Das hätte es damals nicht gegeben – Gott sei Dank!

Weltfrauentag Das hätte es damals nicht gegeben – Gott sei Dank!

Ines Baur
von Ines Baur
08.03.2018
Auf einen Blick
  • Seit 60 Jahren geht es Schritt für Schritt voran mit der Gleichberechtigung. So kippte der Deutsche Bundestag im Mai 1957 mit dem Gleichberechtigungsgesetz den Letztentscheid des Ehemanns in Eheangelegenheiten.

  • Seit 1962 dürfen verheiratete Frauen ein eigenes Girokonto eröffnen, seit 1969 sind sie voll geschäftsfähig. Seit 1977 können Ehefrauen einen Beruf ergreifen, ohne ihren Gatten um Erlaubnis zu fragen.

  • Doch in Sachen Finanzen haben viele Frauen weiterhin das Nachsehen. Ein Rück- und Ausblick.
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Gleichberechtigung von Mann und Frau in Deutschland, eine "Never-Ending-Story"? Begonnen haben die vier Mütter des Grundgesetzes, an deren Spitze die SPD-Politikerin Elisabeth Selbert stand. Sie boxte 1949 einen kleinen Satz mit viel Wirkung in das Grundgesetz: ”Männer und Frauen sind gleichberechtigt." 

Früher war alles anders

Frauen in Deutschland dürfen Konten eröffnen, ihr Geld verwalten und Kredite aufnehmen. Doch was heute Alltag ist, war bei unseren Müttern und Großmüttern keine Selbstverständlichkeit. Mit der Eheschließung gaben Frauen Rechte ab und unterstanden dem Gemahl. Das bedeutete: Kein Konto, kein Vermögen, keine Arbeit – wenn dies der Gatte nicht wollte.

Das änderte erst das "Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts", das am 1. Juli 1958 in Kraft trat. Mit dem Gleichberechtigungsgesetz gehörte der Letztentscheid des Ehemannes in sämtlichen Eheangelegenheiten der Vergangenheit an. Seither dürfen Ehefrauen das in die Ehe mitgebrachte Vermögen selbst verwalten. Im Falle einer Scheidung gehen Frauen auch nicht mehr leer aus, sondern sind an dem in der Ehe erwirtschaftetem Vermögen beteiligt.

Schrittchen für Schrittchen ging es weiter. Ein eigenes Bankkonto zu eröffnen, ganz ohne Unterschrift des Ehemanns, war verheirateten Frauen ab 1962 erlaubt. Sieben Jahre später wurde Ehefrauen die volle Geschäftsfähigkeit zugesprochen. Seit 1977 dürfen Frauen einen Beruf ergreifen, ohne den Ehemann um Erlaubnis zu fragen. Vergewaltigung in der Ehe ist immerhin seit 1997 strafbar.

Das Thema Frau, Beruf und Familie war 1958 gesetzlich folgendermaßen geregelt: "Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist." Die Gesetzesänderung folgte 1977: "Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung im eigenen Einvernehmen. (...) Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein. Bei der Wahl und Ausübung einer Erwerbstätigkeit haben sie auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie die gebotene Rücksicht zu nehmen."

Wie schaut es heute aus?

Was zum Beispiel den Job angeht, treten immer noch viele Frauen kürzer. Nach der Babypause gehen sie in die Teilzeit, erledigen einen Minijob oder gehen gar keiner bezahlten Arbeit nach. Viele erledigen die unentgeltlichen Arbeiten, die Haushalt, Kinder oder Angehörigenpflege mit sich bringen. Nach einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) von 2017 bringen Frauen für selbstverständliche Hausarbeiten 60 Prozent mehr Zeit auf als Männer.

Die Gesetze haben den Weg geebnet, gehen muss ihn jede Frau selbst. Leider nutzen zu wenige die Möglichkeiten, für die frühere Frauengenerationen so hart gekämpft haben. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2014 zeigt die Erwerbskonstellationen von Mann und Frau nach der Geburt des ersten Kindes. Es entschieden sich

  • 15 Prozent der befragten Paare für eine Vollzeit/Vollzeit-Konstellation,
  • 16 Prozent für eine Vollzeitbeschäftigung des Vaters und eine Teilzeitbeschäftigung der Mutter (25 bis 34 Wochenstunden),
  • 25 Prozent der Paare für eine Vollzeitarbeit des Vaters und eine kürzere Teilzeitarbeit der Mutter (15 bis 24 Wochenstunden),
  • 14 Prozent der Paare für eine Vollzeitbeschäftigung des Vaters und eine stundenweise Beschäftigung (unter 15 Wochenstunden) der Mutter und
  • 17 Prozent der Paare für eine Vollzeitarbeit des Vaters und eine Berufsaufgabe der Mutter nach der Elternzeit.

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Gleichstellung der Geschlechter – ein nicht erreichtes Ziel

2011 erschien der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung: "Frauen werden besser ausgebildet als je zuvor, gleichzeitig werden aber starke Anreize gesetzt, dass sie ihre Potenziale im Erwerbssystem nicht ausreichend nutzen. Dies erschwert nicht nur eine eigenständige Existenzsicherung im Erwerbsalter, sondern auch den Aufbau einer eigenen, armutsfesten Alterssicherung […] Die Kommission empfiehlt daher neben einem Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder, die besonderen Anreize für geringfügige Arbeit im Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht zu beseitigen." Gute Vorsätze für die Zukunft.

2017 erschien der zweite Gleichstellungsbericht. Bereits in der Einführung steht: "Gleichstellung der Geschlechter: ein nicht erreichtes Ziel." Die Studie zeigt, dass Frauen bei Verdienst, Altersvorsorge und Rente benachteiligt sind. Ideen zur Kursänderung lauten:

  • Einführung einer durchgängigen Rentenversicherungspflicht
  • Verbesserung der Anrechnung von Pflegezeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • nachsorgender sozialer Ausgleich bei niedrigen Rentenansprüchen
  • Verbesserung des Zugangs von Frauen zur betrieblichen und privaten Alterssicherung

Das Fazit der Kommission: "Trotz der erreichten Fortschritte" auch in Zukunft ein "weiter zu verfolgendes Ziel".

Der Staat ist träger als die Altersarmut. Denn die entwickelt sich schnell zu einem weiblichen Problem. Immer mehr Frauen – allen voran Alleinerziehende aus gescheiterten Ehen – sind im Alter auf die Grundsicherung angewiesen.

Abwarten und Tee trinken? Besser nicht. Zu Themen wie "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" muss Vater Staat noch nachsitzen. Aber an dem Rädchen zum Thema Lebensgestaltung müssen Frauen selbst drehen. Gerade junge Frauen können die Weichen für ein finanziell unabhängiges Leben – auch in einer Ehe – stellen.

Wer daheim die Kinder betreuen möchte, hat die Möglichkeit. Doch es ist auch wichtig, über den Tellerrand hinauszusehen. Verzichtet ein Ehepartner zu Gunsten der Familie auf den Beruf, bedeutet das: Weniger Arbeit, geringerer Verdienst, kaum eigenes Geld für Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Weniger Arbeitszeit bringt weniger Rentenpunkte und später kaum gesetzliche Rente.

In jeder Ehe kann ein finanzieller Gleichstand herrschen. Ehepartner können gemeinsam Lösungen finden, damit beide Partner gut abgesichert sind. Zum Beispiel kann der Mann in Familien- und Kinderphase freiwillig auf einen Fonds, der auf den Namen der Frau läuft, Geld einzahlen. Möchte die Frau Teilzeit arbeiten, um Familie und Job unter einen Hut zu bringen, ist es denkbar, zusätzlich eine private Altersvorsorge abzuschließen, um eine spätere Rentenlücke zu schließen.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Rossmann und der rosa Rasierer

Viele wissen nicht, was es mit dem Internationalen Frauentag auf sich hat. Die Tendenz: Der Weltfrauentag wird zum "Alles-so-schön-bunt-hier-Tag". Die Drogerie Rossmann tauft sich eine Woche lang um in "Rossfrau" und hofft wahrscheinlich mit dem kleinen Wortspiel, noch mehr Kundinnen an die Rosa-Rasierer-Regale zu locken. Blumenlieferanten versuchen, an die guten Umsatzzahlen des Valentinstages anzuschließen. Sie preisen den Weltfrauentag als eine wunderbare Gelegenheit, einer besonderen Frau eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Und eine Parfümeriekette hat ein besonderes Zuckerl für konsumwillige Online-Kundinnen. Mit dem Rabattcode "Weltfrauentag" bekommen die Damen den praktischen 6-in-1-Nagellack gratis zur Bestellung. Ob von diesem Trend frühere Frauenrechtlerinnen begeistert gewesen wären?

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de