Deutsche setzen auf das falsche Pferd

Geldanlage Deutsche setzen auf das falsche Pferd

Max Geißler
von Max Geißler
01.04.2017
Auf einen Blick
  • Deutsche Sparvermögen entwerten sich, weil Anleger ungeeignete Geldanlagen wie das Sparbuch bevorzugen.
  • Festverzinste Sparformen sollten mindestens einen Inflationsausgleich erwirtschaften.
  • Vermögenszuwächse erzielen auf lange Sicht vor allem Fondssparpläne. Das Anlagerisiko ist überschaubar.   
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Die Deutschen sind wie Lemminge: Obwohl nur noch elf Prozent laut jüngstem Anlagebarometer von Union Investment das Sparbuch attraktiv finden, rennen viele dieser Anlageform hinterher. Rund drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) haben nach wie vor Ersparnisse auf einem Sparbuch.

Dabei zahlen Sparkassen und Banken praktisch keine Zinsen mehr. Ausnahmen bilden ABC Bank und Merkur Bank, die immerhin noch ein halbes Prozent Zinsen spendieren.

Marktgerechter Zins mit Tagesgeld

Ähnliches Bild beim Tagesgeld: Lediglich jeder Fünfte stuft diese Anlage noch als attraktiv ein, trotzdem wird sie von doppelt so vielen Sparern (42 Prozent) nachgefragt. Die anhaltende Beliebtheit beim Tagesgeld ist allerdings nachvollziehbar, denn vor allem Direktbanken wie Consorsbank, ING-Diba oder Renault Bank Direkt bieten nach wie vor marktgerechte Zinsen.

Die Masse der Bankkunden hält allerdings ihrer Hausbank die Treue, was sich in Sachen Tagesgeld nur selten auszahlt. Der Durchschnittszins liegt laut Biallo-Index nur noch bei 0,21 Prozent -Tendenz fallend. Giovanni Gay, Geschäftsführer von Union Investment, sieht das Anlegerverhalten daher kritisch: "Die deutschen Sparer lassen große Chancen ungenutzt. Sie wollen zwar auf Nummer sicher gehen, doch indem sie ihr Erspartes der Inflation überlassen, erreichen sie genau das Gegenteil."

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Anleger hoffen auf bessere Zeiten

Gefragt nach dem Grund für die Bevorzugung traditioneller Sparformen, gaben viele Anleger an, dass sie mit Blick auf die Zinsentwicklung in den USA auf bessere Zeiten auch in Deutschland hoffen und daher abwarten. Jeder Vierte interpretiert den jüngsten Zinsanstieg als Signal und erwartet auch hierzulande steigende Zinsen. Das ist der höchste Wert sein fünf Jahren. "Anleger sollten sich von dem Zinsanstieg in den USA nicht täuschen lassen", warnt jedoch Gay. "Hierzulande bleiben die Zinsen trotz Inflationsanstieg vorerst niedrig, damit verlieren Sparbücher unterm Strich an Wert." Eine zweiprozentige Teuerung führe über einen Zeitraum von zehn Jahren zu einem Kaufkraftverlust von 18 Prozent.

Festgeld sorgt für Inflationsausgleich

Anleger sollten nicht in Schockstarre verharren. Wer Vermögensverluste ausschließen möchte, muss renditestärkere Anlageformen wählen. Sichere Renditen mit Inflationsausgleich bietet zum Beispiel Festgeld. Vorsichtige Sparer, die keine Risiken eingehen möchten, sichern sich mit Festgeld Zinsgarantie und Kapitalsicherheit - und das ohne Gebühren. Festgeld mit einer Laufzeit von drei Jahren erreicht derzeit bis zu 1,15 Prozent Zinsen, etwa bei der Deniz-Bank.

Wer sich für vier Jahre binden möchte, der erhält beim gleichen Geldhaus sogar 1,25 Prozent Zinsen. Allzu lange sollte man sich aber nicht festlegen, denn niemand weiß, wie sich die Zinslandschaft entwickelt. Optimistische Sparer, die schon in naher Zukunft mit einer Verbesserung der Renditen rechnen, können zweijähriges Festgeld der schwedischen Klarna Bank wählen, dann bringt aktuell 1,10 Prozent Zinsen.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
DWS Aktien Strategie Deutschland LC
DE0009769869
16,19%
2.
DWS German Equities Typ O
DE0008474289
12,82%
3.
DWS Deutschland LC
DE0008490962
12,28%
Laufzeit: 5 Jahre

Fondssparplan für Renditeturbo

Laut Anlagebarometer halten es 43 Prozent der Anleger für sinnvoll, einen Teil ihres Geldes in höher rentierliche Anlageformen anzulegen. 40 Prozent davon sehen im Fondssparplan ein passendes Vehikel. Allerdings weiß nur jeder dritte Anleger, wie er funktioniert. "Viele denken bei Sparplänen an starre Konzepte mit langen Laufzeiten", kritisiert Gay. Doch das stimme nicht.

Ein Fondssparplan ist grundsätzlich flexibel, es gibt weder vertraglich fixierte Laufzeiten, noch festgezurrte Sparraten oder Kündigungsfristen. Anleger können jederzeit Anteile kaufen, verkaufen oder ihre Sparrate ändern.

Wie sehr sich Fondssparpläne lohnen, zeigt die Statistik des unabhängigen Fondsverbandes BVI. Danach rentierten Sparpläne mit deutschen Aktienfonds in den vergangenen zehn Jahren mit durchschnittlich 7,3 Prozent pro Jahr, auf Sicht von 15 Jahren sind es 7,1 Prozent. Zahlreiche Fonds, zum Beispiel der DWS Deutschland, liefen sogar deutlich besser. Ähnlich hohe Renditen mit 7,0 bzw. 5,7 Prozent erreichen global anlegende Aktienfonds.

Hier sticht zum Beispiel der Siemens Global Growth deutlich heraus. Wichtig ist allerdings, dass Sparer kontinuierlich einzahlen und langfristig am Ball bleiben. Für die kurzfristige Spekulation sind Fondssparpläne nicht geeignet.

Biallo-Lesetipp

Internetbanken bauen ihr Angebot an ETF-Sparplänen weiter aus. Bei den Marktführern finden sich inzwischen hunderte von Sparplänen zum Nulltarif. Mehr hierzu erfahren Sie in unserem Beitrag: "ETF-Sparpläne: Viele Gratisfonds bei Direktbanken"

 

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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de