Deutsche Bank: Startschuss für "Robin"

Digitale Vermögensverwaltung Deutsche Bank: Startschuss für "Robin"

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
30.11.2017
Auf einen Blick
  • Die Deutsche Bank startet auf Maxblue.de eine digitale Vermögensverwaltung. Der Robo-Advisor "Robin" ist ein hybrides Modell aus Mensch und Maschine.

  • Anleger können ab 5.000 Euro einsteigen. Die Gebühren sind nach Anlagebetrag gestaffelt und liegen inklusive ETF-Kosten bei 1,05 bis 1,25 Prozent p.a.
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"Wir sind alle sehr stolz auf unseren Robin", heißt es aus internen Kreisen der Deutschen Bank. Der digitale Vermögensverwalter soll den Markt für Robo-Advice aufmischen. Der Startschuss fiel am Montag – ohne offizielle Ankündigung. Auf der Startseite von Maxblue.de – der Online-Tochter der Deutschen Bank – ist Robin noch nicht prominent platziert. Eine Live-Präsentation ist für den 12. Dezember in Frankfurt geplant.

Hybrides Modell

Robin steht für Robo-Invest und ist eine Kombination aus Mensch und Maschine. Die Technologie stammt zu hundert Prozent aus dem Hause der Deutschen Bank. Per Algorithmus werden die Portfolios zusammengestellt, börsentäglich überwacht und bei Bedarf angepasst. Auf der anderen Seite fließt das Know-how von Chefanlagestratege Dr. Ulrich Stephan und seinen weltweit rund 1.500 Kapitalmarktanalysten in die Algorithmen ein. Die letzte Entscheidung wird laut Deutsche Bank von erfahrenen Portfoliomanagern getroffen.

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Gestaffelte Gebühren

Von der Gebührenstruktur her ist der Robo der Deutschen Bank im mittleren bis oberen Preissegment angesiedelt. Die Vergütung richtet sich nach dem durchschnittlichen Depotvolumen und ist gestaffelt. Für die ersten 25.000 Euro werden 1,0 Prozent pro Jahr fällig. Für Anlagevolumina zwischen 25.000 Euro und 50.000 Euro fallen 0,9 Prozent an. Ab 50.000 Euro beträgt die Jahresgebühr 0,8 Prozent. Die Berechnung erfolgt quartalsweise rückwirkend. Hinzu kommen noch ETF-Kosten von durchschnittlich 0,25 Prozent, die allerdings bereits in den ETF-Kursen berücksichtigt sind und nicht gesondert in Rechnung gestellt werden. Depot- und Kontoführung sowie Wertpapiertransaktionen sind in den Gesamtkosten enthalten.

ETFs statt aktiv gemanagte Fonds

Robin setzt – wie die überwiegende Mehrheit der Robo-Advisor – ausschließlich auf börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs. Diese stammen sowohl aus dem Universum der Deutschen Bank (db x-trackers) als auch von anderen ETF-Anbietern. Im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds fallen bei ETFs deutlich weniger Kosten an. Dies wirkt sich natürlich positiv auf die Rendite aus. Als Anlageklassen kommen bei "Robin" Aktien, Anleihen und Rohstoffe zum Einsatz. Je nach Anlagestrategie und Marktsituation besteht das Portfolio aus sieben bis 14 unterschiedlichen ETFs.

Die besten ETFs im Vergleich

Value-at-Risk-Strategie

Ähnlich wie Marktführer Scalable Capital, der mit der ING-Diba kooperiert, verfolgt der Robo-Advisor der Deutschen Bank ein sogenanntes Value-at-Risk-Modell (VaR). Der VaR gibt den Jahresverlust an, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent nicht überschritten werden sollte. Ein VaR von 20 bedeutet zum Beispiel, dass das Portfolio in einem Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent höchstens 20 Prozent einbüßt.

Kein Musterportfolio

Der Robo-Advisor der Deutschen Bank ist ein sogenannter Full-Service-Robo. Nach der Ermittlung des Anlageprofils per Fragebogen erhält der Kunde seine Anlagestrategie, die er noch bestätigen muss. Danach übernimmt Robin die Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank betont, dass jedes Portfolio individuell auf den Kunden zugeschnitten ist. Kein Depot soll dem anderen gleichen. Der Kunde hat jederzeit die Möglichkeit, seine Anlagewünsche anzupassen. Falls sich dadurch die Anlagestrategie erheblich ändert, muss der Vertrag angepasst und separat bestätigt werden.

Ausschlusskriterien

Die Nutzung von Robin ist an Bedingungen geknüpft: Anleger müssen bereit sein, ihre Anlageentscheidungen komplett an Robin zu übertragen. Der Mindestanlagehorizont beträgt zwei Jahre, die Mindestanlagesumme 5.000 Euro. Wer diesen Betrag nach Abzug von Verbindlichkeiten nicht zur freien Verfügung hat, erhält kein Angebot von Robin.

Ausführlicher Fragebogen

Die Antragsstrecke dauert maximal 15 Minuten und verläuft reibungslos. Die persönlichen Verhältnisse werden detailliert abgefragt – vor allem, was die monatlichen Einkünfte und Ausgaben angeht. Die Redaktion von biallo.de ist den Frageprozess durchgegangen.

Unsere fiktive Testperson ist 35 Jahre alt und hat ein monatliches Nettoeinkommen von 2.000 Euro. Nach Abzug der laufenden Kosten beträgt die monatliche Liquidität 700 Euro. Zusätzlich steht ein Sparguthaben von 10.000 Euro zur Verfügung. Erfahrungen mit Wertpapieren sind nicht vorhanden. Der Anlagehorizont beträgt zehn Jahre. In diesem Zeitraum sind keine zusätzlichen Ausgaben zu erwarten.

Aus den Daten ermittelt "Robin" einen maximalen Anlagebetrag von 6.100 Euro und eine maximale monatliche Rate von 700 Euro. Beides soll voll ausgeschöpft werden. Die Testperson ist bereit, volles Risiko zu gehen und in einem sehr schlechten Börsenjahr einen maximalen Verlust von einem Drittel zu akzeptieren. Daraufhin ermittelt der Algorithmus die Anlagestrategie und schlägt den maximalen VaR von 20 Prozent vor, den der Anleger noch individuell nach unten anpassen kann.

Fazit

Mit "Robin" können Anleger eine professionelle Vermögensverwaltung nutzen, die sich bei der Deutschen Bank bislang nur gut betuchte Kunden leisten konnten. Der Verzicht auf aktiv gemanagte Fonds wirkt sich positiv auf die Kostenstruktur aus, wenn auch die Servicegebühren mit bis zu 1,0 Prozent über dem Branchendurchschnitt liegen. Ein Nachteil ist, dass Anleger vorab keine Angaben zur potenziellen Renditeentwicklung ihres Portfolios erhalten oder wie sich das Portfolio in der Vergangenheit entwickelt hat.

Ein generelles Problem, das für alle Robo-Advisor gilt, ist die fehlende Erfolgsbilanz ("track record"). Ein Stresstest steht noch aus. Ob die Algorithmen der digitalen Vermögensverwalter auch in stark fallenden Märkten funktionieren, müssen die Robos erst noch beweisen.

Dennoch sind Robo-Advisor eine gute Wahl für den langfristigen Vermögensaufbau mit Wertpapieren. Allerdings sollten Anleger nicht alles auf eine Karte setzen. Zumal die Aktien- und Anleihenmärkte in den vergangenen Jahren extrem gut gelaufen sind.

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de