Covid-19

Wettlauf um Corona-Impfstoff: Rückschlag für Astra Zeneca

Update: 10.09.2020
Auf einen Blick
  • Der britisch-schwedische Konzern muss seine Studie für einen Impfstoff vorerst aussetzen. Grund ist die schwere Erkrankung eines Probanden. Das dürfte das Unternehmen im Wettlauf um ein Mittel gegen Corona vorerst zurückwerfen.

  • Weltweit laufen derzeit mehr als 180 Projekte, in denen Unternehmen, Institute und Universitäten an einem Impfstoff gegen das Virus arbeiten.

  • Die Kurse der am Aktienmarkt notierten Pharma-Unternehmen verzeichnen zum Teil Gewinne von 160 Prozent und mehr. Doch Rückschläge in der Forschung können Kursstürze zur Folge haben. Anleger sollten vorsichtig sein.


Blutprobe von einer infizierten Person: Weltweit forschen Unternehmen an einem Heilmittel gegen das Coronavirus.
diy13 / Shutterstock.com

Erfolg und Enttäuschung liegen bei der Entwicklung von Impfstoffen nahe beieinander. Beim britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca kennt man das. Dennoch dürfte es die Konzernoberen hart getroffen haben, als sie nun ihre bereits weit fortgeschrittenen Studien zu einem Corona-Impfstoff auf Eis legen mussten. AstraZeneca fortscht zusammen mit der Universität Oxford an einem Impfmittel. Es galt bislang als einer der vielversprechendsten Kandidaten im Wettlauf um einen Impfschutz. Vor kurzem hatte das Unternehmen eine großangelegte Studie mit 30.000 Personen in den USA gestartet. 

Nun jedoch erkrankte einer der Teilnehmer schwer. Die Ursache dafür war zunächst unklar. Das Unternehmen musste die Studie daraufhin vorerst aussetzen. Ein solcher Schritt ist nicht ungewöhnlich. Im Gegenteil: Treten während einer Studie zu einem Impfstoff Probleme auf, muss die Forschung häufig erst einmal pausieren. Das dient der Untersuchung, ob die Probleme tatsächlich mit dem Impfstoff zusammenhängen. Genau das passiert nun auch bei AstraZeneca.

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Insoweit ist der Forschungs-Stopp zunächst ein normaler Vorgang. Er könnte das Unternehmen und seinen universitären Partner jedoch im Wettlauf um einen Corona-Impfstoff zurückwerfen. Fürs erste allerdings reagierte die Börse gelassen. Der Kurs der AstraZeneca-Aktie gab auf die Nachricht hin zwar etwas nach, erholte sich dann aber wieder.

Einen Sprung von fast fünf Prozent machte hingegen am selben Tag die Aktie des Impfstoff-Konkurrenten Biontech. Das deutsche Unternehmen entwickelt zusammen mit dem US-Konzern Pfizer ein Mittel gegen die Corona-Krankheit. Jetzt wurde bekannt, dass die beiden Firmen eine Vereinbarung mit der EU über die Lieferung von 200 Millionen Impfstoff-Einheiten geschlossen haben. Die Aussicht auf dieses Geschäft beflügelte die Phantasie der Börsianer.   

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Curevac-Aktie verdreifacht sich

Beide Beispiele zeigen: Unternehmen, die an einem Impfstoff gegen "Covid 19" forschen, werden an der Börse stets mit Argusaugen beobachtet. Jede gute Nachricht zieht schnell hohe Kursgewinne nach sich, schlechte Nachrichten lassen die Kurse auch einmal abstürzen. – und Nachrichten zur Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten gibt es derzeit täglich.

So hatte zuletzt das Tübinger Unternehmen Curevac mit seinem Gang an die New Yorker Technologiebörse Nasdaq für Furore gesorgt. Vom Ausgabekurs von 16 US-Dollar schoss der Kurs an den ersten beiden Börsentagen zeitweise bis auf 77 US-Dollar nach oben, um anschließend wieder stark zu fallen. Derzeit notiert die Curevac-Aktie bei knapp 48 Euro – das ist immerhin noch drei Mal soviel wie der Ausgabekurs.

Ähnlich wie Curevac, Biontech und AstraZeneca suchen derzeit weltweit Unternehmen und Universitäten fieberhaft nach einem Gegenmittel gegen das Corona-Virus. Mehr als 180 Projekte seien es derzeit, in denen Unternehmen, Universitäten und Institute an einem Impfstoff gegen das Virus arbeiten, heißt es beim Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa)..

Wann der Durchbruch bei der Suche nach einem wirklich verlässlichen Mittel gelingen wird, ist aber noch immer offen. So wollen etwa die Forscher der Universität Oxford noch in diesem Jahr ein Impfmittel zur Verfügung stellen. Nach dem jetzigen Rückschlag bleibt abzuwarten, ob es dazu kommt. Auch Biontech und Pfizer sind zuversichtlich, noch vor Ende des Jahres die ersten Einheiten auszuliefern. Die zuständigen Genehmigungsstellen sind da allerdings bislang noch vorsichtiger. Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut etwa geht davon aus, dass frühestens Ende dieses oder Anfang 2021 ein Impfmittel gegen das Virus zugelassen wird.

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Enorme Beschleunigung in der Impfstoff-Forschung

Selbst das wäre noch extrem schnell. Vom Beginn der Forschung bis zur Zulassung eines Impfstoffs dauert es normalerweise Jahre. Im Kampf gegen Corona jedoch machen "neue Technologien und Vorerfahrung mit Impfstoffprojekten gegen verwandte Viren eine enorme Beschleunigung möglich", heißt es beim Verband forschender Pharmaunternehmen. Hinzu kommt die Konzentration umfangreicher Mittel auf die Suche nach einem Mittel gegen das Corona-Virus. 

Die Erforschung eines Impfstoffs läuft in mehreren Stufen ab. Direkt vor der Zulassung wird das Mittel dabei in drei Phasen an Freiwilligen erprobt: In Phase 1 wird die Verträglichkeit getestet. In der zweiten Phase geht es um die Dosierung und die Immunreaktion der Probanden. In der dritten Phase schließlich folgt ein Test zur Zuverlässigkeit des Impfstoffs. An dieser Phase nehmen in der Regel mehrere tausend Personen teil. Der russische Impfstoff "Sputnik V" wurde zugelassen, bevor die dritte Phase überhaupt begonnen hatte. Der Impfstoff von Curevac befindet sich derzeit in Phase 1. 

Nach Angaben des vfa befinden sich derzeit weltweit sechs Impfstoffprojekte in Phase 3. Sie liegen derzeit beim Rennen um ein Mittel gegen das Virus vorne. Weitere vier Projekte sind in Phase 2 angekommen. An den Projekten sind auch einige börsennotierte Unternehmen beteiligt. 

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Wettlauf um ein Impfmittel

Eines der vielversprechendsten Unternehmen für die Impfstoff-Entwicklung sitzt in den USA: Die an der US-Börse Nasdaq notierte Firma Moderna hat bereits Mitte März mit der ersten klinischen Phase für ihren Impfstoff begonnen. Moderna arbeitet dabei mit der US-Behörde für Infektionskrankheiten NIAID zursammen. Ende Juli starteten die Partner eine große Studie der Phase 3. Daran sollen in den USA rund 30.000 Menschen teilnehmen. Moderna hat schon einmal erfolgreich an einem Gegenmittel für ein ähnliches Virus gearbeitet. Der Kurs der Aktie stieg seit dem 19. Februar, dem Beginn der Corona-Krise an den internationalen Börsen, um fast 160 Prozent.

Die Mainzer Biotechnologie-Firma Biontech ist das erste deutsche Unternehmen, das einen Impfstoff an Menschen testet. Neben dem US-Konzern Pfizer kooperiert Biontech dabei mit dem chinesischen Pharmakonzern Fosun Pharma. Mittlerweile läuft eine Phase 2/3-Studie in den USA. Sie soll später auf Argentinien und Deutschland ausgedehnt werden. Auch für Fosun Pharma wurde eine Studie in China genehmigt. Der Kurs der an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten Biontech-Aktie legte seit dem 19. Februar um 64 Prozent zu. 

Das gemeinsame Impfstoff-Projekt der Oxford-University und des schwedisch-britischen Pharmakonzerns AstraZeneca befindet sich ebenfalls in der Phase 4. Wegen ihrer Erfahrung im Bereich der Ebola-Forschung hat die britische Universität eine führende Rolle bei der Erforschung eines Impfstoffs eingenommen. Ende April stieg AstraZeneca als Produktions- und Vertriebspartner in das Projekt ein. Die Phase-3-Studie des Impfstoffs läuft seit Ende Juni in Brasilien. Anfang September wurde sie auf die USA ausgedehnt. Trotz des jüngsten Rückschlags legte der Kurs von AstraZeneca seit Beginn der Corona-Krise um 17 Prozent zu. 

Auch der nationale chinesische Pharmahersteller Sinopharm forscht zusammen mit dem chinesischen Wuhan-Institut an einem Mittel gegen Covid-19. Das Unternehmen hat eine Phase-3-Studie in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten gestartet. Sie soll in gut drei Monaten abgeschlossen sein. Der Aktienkurs der Firma verlor allerdings seit 19. Februar um mehr als ein Drittel. Nach einem Impfstoff sucht auch das US-Unternehmen Novavax. Die ersten Studien mit Freiwilligen laufen seit Mitte Mai in Australlien. Sie wurden mittlerweile auf die USA und Südafrika ausgedehnt. Noch im laufenden Jahr soll die Zuverlässigkeit des Mittels in einer großen Studie mit 30.000 Teilnehmern überprüft werden. Der Gewinn der Novavax-Aktie schlägt derzeit alle Rekorde: Seit Beginn der Coronakrise ist der Kurs um fast das Zehnfache gestiegen.

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Forschung an Medikamenten gegen Corona

Trotz der weltweiten Forschungsanstrengungen ist es unwahrscheinlich, dass es schon in diesem Jahr zu massenhaften Impfungen gegen das Virus kommen wird. Parallel wird deswegen an Medikamenten zur Behandlung der Krankheit geforscht. Oft sind es Heilmittel, die schon gegen andere Krankheiten zugelassen sind: "Sie umzufunktionieren kann schneller gelingen als eine grundständige Neuentwicklung", heißt es beim Verband forschender Pharmaunternehmen.

So ist etwa die US-Firma Gilead Sciences ein führender Anbieter von Aids-Medikamenten. Gileads Anti-Virus-Wirkstoff Remdesivir hat bereits seine Wirksamkeit gegen Viren wie Sars oder Mers gezeigt, die mit dem jetzigen Corona-Virus eng verwandt sind. Nicht zuletzt deshalb versprechen sich viele von dem Mittel auch Erfolge im Kampf gegen das neue Corona-Virus. Das Medikament hat bereits eine Sonderzulassung gegen Covid-19 in den USA. Der Kurs der Gilead-Aktie legte zwischenzeitlich deutlich zu. Mittlerweile notiert das Papier im Vergleich zum Beginn der Corona-Krise jedoch mit einem Minus von gut 18 Prozent.

Auch das kleine US-Unternehmen Cytodyn forscht derzeit an einem Corona-Medikament. Es hat einen Antikörper-Wirkstoff gegen HIV und Brustkrebs entwickelt. Die Firma prüft nun, ob das Mittel Leronlimab auch gegen das Corona-Virus wirksam ist. Der Aktienkurs von Cytodyn ist seit dem 19. Februar um fast zwei Drittel gestiegen.

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Auch große Pharmakonzerne mischen mit

Der US-Pharmariese Pfizer erprobt derzeit ebenfalls Wirkstoffe, die sich bereits bei der Behandlung anderer Viruserkrankungen bewährt haben. Sollten die Labortests erfolgreich verlaufen, will Pfizer sie Ende 2020 an Menschen erproben. Bislang allerdings konnte die Aktie davon nicht profitieren. Der Pfizer-Kurs fiel seit dem 19. Februar um 15 Prozent. Auch das Schweizer Pharma-Unternehmen Novartis untersucht, welche eigenen Produkte sich für die Behandlung von Covid-19-Patienten eigenen könnten. Die Novartis-Aktie verlor allerdings seit Krisenbeginn ebenfalls 15 Prozent.

Hoffnungen ruhen auch auf dem Wirkstoff Cloroquin. Das Mittel ist in Malaria-Medikamenten enthalten, soll aber auch gegen das Corona-Virus helfen. Das Original-Präparat stellt die deutsche Firma Bayer her. Der Pharmakonzern hat die Produktion des Medikaments in Pakistan wieder hochgefahren. Bislang allerdings gehört die Bayer-Aktie mit einem Minus von 27 Prozent ebenfalls zu den Verlierern in der Corona-Krise.

Investitionen in die Firmen sind meist hochspekulativ

Die Beispiele zeigen: Längst nicht jede Aktie, die mit einem Corona-Medikament in Verbindung gebracht wird, ist auch ein Garant für Kursgewinne. Ohnehin ist gerade bei den Unternehmen, die an einem neuen Medikament oder Impfstoff arbeiten, Vorsicht angesagt. Selbst in der letzten Phase der Erprobung können solche Medikamente noch scheitern. Dann strafen die Investoren die Aktien in der Regel hart ab. Dasselbe gilt für den Fall, dass ein Unternehmen, das aussichtsreich forscht, das Rennen um den Durchbruch bei einem Impfstoff am Ende doch noch gegen einen Konkurrenten verliert. Auch das kann zu herben Kursverlusten führen.

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Investitionen in solche Aktien sind daher hochspekulativ. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aktie von Biontech. Ihr Wert hatte sich im März zwischenzeitlich verdreifacht. Als jedoch klar wurde, dass auch andere Firmen Fortschritte bei der Impfstoff-Forschung machen, sackte der Kurs drastisch ab: Binnen zwei Tagen verlor die Aktie mehr als 50 Prozent an Wert. Ein ähnliches Muster ließ sich beim jüngsten Kurshoch von 90 Euro Ende Juli beobachten: Innerhalb von zwei Tagen fiel die Aktie um gut 20 Prozent – ein Zeichen dafür, dass mit diesen Aktien derzeit oft wild spekuliert wird.  

Biallo Tipp

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen in Deutschland bietet eine ständig aktualisierte Übersicht über die laufenden Projekte zur Coronavirus-Forschung. Dort kann man sehen, in welcher Phase der Forschung sich die Projekte derzeit befinden.



  Andreas Jalsovec


 
 
 
 
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