Bitcoin & Co: Kryptowährungen erleben zweiten Frühling

Kryptowährungen Bitcoin & Co: Kryptowährungen erleben zweiten Frühling

Tim Stockschläger
von Tim Stockschläger
15.04.2019
Auf einen Blick
  • Zum Monatsbeginn haben die Kurse von Bitcoin und anderen Kryptowährungen deutlich angezogen. Eine Ursache für den jüngsten Kursanstieg ist allerdings noch nicht ausgemacht.

  • Finanzexperten sind nach wie vor zwiegespalten, ob sich der Bitcoin als gängiges Zahlungsmittel durchsetzen wird. Die Auflage eines Bitcoin-ETF in den USA hätte zumindest positive Signalwirkung.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Auf den ersten Blick sah alles nach einem gigantischen Aprilscherz aus: Der Preis vieler Kryptowährungen – allen voran Bitcoin – kletterte in der Nacht vom ersten auf zweiten April um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Ein konkreter Grund? Fehlanzeige. Doch der Preis blieb über mehrere Tage stabil. Inzwischen hat sich der Bitcoin-Kurs über der psychologisch wichtigen Marke von 5.000 US-Dollar eingependelt.

Wollen Sie in Sachen Kryptowährungen auf dem Laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Wie so oft an den Finanzmärkten, gibt es für Kursänderungen nicht immer eine exakte Erklärung. Das ist auch das Besondere an diesem Kurssprung: Es lässt sich nicht nur keine genaue Begründung dafür ausmachen, es mangelt selbst an kleinsten Nachrichten, die den Kurs beeinflusst haben könnten.

Ein nachhaltiger Anstieg von inzwischen über 30 Prozent – nicht nur einer Kryptowährung, sondern quer durch die Bank – geht fast immer einher mit signifikanten Nachrichten. Diese blieben auf dem Kryptomarkt aber zunächst aus. Die schwache Nachrichtenlage und damit das Fehlen von fundamentalen Neuigkeiten deuten darauf hin, dass der Kursanstieg in erster Linie psychologischer Natur entspringt.

Lesen Sie auch: Bitcoin, Ethereum und Ripple – Wie sind die Aussichten für 2019?

Mehr als ein Aprilscherz

Der gesamte Kryptomarkt ist im Vergleich zum klassischen Aktien- oder Anleihemarkt nach wie vor gering kapitalisiert. In der Folge haben größere Kauf- oder Verkaufsorders einen überproportionalen Einfluss auf die Kursfindung. Experten sprechen hier von sogenannten "Walen", also Investoren, die hohe Orders von oft mehreren Millionen Euro Gegenwert aufgeben. Die ausgelöste Kursentwicklung durch die große Order wird oftmals durch weitere automatisierte Orders, beispielsweise bei wichtigen Marken wie 5.000 US-Dollar, verstärkt. Eine solche Wale-Order löst folglich einen Impuls aus, der die Kursentwicklung weiter intensiviert.

Dies scheint auch diesmal zumindest einer der Kurstreiber gewesen zu sein. Dennoch erklärt so ein Wal nicht ganz alleine den nachhaltigen Anstieg. Diese Aufträge sorgen oft für einen kurzfristigen Kursausschlag, der selten über mehr als ein paar Stunden oder Tage anhält. Berichten zufolge wurden am Dienstag, den 2. April, mehrere Kauforders platziert von insgesamt 100 Millionen US-Dollar, verteilt auf verschiedene Kryptohandelsplätze wie Coinbase und Kraken.

Erinnerungen werden wach

Das alles lässt tendenziell eher auf einen kurzfristigen Preisanstieg schließen. Einige Investoren mögen sich sogar an die verrückte Kursrally im Winter 2017/18 erinnert fühlen. Zwar sind wir von den einstigen Höchstkursen noch weit entfernt, es reichte aber immerhin für einen neuen Jahreshöchststand bei Bitcoin und vielen anderen Kryptowährungen.

Bei dem Kursfeuerwerk vor rund 16 Monaten haben sich viele Investoren die Hände verbrannt und erlitten starke Kursverluste von nicht selten über 50 Prozent. Die Vermutung liegt nahe, dass insbesondere Privatinvestoren einen neuen Kursanstieg mit deutlich mehr Skepsis beobachten.

Lesen Sie auch: Bitcoin – Der Absturz des Krypto-Superstars

Bitcoin als letzte Rettung in Krisenländern

Gleichzeitig hat sich aber in den vergangenen Monaten seit dem Hype viel getan und Bitcoin erfährt mittlerweile eine weltweit deutlich höhere Akzeptanz. Die Nützlichkeit von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum zeigt sich auch in Krisenländern wie Venezuela. Die lokale Währung – der Venezolanische Bolívar – unterliegt einer starken Inflation, die mit der deutschen Hyperinflation in den 1920er Jahren vergleichbar ist. Geldscheine sind nahezu wertlos und werden als Zahlungsmittel immer weniger akzeptiert. Bitcoin ist das Mittel der Wahl – zumindest für den Teil der Bevölkerung, der technisch versiert ist. Ironischerweise steht der Bitcoin in Venezuela für Stabilität und Akzeptanz. Merkmale, die ihm in Europa noch nicht nachgesagt werden.

Venezolanische Journalisten, die für ausländische Medien tätig sind, lassen sich vermehrt in Kryptowährungen bezahlen. Sofern die Möglichkeit besteht. Große Konzerne – etwa aus den USA – seien oft nicht bereit und zu wenig flexibel, um in einer anderen Währung als US-Dollar eine Rechnung zu begleichen, heißt es. Dabei wird der Kauf alltäglicher Lebensmittel mit der lokalen Währung tagtäglich komplizierter oder gar unmöglich. Dies ist einer der Gründe, wieso Bitcoin und vermehrt auch andere Kryptowährungen eine breitere Anwendung und Akzeptanz erfahren – zumindest im Ausland.

Lesen Sie auch: Bitcoin – Elliott-Wellen kündigen Turbulenzen an

Auf dem Weg zum gängigen Zahlungsmittel?

Hierzulande sind die Fortschritte eher schleppend. "Aktuelle Akzeptanzstellen in Deutschland lassen sich mehr oder weniger an den Fingern abzählen", erklärt Timo Emden, Gründer von Emden Research. Die Gründe dafür benennt er klar: "Das Image von Bitcoin ist derzeit mehr als angekratzt. Neben Hackerangriffen auf Kryptobörsen wird die digitale Währung oft mit Geldwäsche in Verruf gebracht."

So sieht es auch der US-Ökonom Nouriel Roubini: Er nennt Bitcoin "die Mutter des Betrugs". Er ist auch vom gesamten Kryptomarkt nicht sonderlich überzeugt. Der Star-Ökonom beschrieb den Krypto-Markt Ende vergangenen Jahres wörtlich wie folgt: "99 Prozent der Kryptotransaktionen sind ein Tausch von einem Shitcoin zu einem anderen Shitcoin."

Wenn auch von Regierungen und Politikern unerwünscht, bleibt das Interesse an Kryptowährungen hoch. Christoph Iwaniez, Finanzvorstand bei Bitwala, erwartet daher auch eine weltweit stärkere Adaption von Bitcoin & Co: "Die Signale sind alle da: International tätige deutsche Finanzinstitute investieren in die Blockchain. Das regulatorische Umfeld in Deutschland und Europa passt sich erfreulicherweise sehr rasch der technologischen Entwicklung an, unter anderem plant die Regierung, im Sommer ihre Blockchain-Strategie für Deutschland vorzustellen."

Google-Suchanfragen ziehen an

Die Auswertung der Google-Suchanfragen, genannt "Google Trends", zeigt, dass sich die weltweiten Anfragen zu Keywords wie "Bitcoin" oder "Kryptowährungen" über die vergangenen Wochen mehr als verdoppelt haben. Interessant ist, dass der Anstieg bei den Suchmaschinen-Anfragen eher kurzfristiger Natur ist und schon wenige Tagen nach dem Kursanstieg wieder abflaute. Die Kurse der größten Kryptowährungen blieben jedoch vergleichsweise stabil.

Doch auch langfristig entwickelt sich die nachrichtentechnische Situation für Bitcoin & Co positiv: In Europa gibt es nun erste sogenannte Security Token auf der Blockchain und sowohl auf EU-Ebene als auch auf nationaler Ebene in Deutschland schreiten die Regierungen bei der Regulierung von Kryptowährungen und Blockchain-Unternehmen voran. Zwar ist die Regulierung bei Krypto-Enthusiasten eher unbeliebt, da sie gegen das ursprüngliche Prinzip der Kryptowährungen widerspricht. Zeitgleich bedeutet ein maßregelnder Eingriff von Regierungen jedoch auch die Chance auf eine weitere Massenadaption und damit eine langfristige Stärkung der Kurse.

Lesen Sie auch: Was Sie über Kryptowährungen noch nicht wussten

Wie sieht die Zukunft von Bitcoin aus?

Christoph Iwaniez könnte sich eine hybride Lösung für die nächsten Jahre vorstellen: "Dank der fortschreitenden Digitalisierung sind wir aktuell auf dem Weg in eine hybride Zukunft, in der sich staatliche Währungen durch Blockchain-basierte Kryptowährungen ergänzen." Das scheint aus heutiger Sicht wohl die wahrscheinliche Kombination – eine Koexistenz von traditioneller Fiat-Währung und Kryptowährung. Wie freundlich die Koexistenz ist, wird sich zeigen, oder ob etwa weitere Staaten Versuche unternehmen, Kryptowährungen zu beschränken beziehungsweise zu verbieten.

Die wichtigste Kryptowährung – das wissen inzwischen viele – ist sehr energieintensiv. Der Grund dahinter ist, dass Bitcoin "geschürft" wird. Der Vorrat an Bitcoins ist also, ganz analog zum Edelmetall Gold, klar begrenzt. Während Gold in großen Minen gewonnen wird, "entstehen" die digitalen Münzen in den Grafikkarten von Hochleistungsrechnern. Nach insgesamt 21 Millionen Bitcoins ist Schluss. Mehr gibt es nicht.

Lesen Sie auch: "Der Vergleich zwischen Bitcoin und Gold hinkt"

Doch wann ist diese Höchstgrenze erreicht? In den frühen Jahren der Kryptowährung haben Miner 50 Token je Block erhalten – dieser Bonus halbiert sich jeweils nach 210.000 und liegt derzeit bei nur noch 12,5 Token. In ein paar Monaten ist die nächste Grenze erreicht und Miner erhalten nur noch 6,25 Bitcoins pro Block.

Das erklärt, wieso auch das Gros der Bitcoins bereits vorhanden ist, nämlich fast 18 Millionen Bitcoins in nur etwas mehr als zehn Jahren. Dennoch, das Ende ist weit entfernt: Die kontinuierliche Halbierung der Mining Rate streckt die Restdauer auf etliche Jahre. Die letzten Bitcoins sollten daher erst im Jahr 2140 erschöpft sein.

Experte erwartet große Marktbereinigung

Für die zahlreichen sogenannten "Altcoins" sieht Analyst Timo Emden jedoch aus einem anderen Grund eine düstere Zukunft: "Die Liste der Crypto Assets mit einer Perspektive ist meines Erachtens überschaubar. Für eine Fülle von Altcoins dürfte es in naher Zukunft nicht reichen. Diese werden früher oder später als Luftnummer auffliegen." Immerhin gibt es inzwischen über 2.000 dieser Altcoins. Diese stehen jedoch auf einem sehr fragwürdigen Fundament.

Wie wichtig Seriosität für die Branche ist, zeigt auch die wachsende Anzahl an Security Token Offerings (STO) in Europa. Diese nutzen die Blockchain-Technologie, um echte Aktien oder Anleihen auf Basis der sogenannten Distributed Ledger Technologie (DLT) herauszugeben statt über die klassische Börse. Diese Art der "digitalen Börsengänge" sind daher auch oft von der lokalen Finanzmarktaufsicht reguliert und geprüft.

Lesen Sie auch: ICO – Teufelszeug oder sinnvolles Investment

Auf welche Signale sollten Anleger achten?

Eine erfolgreiche Zulassung eines Bitcoin-ETF in den USA hätte große Signalwirkung an die gesamte Branche und wäre ein Meilenstein für Kryptowährungen. Die Türen für den Massenmarkt wären dann wohl weit geöffnet und die Nachfrage dürfte erneut sprunghaft ansteigen. "Die Chancen dafür bleiben allerdings weiterhin schlecht", kommentiert Timo Emden die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Bitcoin-ETFs. Für Emden ist jedoch ein Kurs über 5.000 US-Dollar wichtig: "Solange der Kurs sich oberhalb der börsenpsychologischen Marke von 5.000 Dollar behaupten kann, bleiben die Preisfantasien bis auf 6.000 Dollar weiterhin am Leben."

In den nächsten Wochen bleibt abzuwarten, ob sich der jüngste Kursanstieg tatsächlich als nachhaltig erweist. Den Kryptowährungen steht immerhin der erste "normale" Sommer in der breiten Öffentlichkeit bevor. Auf die wachsende Beliebtheit von Kryptowährungen zum Jahreswechsel 2017/18 folgte eine starke mediale Aufmerksamkeit in allen Medien. Dann folgte der Crash. Jetzt wird sich zeigen, ob die alte Börsenweisheit "Sell in may and go away" auch in der Kryptowelt eine geeignete Strategie ist.

Biallo-Tipp

Die Redaktion von biallo.de warnt vor einem Investment in Bitcoins. Die Anlage ist hochriskant, die Gefahr eines Totalverlusts immens. Zudem kann die Währung für kriminelle Zwecke missbraucht werden. Anleger sollten getreu dem Motto verfahren: Kaufe nur, was Du kennst!

Ihre Meinung ist uns wichtig
Tim Stockschläger
Tim Stockschläger
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Tim Stockschläger
Tim Stockschläger
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Tim Stockschläger
Tim Stockschläger
E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de