Dax-Jahresendrallye: Die Chancen stehen gut

Börse Dax-Jahresendrallye: Die Chancen stehen gut

von Lars Becker
01.12.2017
Auf einen Blick
  • Marktexperten sehen gute Chancen, dass die Börsenbullen den Dax im Jahresendspurt Richtung Allzeithoch (13.525 Punkte) hieven. 

  • Das sogenannte "Window Dressing" könnte für steigende Kurse sorgen.

  • Die Analysten der Deutschen Bank sehen für 2018 weiteres Potenzial bis 14.100 Punkte.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Geht man nur nach der Dax-Statistik, ist der Dezember der drittbeste Börsenmonat mit einem Plus von durchschnittlich 1,13 Prozent. Die Chancen auf eine Jahresendrallye stehen also gut. Was man allerdings von derlei Zahlenwerken wirklich halten darf, hat gerade der September 2017 bewiesen. Im über die Jahre mit Abstand schlechtesten Börsenmonat legte der deutsche Leitindex rund fünf Prozent zu.

"Ob es eine Jahresendrallye gibt, ist wie das Raten der Lottozahlen vom kommenden Samstag. Wir hatten ja 2017 schon einiges an Anstieg, aber eine Alternativanlage zu Aktien mit guter Performance ist nicht verfügbar. Und die fundamentale Lage spricht genau wie die Geldmarktpolitik der Zentralbanken für weiter steigende Kurse", sagt Robert Halver im Gespräch mit biallo.de. Der Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank wagt sogar eine Prognose, wohin es mit dem Dax bis zum Jahresende gehen könnte: "13.500, 13.600, 13.700 werden wir im Dax erreichen."

Der Blick in die Glaskugel

Ulrich Stephan will keine Zahlen nennen, weil "seriös niemand voraussagen kann, ob es eine Jahresendrallye gibt oder nicht. Eine Prognose für einen nur vierwöchigen Zeitraum ist das reine Rätselraten." Der Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank fügt im Gespräch mit biallo.de freilich hinzu, dass "die Indikatoren gut aussehen". In der Wirtschaft herrsche eine sehr gute Stimmung. "Die Unternehmen haben in der Berichtssaison gute Zahlen abgeliefert. Und 'Window Dressing' dürfte rund um den Jahreswechsel auch betrieben werden", meint Stephan.

Als sogenanntes "Window Dressing" bezeichnet man bilanzpolitische Maßnahmen, mit denen das über die Bilanz vermittelte Bild des Unternehmens verbessert werden soll. Gerade bei Fonds ist das populär: Manager kaufen zum Beispiel zum Jahresende gezielt Aktien aus dem eigenem Fonds, um die Kurse nach oben zu treiben und damit die Jahres-Performance des eigenen Produkts zu verbessern. Auf der anderen Seite kaufen Fondsmanager auch gezielt Aktien, die über das Jahr gesehen sehr gut gelaufen sind. Keiner will schließlich den Eindruck erwecken, dass man einen Trend verpasst hat. Auch eine Reihe von anderen Indikatoren könnte positiv für die Börsenstimmung sein.

Gute Konjunkturdaten als Unterstützung

So hat die Industriestaaten-Organisation OECD ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland in diesem Jahr von 1,7 auf 2,2 Prozent angehoben, für 2018 werden statt 2,0 nun 2,3 Prozent Wachstum erwartet. "Die Konjunkturbelebung im Euro-Raum kurbelt Exporte und die Unternehmensinvestitionen an", teilte die OECD mit. "Eine niedrige Arbeitslosigkeit und Lohnzuwächse stützen den privaten Konsum." Die Bauwirtschaft profitiere von niedrigen Zinsen und der kräftigen Nachfrage nach Wohnraum. Auch der IFO-Geschäftsklimaindex erreichte im November einen neuen Höchststand.

Sollen wir Sie weiter zum Thema Börsen & Märkte auf dem Laufenden halten? Dann abonnieren Sie einfach unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein

Vor gut drei Wochen markierte der Dax das Intraday-Allzeithoch bei 13.525 Punkten. Zwar lässt der deutsche Leitindex derzeit etwas die Flügel hängen. Aber selbst "Mister Dax" Dirk Müller, der nun wirklich nicht dem Bullenlager zuzurechnen ist, gibt sich optimistisch. "In der Tat scheinen derzeit alle Ampeln auf Grün zu stehen. Konjunkturdynamik, Unternehmensgewinne, Saisonalität, Jahresendrally. Aber wenn alle Grün sehen und losfahren, wird es auf der Kreuzung gefährlich", sagte er Börse Online und empfahl Anlegern, trotzdem Vorsicht walten zu lassen.

Unterstützung aus der Politik?

Positiv für eine mögliche Jahresendrallye könnte sich wohl eine GroKo-Regierungsbildung in Deutschland noch vor Weihnachten auswirken. "Wir haben eine handlungsfähige, geschäftsführende Regierung in Deutschland und damit keine Instabilität. Trotzdem wäre das sicher gut – genau wie eine Steuerreform in den USA", sagt Ulrich Stephan.

Der Chefanlagestratege der Deutschen Bank wagt keine Kurzfrist-Prognose, wo der Dax Ende Dezember stehen könnte, nennt aber eine Zahl für 2018. "Unsere Prognose ist, dass der Dax auf 14.100 Punkte steigt. Das impliziert ein Plus von knapp zehn Prozent bei einem prognostizierten Gewinnwachstum der Unternehmen von ebenfalls rund 10 Prozent", so Stephan. "Wir bleiben mittelfristig optimistisch, auch wenn der Bullenmarkt schon sehr lange andauert."

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
Quantex Global Value Fund
LI0042267281
17,79%
2.
Frankfurter - Value Focus Fd. P
LU0399928414
17,12%
3.
Mozart one R T
AT0000A0KLE8
16,59%
Laufzeit: 5 Jahre

Bitcoin als Alternative?

Schon mitten in einer explosiven Jahresendrallye befinden sich die Kryptowährungen mit dem Bitcoin als Vorreiter, der sich in den vergangenen drei Wochen in der Spitze verdoppelt hat. Während sich Dirk Müller sicher ist, dass die "Bitcoin-Blase platzen wird", ist Ulrich Stephan vorsichtiger: "Kryptowährungen sind stark gelaufen. Allerdings ist auch die Volatilität extrem hoch. In Deutschland tun sich die Leute schon schwer mit Aktien, die wesentlich geringere Schwankungen aufweisen. Meiner Meinung nach taugen Bitcoin und andere Kryptowährungen insgesamt nicht für einen langfristigen und seriösen Vermögensaufbau für Privatanleger."

Auch Robert Halver glaubt, dass sich Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum nicht langfristig durchsetzen werden, "weil es die Politik nicht will." Die hinter den Internet-Coins stehende Blockchain-Technologie sei dagegen großartig und werde nicht nur die Bankenwelt verändern.

Falls die Jahresendrallye ausfallen sollte, gibt es übrigens für den Start des neuen Börsenjahres 2018 Grund zur Hoffnung. Statistisch gesehen haben die vier Monate von Januar bis April dem Dax Gewinne gebracht, der März ist mit einem durchschnittlichen Plus von 1,54 Prozent sogar der mit Abstand beste Börsenmonat. Die Chancen auf eine Jahresstartrallye stehen also genauso gut.

Biallo-Tipp

Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt infolge der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank an Wertpapieren nicht mehr vorbei. Für Börsenlaien eignen sich als Einstieg die sogenannten Robo-Advisor. Hier gibt es eine komplette Vermögensverwaltung bereits für Gebühren von unter einem Prozent pro Jahr. Wie die digitalen Anlageberater genau funktionieren, erfahren Sie in unserem Artikel "Robo-Advisor im Vergleich".

Ihre Meinung ist uns wichtig
Lars Becker
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Lars Becker
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Lars Becker
E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de