Bionorica-Chef zu Cannabis-Aktien: "Der Markt ist zu euphorisch"

Highflyer Bionorica-Chef zu Cannabis-Aktien: "Der Markt ist zu euphorisch"

von Lars Becker
25.01.2018
Auf einen Blick
  • Im Zuge der Legalisierung im US-Bundesstaat Kalifornien sind Marihuana-Aktien durch die Decke gegangen.

  • In Deutschland gibt es seit März 2017 Cannabis auf Rezept. Der medizinische Anbau der potenten weiblichen Pflanzen soll 2019 starten.

  • Bionorica-Chef Markus Popp vergleicht die Kursexplosion von Cannabis-Aktien mit der Blase bei den Kryptowährungen.

  • Anleger sollten die Risiken bei einem Cannabis-Investment nicht unterschätzen.
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In Deutschland können Menschen mit schweren chronischen Schmerzen seit März 2017 Cannabis auf Rezept bekommen. Über 13.000 Menschen wurde die Droge seither verordnet. Das ist ein kleiner Anfang, aber in Nordamerika explodiert das Business förmlich und damit auch die Aktien der mit dem Thema Hanf (Cannabis ist das lateinische Wort für Hanf) beschäftigten Firmen.

In 29 US-Bundesstaaten ist der medizinische Gebrauch von Cannabis erlaubt. Im großen US-Bundesstaat Kalifornien darf man seit dem 1. Januar dieses Jahres auch offiziell Joints in der Freizeit rauchen. Damit ist der liberale Staat am Pazifik einer von acht US-Bundesstaaten, in dem das erlaubt ist. In Kanada soll der schon seit 2001 zu medizinischen Zwecken erlaubte Cannabis-Gebrauch ab 1. Juli 2018 landesweit komplett legalisiert werden.

Kursexplosion bei Cannabis-Aktien

Genau diese Entwicklungen haben die Börsenkurse vieler Cannabis-Firmen aus Kanada in den letzten Wochen raketenartig nach oben getrieben. Der Kurs von Aurora Cannabis, die mit der jüngsten Übernahme von CanniMed Therapeutics zum weltgrößten Cannabis-Anbieter aufsteigen, hat sich zum Beispiel in den vergangenen drei Monaten fast verfünffacht. Auch andere große Firmen wie die bisherige Nummer eins, Canopy Growth, oder Aphria konnten märchenhafte Kursanstiege verzeichnen.

Die Marktkapitalisierung der genannten Firmen hat längst die Milliardengrenze durchbrochen, obwohl die Umsätze gerade erst so richtig zu steigen beginnen. Fast sieben Milliarden Dollar wurden 2017 in Nordamerika mit dem legalen Verkauf von Marihuana (die getrockneten Blüten werden als Marihuana bezeichnet) umgesetzt. Schon 2020 könnten es nach Schätzungen bis zu 40 Milliarden Dollar sein.

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Marihuana-ETF auch in Deutschland handelbar

"2015 kamen die ersten Unternehmen aus dem Bereich so richtig an die Börse und in letzter Zeit hat der Boom so richtig begonnen. Allerdings muss man als Anleger extrem aufpassen und sich jetzt am Anfang auf große Firmen fokussieren, falls man auf diesen Bereich setzen möchte. Noch besser ist die Anlage in einem ETF", sagt Andreas Lipkow, Marktexperte von Comdirect, zu biallo.de.

Der Horizons Marijuana Life Sciences Index ETF (ISIN CA44054J1012) hat sich seit seiner Auflegung im vergangenen Jahr ebenfalls im Wert fast verdreifacht. Die genannten drei Unternehmen sind dort Schwergewichte. Der ETF-Fonds kann in Deutschland an den Börsenplätzen Berlin, Düsseldorf und München gehandelt werden.

Bionorica-Chef ist sekptisch

Die große Frage ist nun: Geht es weiter steil nach oben oder folgt auf den Kursrausch der große Absturz? Markus Popp, der Vorstandsvorsitzende von Bionorica, rät im Gespräch mit biallo.de in jedem Fall zur Vorsicht. "Der Markt und die Bewertungen der Firmen sind zu euphorisch. Momentan ist doch überhaupt noch nicht abzusehen, welcher Marktteilnehmer welche Rolle spielen wird", warnt Popp.

Seine Firma Bionorica ist der größte Anbieter von medizinischen Cannabis-Präparaten in Deutschland. Ihn erinnert die Kursexplosion ein wenig an die Kryptowährungsblase rund um den Bitcoin: "Plötzlich macht es dann Peng und es geht ordentlich Luft raus." Sein mit einer hohen Eigenkapitalquote ausgestattetes Unternehmen, so kündigt Popp an, wird jedenfalls auch in Zukunft nicht an die Börse gehen.

 

Komplette Legalisierung eher unwahrscheinlich

Er glaubt an weitere Wachstumschancen der Branche in Deutschland, aber nicht an gigantische Umsatzsteigerungen. Dazu müsste auch in anderen großen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien, Spanien oder Polen Cannabis auf Rezept legalisiert werden – danach sieht es aber momentan (noch) nicht aus. An die komplette Legalisierung des Spaßdroge glaubt Popp ohnehin nicht in Deutschland und dem ganzen Kontinent: "Dieser Stoff gehört auf ein Apothekenrezept."

Genau wegen dieser Einstellung und der Stärke der Apotheken-Lobby in Deutschland dürfte es hierzulande auch künftig keinen explosiven Cannabis-Boom geben. In Nordamerika ist die ganze Kultur dagegen eine ganz andere – dort kann man auch viele verschreibungspflichtige Medikamente ganz einfach im Drogeriemarkt kaufen. Eine Investition in den Cannabis-Bereich könnte sich also langfristig durchaus lohnen.

Risiken nicht unterschätzen

"Das Thema muss sich auch in der Gesellschaft erst durchsetzen – und dann muss man genau verfolgen, wie die Politik tickt", so Lipkow. In den USA bemüht sich Präsident Donald Trump mit seiner Administration gerade, den Liberalisierungs-Kurs vieler Bundesstaaten zu stoppen. Cannabis-Aktien sind wegen der zahlreichen Unwägbarkeiten also definitiv kein Segment für Anfänger. Hier wirken eher Mechanismen wie aus dem Rohstoffbereich, was auch extreme Kursausschläge nach oben und unten bedeutet.

Lipkows Empfehlung: "Wer das Risiko nicht scheut, kann ja einen ETF oder ausgewählte Aktien von größeren Unternehmen auf seine persönliche Watchlist setzen und auf Konsolidierungen warten. Da rennt nichts weg, wir sind erst am Beginn eines lang angelegten Trends, bei dem wir über Jahre oder Jahrzehnte reden." Dann wird irgendwann auch die Frage beantwortet, ob der Rausch nur von kurzer Dauer war.

Biallo-Tipp: Die Investition in Cannabis-Aktien ist nur etwas für risikobereite Anleger, die einen kleinen Teil ihres Portfolios quasi als "Salz in der Suppe" investieren wollen. Wegen der nicht absehbaren Entwicklungen empfehlen sich entweder der Cannabis-ETF oder ausgewählte Aktien von großen kanadischen Unternehmen aus der Branche.

Biallo-Lesetipp

Kassen- und Privatpatienten können seit März 2017 bei bestimmten Indikationen Cannabis als Medizin auf Rezept erhalten. Vor der ersten Verordnung ist eine Genehmigung der Krankenkasse oder des privaten Krankenversicherers nötig. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel Cannabis auf Rezept.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de