"Die Finanzstabilität ist gefährdet"

Finanzkrise 2.0 "Die Finanzstabilität ist gefährdet"

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
20.12.2016
Auf einen Blick
  • Wirtschaftsprofessoren warnen in einem Brandbrief vor neuer Finanzkrise.
  • Wissenschaftlicher Beirat fordert strengere Eigenkapitalregeln für Banken.
  • Geldinsitute setzen das Ausfallrisiko bei Immobilienkrediten zu niedrig an.
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"Es ist zu befürchten, dass in absehbarer Zeit erhebliche neue Lasten auf das Finanzsystem beziehungsweise den Steuerzahler zukommen", zitieren verschiedene Medien einen Brandbrief des Wissenschaftlichen Beirates an Bundeswirtschaftsminister Gabriel. Hintergrund ist der Widerstand Deutschlands und anderer EU-Staaten gegen schärfere Eigenkapitalregeln für Banken.

"Die derzeitigen Regeln weisen wichtige Lücken auf", warnen die knapp 40 Wirtschaftsprofessoren. "Aufgrund dieser Lücken ist die Finanzstabilität gefährdet." Die Bedenken seitens der Bundesregierung gegen die Vorschläge des Basler Ausschusses seien nicht nachvollziehbar. "Sie sind geprägt von den Interessen der Banken und vernachlässigen die Risiken für Steuerzahler. Sie vernachlässigen auch die Erfahrungen des vergangenen Jahrzehntes", heißt es in dem Schreiben.

Milliardenverluste für Steuerzahler

Dass das Finanzsystem 2008 durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers am Rande des Abgrundes stand, scheinen einige Politiker zu verdrängen. Für den Steuerzahler waren die Rettungen von Commerzbank und Hypo Real Estate ein Desaster. Allein bei der Münchner Hypothekenbank sprang der Staat inklusive Garantien mit fast 100 Milliarden Euro ein, bei der Commerzbank immerhin mit gut 18 Milliarden Euro. Stand 30. April 2016 belaufen sich die Verbindlichkeiten von HRE und Commerzbank noch immer auf 7,6 beziehungsweise 5,1 Milliarden Euro. Würde der Bund sein Commerzbank-Aktienpaket im Volumen von 15,6 Prozent zu heutigen Marktpreisen verkaufen, käme der Verlust für den Steuerzahler auf 3,6 Milliarden Euro.

Pulverfass faule Kredite

Auch in der Bankenbranche scheint Lehman längst vergessen. Mittlerweile wird schon wieder verbrieft, gezockt und gehebelt, was das Zeug hält. Dabei schlummern immer noch Milliarden fauler Kredite in den Kellern der Banken.

Das Problem: Die Geldinstitute dürfen ihr Risiko mit Hilfe eigener Modelle bewerten. Immobilienkredite werden zum Beispiel sicherer eingestuft als Unternehmenskredite. Allerdings waren es genau die Immobilienkredite, die das weltweite Finanzsystem 2008 zum Kollabieren brachten. Deshalb halten die Wirtschaftsexperten strengere Auflagen für unverzichtbar.

Nach der Krise ist vor der Krise

"Für die Zukunft ist zu erwarten, dass die deutschen Banken Verluste aufgrund makroökonomischer Entwicklungen, wie etwa Einbrüchen in den Immobilienmärkten, nicht mehr so leicht absorbieren können wie in der Vergangenheit", mahnt der Wissenschaftliche Beirat. Klar ist: Falls die Zinsen wieder steigen, erhöht sich auch das Ausfallrisiko bei Immobilienkrediten. Schließlich haben die meisten Baufinanzierungen derzeit nur eine Zinsbindung von zehn Jahren.

Die Europäische Zentralbank hat als Hüter der Finanzstabilität in der Eurozone ihr Pulver weitestgehend verschossen. Auch die Staaten selbst stecken im Schuldensumpf. Eine neue Finanzkrise wird sicher heftiger ausfallen und nicht so glimpflich ausgehen wie 2008. Ob es Kanzlerin Merkel dann erneut gelingt, mit einer Garantie für alle Spareinlagen einen Banken-Run zu verhindern, ist fraglich.

Biallo-Tipp

Wenn Sie ihr Geld sicher in Tagesgeld oder Festgeld anlegen wollen, sollten Sie die Anbieter genau unter die Lupe nehmen. Zwar sind laut EU-Richtlinie alle Einlagen bis 100.000 Euro geschützt, eine gemeinschaftliche EU-Einlagensicherung gibt es allerdings nicht. Wichtig: Wählen Sie nur einen Anbieter aus Ländern, welche die höchste Bonität bei den Ratingagenturen erhalten. Dazu zählen: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, Niederlande, Österreich und Schweden. Auch hier raten wir, nie mehr als 100.000 Euro bei einer Bank anzulegen. Bei folgenden Ländern sollten Sie wegen des höheren Risikos infolge der schlechteren Bonität vorsichtig sein: Bulgarien, Estland, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Malta, Polen, Portugal, Slowakei und Tschechien. Wenn überhaupt, dann investieren Sie hier nur 10-20 Prozent ihres Kapitals, damit sich die Verluste bei einem möglichen Zahlungsausfall dieser Länder in Grenzen halten.

5
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
25,02
1,00%
2.
15,00
0,60%
3.
13,76
0,55%
4.
12,51
0,50%
5.
10,00
0,40%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate
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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de