Corona-Epidemie: Diese Unternehmen forschen an einem Impfstoff

Covid-19 Corona-Epidemie: Diese Unternehmen forschen an einem Impfstoff

von Andreas Jalsovec
23.03.2020
Auf einen Blick
  • Zahlreiche Firmen forschen weltweit an Medikamenten und Impfstoffen gegen das Coronavirus.

  • Die Aktienkurse der an der Börse notierten Pharma-Unternehmen verzeichneten dabei zum Teil spektakuläre Kursgewinne.

  • Der Kauf der Aktien ist oft sehr spekulativ. Rückschläge in der Forschung können Kursstürze zur Folge haben. Anleger sollten vorsichtig sein.



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Das Pharma-Unternehmen CureVac war noch vor wenigen Wochen den wenigsten Deutschen ein Begriff. Mittlerweile hat die Tübinger Firma es jedoch zu einiger Bekanntheit gebracht. Schuld daran ist Donald Trump. Der US-Präsident soll jüngst ein Auge auf das Unternehmen und die dort arbeitenden Wissenschaftler geworfen haben. Trump, so berichteten Medien, wolle die Pharma-Experten der Firma in die USA locken, sie sollen dort exklusiv für sein Land forschen.

Der Grund für das Interesse Trumps an der Arbeit der deutschen Forscher: CureVac arbeitet offenbar relativ erfolgreich an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Das Vorhaben Trumps allerdings scheiterte am Veto des Großinvestors von CureVac: dem SAP-Gründer Dietmar Hopp. Der Unternehmer und Mäzen des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim machte klar, dass man einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln wolle – und nicht für einzelne Staaten.

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Fast 50 Forschungsprojekte weltweit

Kurioser Nebeneffekt der Geschichte: Wegen des großen Interesses der Amerikaner an Hopps Firma suchten etliche Anleger auf einschlägigen Börsenportalen nach der CureVac-Aktie. Das Unternehmen ist allerdings gar nicht börsennotiert. Dafür stieg der Aktienkurs von Heidelberg Pharma rasant an. Seit dem 19. Februar, dem Beginn der Corona-Krise, kletterte er um fast 65 Prozent, zwischenzeitlich hatte er sich nahezu verdreifacht. An dem Unternehmen ist Hopp ebenfalls beteiligt – über dieselbe Holding wie an CureVac. Gleichzeitig arbeitet Heidelberg Pharma auch an einem Medikament gegen die Corona-Krankheit.

Das Beispiel zeigt: Firmen, die an Mitteln gegen "Covid 19" forschen, sind derzeit an der Börse äußerst gefragt. Das gilt insbesondere für Impfstoffhersteller. Weltweit gibt es davon einige – und sie arbeiten mit Hochdruck. "Noch nie haben Pharma-Unternehmen und Forschungseinrichtungen so schnell auf einen neuen Erreger reagiert wie auf das neue Coronavirus, das die Krankheit Covid 19 hervorruft", teilt der Verband forschender Pharma-Unternehmen jetzt mit. Weltweit laufen derzeit nach Angaben des Verband 47 Projekte, in denen Unternehmen, Universitäten und Institute an einem Impfstoff gegen das Virus arbeiten.

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Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
Klassik Dollar ShortTerm Anleihen R A
AT0000961057
1,69%
2.
BNPP US Short Duration Bd. C USD
LU0012182399
1,38%
3.
AXA WF-Em. Mkt. Sh. Du. Bd. A Dis USD
LU0964940091
1,08%
Laufzeit: 5 Jahre

Experten: Impfstoff erst in einem Jahr verfügbar

Wann ihnen der Durchbruch bei der Suche nach einem wirksamen Mittel gelingen wird, ist allerdings offen. So spricht zwar CureVac-Eigner Hopp davon, dass sein Unternehmen bereits im Herbst einen Impfstoff bereitstellen will. Die zuständigen Genehmigungsstellen sind jedoch deutlich skeptischer. So geht etwa das in Deutschland für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel zuständige Paul-Ehrlich-Institut davon aus, dass erst im Frühjahr 2021 ein Impfmittel gegen das Virus bereit steht. Auch die US-Behörde NIAID rechnet mit einer Dauer von einem Jahr.

Fortschritte in der Forschung allerdings beflügeln heute schon die Fantasie der Anleger bei jenen Unternehmen, die an einem Impfstoff arbeiten oder Medikamente entwickeln, die den Verlauf der Lungenkrankheit lindern könnten. Einige dieser Firmen sind an der Börse notiert. Ihre Aktien verzeichneten in den vergangenen Wochen zum Teil spektakuläre Kurssteigerungen.

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Wettlauf um ein Impfmittel

Um eine Firma zu finden, die Erfolge bei der Impfstoff-Entwicklung hat, hätte US-Präsident Trump gar nicht erst im Ausland suchen müssen. Denn eines der vielversprechendsten Unternehmen sitzt in den USA: Die an der US-Börse Nasdaq notierte Firma Moderna hat bereits mit der ersten klinischen Phase für ihren Impfstoff begonnen und erprobt ihn an Freiwilligen. Das Unternehmen hat schon einmal erfolgreich an einem Gegenmittel für ein ähnliches Virus gearbeitet. Moderna hat damit im Moment beim Rennen um den Corona-Impfstoff die Nase vorne. Der Kurs der Aktie stieg seit dem 19. Februar um fast 50 Prozent.

Um knapp 40 Prozent kletterte seitdem der Aktienkurs von BioNtech. Auch die Mainzer Biotechnologie-Firma arbeitet an einem Impfstoff gegen das Virus. Sie kooperiert dabei mit dem chinesischen Pharmakonzern Fosun Pharma und dem US-Konzern Pfizer. Das US-Unternehmen Novavax forscht ebenfalls an einem Impfmittel. Man plane die ersten Studien mit Freiwilligen für das "späte Frühjahr", teilte das Unternehmen mit. Die Novavax-Aktie legte seit Beginn der Krise um 30 Prozent zu.

Die US-amerikanische Biotechnologie-Firma Inovio will im April mit den klinischen Tests ihres Impfstoffs beginnen. Der Kurs der Inovio-Aktie verdoppelte sich seit Krisen-Beginn nahezu.

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3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
Bellevue F. (L)BB Ad. Medt. &Serv. T EUR
LU0433846515
8,99%
2.
RIM Global Bioscience
LU0120651160
8,93%
3.
Variopartner SICAV MIV Gl. Medtech Fd. P1
LU0329630999
8,85%
Laufzeit: 5 Jahre

Forschung an Medikamenten gegen Corona

Trotz der weltweiten Forschungsanstrengungen ist es unwahrscheinlich, dass es schon in diesem Jahr zu Massenimpfungen gegen das Virus kommen wird. Schneller könnte es gehen, ein Medikament zur Behandlung der Krankheit zu entwickeln. Oft sind es Heilmittel, die schon gegen andere Krankheiten zugelassen sind. Diese müssten "nur umfunktioniert werden, was schneller gehen kann als eine Neuentwicklung", heißt es beim Verband forschender Pharmaunternehmen.

Die US-Firma Gilead Sciences etwa ist ein führender Anbieter von Aids-Medikamenten. Zur Behandlung von Corona-Erkrankten haben die chinesischen Behörden Gileads Anti-Virus-Wirkstoff Remdesivir zugelassen. Das Mittel wurde ursprünglich gegen Ebola-Infektionen entwickelt. Es hat aber auch bereits seine Wirksamkeit gegen Viren wie Sars oder Mers gezeigt, die mit dem jetzige Corona-Virus eng verwandt sind. Der Kurs der Gilead-Aktie ist seit dem 19. Februar um knapp 10 Prozent gestiegen.

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Auch große Pharmakonzerne mischen mit

Auch der US-Pharmariese AbbVie stellt ein vielversprechendes Präparat im Kampf gegen das Virus her: Kaletra wurde ursprünglich als Aids-Medikament entwickelt. Es enthält die Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir. Zu beiden Stoffen laufen klinische Studien in mehreren chinesischen Medizin-Zentren. Der Kurs der AbbVie-Aktie hat dennoch seit Beginn der Krise mehr als ein Viertel verloren.

Der Wirkstoff Cloroquin soll einer chinesischen Studie zufolge ebenfalls gegen das Corona-Virus helfen. Cloroquin ist eigentlich in Malaria-Medikamenten enthalten. Das Mittel wurde in den vergangenen Jahren nur noch wenig verordnet. Das Originalpräparat stellt die deutsche Firma Bayer her. Der Pharmakonzern hat die Produktion des Medikaments mittlerweile wieder hochgefahren. Die Bayer-Aktie hat in der Krise von der möglichen Wirksamkeit von Cloroquin jedoch nicht profitiert: Sie verlor gut ein Drittel an Wert.

Investitionen in die Firmen sind meist hochspekulativ

Die Beispiele zeigen: Längst nicht jede Aktie, die mit einem Corona-Medikament in Verbindung gebracht wird, ist auch ein Garant für Kursgewinne. Ohnehin ist gerade bei den Unternehmen, die an einem neuen Medikament oder Impfstoff arbeiten, Vorsicht angesagt. Selbst in der letzten Phase der Erprobung können solche Medikamente noch scheitern. Dann strafen die Investoren die Aktien in der Regel hart ab. Dasselbe gilt für den Fall, dass ein Unternehmen, das aussichtsreich forscht, das Rennen um den Durchbruch bei einem Impfstoff am Ende doch noch gegen einen Konkurrenten verliert. Auch das kann zu herben Kursverlusten führen.

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Investitionen in solche Aktien sind daher hochspekulativ. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aktie von BioNTech. Ihr Wert hatte sich zwischenzeitlich verdreifacht. Als jedoch klar wurde, dass auch andere Firmen Fortschritte bei der Impfstoff-Forschung machen, sackte der Kurs drastisch ab: Binnen zwei Tagen verlor die Aktie mehr als 50 Prozent an Wert.

Biallo Tipp

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen in Deutschland bietet eine ständig aktualisierte Übersicht über die laufenden Projekte zur Coronavirus-Forschung.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de