Wertpapiere

Börsenjahr 2020: Potenzielle Gewinner- und Verlierer-Aktien

Update: 30.12.2019
Björn König
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Auf einen Blick
  • Das Jahr 2020 droht für Börsianer aufgrund von Handelskonflikten und Rezessionsgefahren ungemütlich zu werden.

  • Einige Aktien stehen deshalb vor dem Turnaround, doch es bieten sich auch günstige Einstiegschancen bei Wachstumswerten.

  • Insbesondere bei einer offensiven Anlagestrategie sollten Investoren trotz volatiler Marktlage Ruhe bewahren.
Was bringt das neue Börsenjahr? Bei der Auswahl von Einzeltiteln sollten Anleger stets die Chancen und Risiken gut abwägen.
GrAL/Shutterstock.com
Eines ist sicher: Das kommende Jahr steckt für Börsianer voller Risiken, aber auch voller Chancen. Als größte Unsicherheitsfaktoren bleiben vor allem internationale Handelskonflikte und das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen im November. In einzelnen Branchen wird sich der Wind durch neue Wettbewerber drehen, während für andere die Chance zu deutlichem Wachstum besteht.
Wir haben uns im Detail angeschaut, welche Unternehmen Potenzial für das kommende Jahr haben und wie Investoren sich somit optimal auf die wichtigsten Entwicklungen für 2020 am Aktienmarkt vorbereiten. Eines aber gleich vorweg: Wer bereits langfristig investiert ist, sollte nicht etwa in subjektive Hektik verfallen, sondern sein eigenes Portfolio stets anhand objektiver Kriterien bewerten.

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Aktien mit Verlustrisiko

Netflix
Bislang kannte die Netflix-Aktie eigentlich nur eine Richtung: und zwar nach oben. Im Frühjahr 2019 waren zeitweise über 340 Euro möglich. Doch in der zweiten Jahreshälfte setzte die Konsolidierung ein.
Hauptgrund für den jüngsten Kursdruck ist der verschärfte Wettbewerb: In den USA beginnen die so genannten "Streaming Wars". Mit Disney und Apple TV starteten im November auf dem US-Heimatmarkt bereits wichtige neue Wettbewerber, im kommenden Jahr bringt AT&T seinen Streaming-Dienst "HBO Max" zudem fast weltweit an den Start. Auch NBCUniversal dürfte in diesem Geschäft kräftig mitmischen.
Zwar hat Netflix im Bezug auf eigene Inhalte noch Vorsprung, wird jedoch weitaus mehr in exklusive Inhalte investieren müssen, um die Nase vorn zu haben. Das Problem: Schon jetzt stagnieren die Abonnentenzahlen oder sind in den USA sogar rückläufig. Eine Kursrallye wird es somit bei Netflix wohl vorerst nicht mehr geben.

Altria

In den vergangenen Jahren waren Tabak-Aktien für Anleger eine relativ sichere Bank. Obwohl die politischen Rahmenbedingungen – insbesondere in westlichen Ländern – schwieriger wurden, verdienten Konzerne wie Altria nach wie vor gutes Geld. Wachstum gab es vor allem in Entwicklungsländern, zudem rechnete man sich mit dem sogenannten Vaporizing (Verdampfen) neue Wachstumschancen außerhalb des klassischen Tabakgeschäfts aus. Gerade für Einkommensinvestoren bedeutete dies über Jahrzehnte verlässliche Dividendenzahlungen.
Altria dürfte allerdings im kommenden Jahr kräftig durchgeschüttelt werden. In den USA gab es im Zusammenhang mit E-Zigaretten bereits dutzende Todesfälle. Präsident Trump hatte in diesem Zusammenhang Verschärfungen für den Verkauf entsprechender Produkte angekündigt. Besonders hart trifft diese Entwicklung die Altria-Tochter Juul. Der Konzern war Ende 2018 mit fast 13 Milliarden US-Dollar bei dem Hersteller von E-Zigaretten eingestiegen. Allerdings entwickelt sich dieser Geschäftsbereich für Altria mittlerweile zu einem unkalkulierbaren Risiko.

Nokia

Die Aktie des finnischen Netzwerkspezialisten Nokia stellt für Anleger ein regelrechtes Fiasko dar. Ursächlich ist insbesondere eine deutliche Gewinnwarnung im Oktober, zudem macht der weiterhin scharfe Wettbewerb im Bereich 5G-Netzwerktechnologie dem Unternehmen schwer zu schaffen. Die größten Mitbewerber in diesem Bereich sind Huawei und Ericsson. Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation verlässt COO Joerg Erlemeier den Nokia-Vorstand zum 1. Januar.
Betrachtet man die Aktie in ihrer langfristigen Perspektive, hat sie im Bereich des europäischen Technologiesektors besonders Federn gelassen. Auch wenn der Titel letztendlich zu den größten Verlierern gehört, gibt es eventuell für Anleger noch einen Lichtblick. Fakt ist nämlich, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs einem Engagement von Huawei im Rahmen der 5G-Netzwerktechnologie äußerst kritisch gegenüberstehen. Unternehmen wie die Deutsche Telekom verbannen Huawei aus ihren Kernnetzen. Es bestehen also gute Chancen, dass Nokia hier doch noch zum Zug kommt. Fazit: Nokia ist aus unserer Sicht aktuell eher ein Kursverlierer, bietet aber durchaus langfristig Potenzial für mutige Anleger.

Potenzielle Wachstumswerte

Novartis
Besonders vielversprechend erscheint im neuen Jahr die Aktie des Schweizer Pharmakonzerns Novartis. Das Unternehmen übernimmt für 9,7 Milliarden US-Dollar die amerikanische Biotechnologiefirma The Medicines Company. Nach aktuellen Planungen soll die Transaktion voraussichtlich im ersten Quartal 2020 abgeschlossen sein.
Novartis dürfte mit dieser Übernahme insbesondere sein Portfolio an innovativen Herz-Kreislauf-Medikamenten ausbauen. Im Fokus steht dabei der Cholesterinsenker "Inclisiran", welcher das Geschäft mit dem Herzinsuffizienz-Präparat "Entresto" ergänzen soll. Analysten sehen allein hier ein jährliches Umsatzpotenzial von fünf Milliarden US-Dollar.
Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neben onkologischen Erkrankungen, nach wie vor zu den größten medizinischen Herausforderungen gehören, dürfte dieser Bereich auch langfristig für Investoren ein attraktives Umfeld bieten. Risiken bestehen allerdings wie bei allen Herstellern von Originalpräparaten. Dies wäre einerseits der auslaufende Patentschutz eigener Wirkstoffe sowie die eventuelle Nicht-Zulassung neuer Präparate durch die US- beziehungsweise EU-Gesundheitsbehörden.

PayPal

Auch die Aktie des US-Finanzdienstleisters PayPal verspricht weiteres Kurspotenzial. Das Unternehmen entwickelt sich international zu einem der wichtigsten Konkurrenten für die Bankenbranche. Vor allem im Bereich Online-Zahlungen führt eigentlich kaum noch ein Weg an PayPal vorbei. Mittel- bis langfristig hat das Unternehmen sogar Potenzial, klassische Banken mit Girokonten in ihrem Kerngeschäft abzulösen.
In den USA ist PayPal bereits mit einem physischen Kartenprodukt für Privatkunden an den Markt gegangen, in Deutschland startete kürzlich ein ähnliches Produkt, allerdings mit Fokus auf Geschäftskunden. Zudem steigt PayPal beim in den USA beliebten Bonus- und Rabattprogramm "Honey" ein. Dies ist mit vier Milliarden US-Dollar zugleich der wohl größte Zukauf in der PayPal-Unternehmensgeschichte.
Die Erweiterung des Online-Zahlungsgeschäfts mit Bonusprogrammen verspricht auch in den USA rasantes Wachstum und ist daher ein nachvollziehbarer strategischer Schritt für PayPal, welcher sich letztendlich positiv auf den Aktienkurs auswirken dürfte.

Viacom

Der US-Medienkonzern Viacom bietet eine interessante Wachstumsstory. In den USA tut sich das Unternehmen, zu dem unter anderem das Filmstudio Paramount Pictures, das Kinderprogramm Nickelodeon und der Musiksender MTV gehören, mit dem Fernsehnetzwerk CBS zusammen. Ziel ist es, einen großen Medienkonzern zu formen, welcher es mit starken Wettbewerbern wie Disney und WarnerMedia aufnehmen kann. Bereits im Dezember soll der Zusammenschluss auch rechtlich über die Bühne gehen, das neue Unternehmen trägt den Namen ViacomCBS.
Mit einem kumulierten Umsatz von "nur" 30 Milliarden US-Dollar ist der neue Mediengigant zwar vergleichsweise klein, verfügt jedoch durch Paramount und CBS über einen großen Katalog an Film- und Serienrechten. Zudem erscheint es sehr wahrscheinlich, dass ViacomCBS auch im Streaming-Geschäft stärker mitmischen wird.
In Deutschland ist man derzeit mit dem kostenlosen Dienst "Pluto TV" vertreten. Eine Umstellung von kostenlosen zu kostenpflichtigen Premium-Inhalten würde weiteres Geld in Kassen des Unternehmens spülen. Insbesondere mit Blick auf den günstigen Aktienkurs stehen die Chancen auf eine weitere positive Entwicklung somit sehr gut.

Fazit

Sowohl bei amerikanischen als auch bei europäischen Aktien dürfte sich im kommenden Jahr viel bewegen. Ein großer Vorteil bei den hier genannten Titeln ist aber – unabhängig von einer Entwicklungsprognose – der Umstand, dass es sich prinzipiell um antizyklische Wertpapiere handelt. Deren Stärke ist es, weniger stark konjunkturabhängig und damit durch Handelskonflikte beeinflussbar zu sein. Zyklische Wertpapiere haben andererseits den Nachteil, aufgrund attraktiverer Wachstumschancen höher bewertet zu werden, was sie wiederum für Anleger teurer macht.

Biallo-Tipp

Negativzinsen sind mittlerweile auch bei Aktionären angekommen, zumindest mit Blick auf das Depot-Verrechnungskonto. Flatex und Justtrade erheben bereits Strafzinsen für Guthaben auf dem Verrechnungskonto. Die Depotbank DAB BNP Paribas wird zum Jahreswechsel nachziehen, weitere Anbieter könnten folgen. Trading-Guthaben sollte deshalb generell möglichst zeitnah investiert oder zurück auf das eigene Referenzkonto überwiesen werden.



  Björn König


 

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