsatz und enthält die 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Demnach ist der US-Handelskonzern Walmart derzeit weltweit das größte Unternehmen. Wenn es jedoch um die Stellung an der Börse geht, geht man nach der Marktkapitalisierung, also der Summe aller umlaufenden Aktien multipliziert mit deren Aktienkurs.

  • Im Jahr 1995 hatte die japanische Nippon Telegraph and Telephone weltweit den größten Börsenwert, gefolgt von General Electric (USA), Royal Dutch Shell (NL), AT&T (USA) und Exxon (USA).
  • Im Jahr 2000 war Microsoft die Nummer eins, danach folgten General Electric, NTT, Cisco Systems und Walmart (alle USA).
  • 2005 hatte General Electric die Führung übernommen, dahinter lagen ExxonMobil, Microsoft, Citigroup (alle USA) und BP (GB)
  • 2010 stand die chinesische PetroChina an der Spitze, gefolgt von Exxon Mobil, Microsoft, der Industrial and Commercial Bank of China und Apple (USA).
  • Im Jahr 2015 stand Apple auf Platz eins, dahinter lagen ExxonMobil, die Holding Berkshire Hathaway (USA), Google und Microsoft.
  • Im ersten Quartal 2020 lautet die Rangfolge: Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet (Google) und Alibaba (CHN). Die nächsten beiden Plätze belegen ebenfalls Tech-Unternehmen: Facebook (USA) und Tencent (CHN), bevor auf den Rängen 8-10 die ersten Unternehmen anderer Branchen auftauchen, alle aus den USA: Berkshire Hathaway, Visa und der Healthcare- und Konsumgüter-Riese Johnson & Johnson.

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Konzentration so hoch wie nie

Derzeit erlebt die Börse also eine besonders starke Konzentration auf die USA und auf Tech-Werte – insbesondere auf US-Tech-Werte. Unter den Top-Ten besteht noch einmal ein deutliches Gefälle des Börsenwerts: Microsoft, die derzeitige Nummer eins, ist nach Marktkapitalisierung rund 1,2 Billionen US-Dollar (USD) wert, Apple ebenfalls. Amazon ist mit rund 1 Billion USD bewertet, Alphabet mit etwa 800 Milliarden USD. Johnson & Johnson kommt dagegen "nur" auf rund 340 Milliarden USD.

Rechnet man den Börsenwert von Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet und Facebook zusammen, kommt man auf rund 4,5 Billionen USD. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands betrug 2019 gut 3,4 Billionen Euro. Das sind derzeit gut 3,8 Billionen USD. Der gesamte DAX kam noch vor der Corona-Krise Anfang des Jahres auf den Börsenwert, den Apple alleine hat. Tech-Aktien waren schon vor dem Corona-Crash so hoch bewertet wie vor Ausbruch der Subprime-Krise 2008.

Und wie hat sich Big Tech in der Corona-Krise entwickelt? Das Gewicht hat noch weiter zugenommen. Zugespitzt: Das Schicksal der Börsen hängt an fünf Aktien: Microsoft, Apple, Google-Alphabet, Amazon und Facebook. Die großen Fünf machen rund ein Fünftel des US-Aktienindex S&P 500 aus. Eine derartige Konzentration des Marktes in so wenigen Titeln gab es noch nicht einmal während der Dotcom-Blase in den frühen 2000ern.

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Grundlage des Erfolgs ist das Internet

In der Corona-Krise suchten die Anleger Sicherheit. Und die Titanen legten solide Quartalszahlen vor. Das schaffte Vertrauen. Aber auch während der Lockdowns beschleunigte sich der digitale Wandel. Der CEO von Microsoft, Satya Nadella, erklärte schon am 29. April: Wir haben ein Außmaß digitaler Transformation von zwei Jahren in zwei Monaten erlebt."

Die Tech-Riesen verfügen über beeindruckende Cash-Reserven und zukunftsfähige Geschäftsmodelle. Die Analysten vergeben freigiebig Kaufempfehlungen. Für das Phänomen gibt es eigene Akronyme. Populär für die Big Five sind GAFAM für Google (Alphabet), Amazon, Facebook, Apple und Microsoft – oder FAANG, wobei Microsoft durch Netflix ersetzt ist. FANGMAN bezieht zusätzlich den Chip-Entwickler Nvidia mit ein.

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Ganz simpel gesagt: Der Erfolg all dieser Unternehmen beruht auf dem Internet, gerade und besonders auch in mobiler Form. Ohne (mobiles) Internet würden sie nicht existieren. Und alle profitieren von der fortschreitenden Miniaturisierung bei Computerbauteilen. Das gilt auch für China und Markteilnehmer wie Alibaba, Baidu, Tencent, JD.com und YY. Es ist davon auszugehen, dass der Trend zu mehr internetbasierten Dienstleistungen anhalten wird, ebenso wie zu mehr mobilen Hochleistungscomputern, die mit dem Web verbunden sind. Ein Leben ohne die Big Five scheint heute schwer vorstellbar: Big Tech hat seine eigene digitale Welt und damit eine eigenes "Ökosystem" erschaffen.

Aktienmärkte hängen an den Kursen der Großen

Leider gibt es kein Licht ohne Schatten, keinen Gewinn ohne Risiko. Die Big Five können den ganzen S&P 500 (oder den MSCI World) nach oben ziehen - oder auch den gesamten Markt herunterreißen. Und von der Entwicklung an den großen US-Börsen sind die Aktien auf der ganzen Welt betroffen, auch die deutschen. Gleichzeitig können sich die Börsen-Titanen vom Rest des Index' entkoppeln: In der Jahres-Rallye von 2019 stieg der S&P 500 um 24 Prozent auf Rekordhöhen. Das Tech-Segment stieg allerdings doppelt so stark - diese Unternehmen gewannen im letzten Jahr durchschnittlich 50 Prozent dazu. Ein solches Wachstum führt zu Bewertungen, die die erwarteten Gewinne um ein Vielfaches übersteigen.

In der Corona-Krise sind die Bewertungen durch rückläufige Gewinnerwartungen deutlich weiter gestiegen. Der Nasdaq 100 müsste um ein Drittel fallen, damit das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf das Durchschnittsniveau der letzten zehn Jahre zurückgeht. Die Big Five haben mit den Lockdowns ihre Vorteile ausgespielt: Onlineshopping, Videostreaming, Kommunikation über digitale Kanäle - all' das war im Zuge von Corona gefragt. Und für die Zukunft gilt: Haben Verbraucher ihre Gewohnheiten erst einmal umgestellt, gibt es kaum Gründe, warum sie diese nach der Krise wieder ändern sollten.

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Marktmacht könnte zu Übernahmen führen

Angesichts dieser riesigen Macht werden auch seit geraumer Zeit Forderungen nach einer Regulierung der digitalen Märkte laut. EU-Wettbewerbskommissarin Vestager erklärte am 7. Juni, die Dominanz von Big Tech einschränken zu wollen und die notwendigen Schritte zu prüfen. In der Corona-Pandemie habe sich auch die Abhängigkeit Europas von diesen US-Unternehmen gezeigt. Die Big Five hätten bereits monopolartige Strukturen gebildet – das müsse man auf neuen Märkten zu verhindern. Dazu sammle die EU Ideen. Auch in den USA müssen die Big Five der Wettbewerbsaufsicht FTC umfangreiche Informationen über ihr Verhalten in den letzten zehn Jahren erteilen. Die Behörde möchte wissen, ob und wie sich die Konzerne dem Wettbewerb zu entziehen suchen.

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Eine Machtkonzentration, die sich durch Corona noch verstärkt hat – und die noch weiter zunehmen könnte. Mit vollen Kassen ließen sich auch angeschossene Konkurrenten übernehmen. Spekuliert wird über einige Szenarien: Apple etwa könnte Walt Disney kaufen. Davon träumte schon Steve Jobs, um Apples Dominanz im TV-Bereich durchzusetzen. Google könnte den Taxidienst Lyft übernehmen. Seine Tochter Waymo ist führend bei der Entwicklung autonomen Fahrens – die Technologie käme so wörtlich auf die Straße. Facebook schielt auf Zoom, um seinem Videochat-Portal mit Zooms App den Durchbruch zu verschaffen. Da stellt sich in der Tat die Frage nach dem Wettbewerb. Denn die Software- und Internetbranche neigt stärker zur Monopolisierung als die meisten anderen.

Was sollen Anleger tun?

Wenn man als Privatinvestor am Erfolg der Big Five teilhaben will, sich aber Alphabet, Apple, Amazon, Microsoft und Facebook nicht einzeln ins Portfolio legen möchte, hat man Zugang zu entsprechenden Indizes über ETFs, also Indexfonds.

Da ist zuerst der eingangs erwähnte "iShares Dow Jones Global Titans 50" (WKN: 628938). Er enthält die 50 größten börsennotierten Unternehmen der Welt. Die Big Five sind die am stärksten gewichteten Unternehmen. Die Gesamtkostenquote (TER) ist mit 0,51 Prozent für einen ETF relativ hoch, aber die Performance spricht für den Fonds.

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Bei den Branchen-ETFs ist zu berücksichtigen, dass Facebook, Alphabet und Netflix seit September 2018 nicht mehr im Sektor "Information Technology" zu finden sind (Apple, Microsoft und Nvidia dagegen schon), sondern im Sub-Index "Communication Services". Amazon wiederum findet sich im Sektor "Consumer Discretionary". Man könnte also drei ETFs kaufen, etwa auf den MSCI USA mit den Branchen "Informationstechnologie", "Telekommunikation" und "Nicht-Basis-Konsumgüter".

Wer es leichter haben will, kann in einen ETF auf den Nasdaq 100 investieren. Er enthält Big Tech und mehr. Allerdings ist der Nasdaq 100 entgegen mancher Vorstellung kein Tech-Index. Er spiegelt vielmehr die Performance der 100 größten Aktien außerhalb des Finanzsektors wider und war 1971 die erste vollelektronische Börse. Der Nasdaq-Index hat seit der Corona-Krise wieder Allzeit-Hochs erreicht.

Eine Alternative ist der Lyxor Russell 1000 Growth (WKN: LYX0MS). Er bietet Zugang zu gut 500 Wachstums-Unternehmen aus dem Large-Cap-Segment des US-Aktienmarkts und enthält die Big Five und noch mehr. Hier finden sich auch Wachstumswerte wie Visa, United Health, Mastercard und Merck & Co. Dieser ETF hat eine TER von 0,19 Prozent und ist damit günstiger als ETFs auf den NASDAQ 100, die im Schnitt jährlich etwa 0,3 Prozent kosten.

Biallo Tipp

Wer mehr als ein ganz einfaches, sogenanntes "Plain Vanilla"-Portfolio möchte, das unterschiedslos weltweit in alle Branchen investiert, kann sich überlegen, mit einem Teil des Depots einen Schwerpunkt auf die großen IT-Unternehmen zu legen. Es ist nicht davon auszugehen, dass ihr Wachstum auf absehbarer Zeit endet.



  Alexander Rudow
 

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