Wertpapieranlage

Dividenden: Gute Zeiten für Rendite-Jäger

Update: 15.01.2019
Björn König
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Auf einen Blick
  • Das Zinsniveau wird nach Einschätzung von Analysten des Wirtschaftsforschungsinstituts IW Köln noch auf lange Sicht niedrig bleiben. Als Alternative locken vergleichsweise hohe Dividendenrenditen bei klassischen Wertpapieranlagen.

  • Besonders attraktiv sind die sogenannten Dividendenaristokraten mit teils über Jahrzehnte hinweg steigenden Ausschüttungen an Aktionäre. Trotz hoher Renditechancen sollten Anleger stets das potenzielle Verlustrisiko und die Kosten im Auge behalten.
Alternativen im Zinstief: Die sogenannten Dividendenaristokraten locken derzeit mit attraktiven Renditen.
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An schlechte Nachrichten haben sich Sparer in Deutschland schon längst gewöhnt. Mario Draghi ist in Bankenkreisen besonders dafür bekannt, ein Überbringer eben dieser schlechten Nachrichten zu sein. Als Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) schickte der Italiener den Leitzins buchstäblich von Jahr zu Jahr tiefer in den Keller.

Wer nun allerdings hoffte, nach der großen Banken-, Griechenland- und Italienkrise sowie der Neuwahl des EZB-Präsidenten in diesem Jahr langsam wieder Licht am Ende des dunklen Zinstunnels zu sehen, dürfte sich höchstwahrscheinlich getäuscht haben. Das Wirtschaftsforschungsinstitut IW Köln rechnet nämlich damit, dass die Zinsen noch bis mindestens 2050 niedrig bleiben. Damit ist klar: Selbst der Kapitalerhalt durch Zinsen wird mit Blick auf die Inflation langfristig sehr herausfordernd, von anderen Fragen wie der Altersvorsorge mal ganz zu schweigen. Dennoch gibt es interessante Alternativen.

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Börse statt Sparbuch

Ganz klar, verzweifeln sollte man bei einem langen Zinstief nicht. Selbst wenn Tagesgeld und Festgeld wohl voraussichtlich auf längere Zeit nicht die beste Rendite erwirtschaften, heißt dies im Umkehrschluss natürlich auf keinen Fall, dass man sein schwer verdientes Geld auch gleich unter das Kopfkissen legen kann. Immobilien und Edelmetalle sind hier für Kleinanleger vielleicht nicht unbedingt die erste Wahl: Wer ein langfristiges Renditepotenzial seines angelegten Kapitals erwartet, sollte ganz sicher auch die Aktienmärkte im Auge behalten.

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Egal ob ETFs oder Einzelwerte: Neben möglichen Kursgewinnen locken durchaus bemerkenswerte Gewinnausschüttungen in Form der Dividende – und gerade diese hat es bei so manchem Unternehmen in sich. Doch worauf sollte man im Detail achten, wenn man auf langfristig steigende Dividendengutschriften im Depotkonto Wert legt?

Dividendenadel steht für Kontinuität

Wer Festgeld anlegt, erwartet eine dauerhafte Renditegarantie. Die gibt es naturgemäß bei Aktien nicht. Der Kursverlauf ist volatil und Kursgewinne können nur beim Verkauf zu einem günstigen Zeitpunkt realisiert werden. Dies gilt umgekehrt selbstverständlich leider auch für die Verluste – nämlich wenn Anleger kurzfristig zu Liquidität gezwungen sind und deshalb einen Teil oder das ganze Aktienportfolio verkaufen müssen.

Allerdings sind Kursgewinn und -verlust nicht alles: Sogenannte Dividendenaristokraten sind Aktien von Unternehmen, die über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg steigende Ausschüttungen an Aktionäre verzeichnen. Oftmals handelt es sich dabei um große bekannte in- und ausländische Konzerne beziehungsweise deren Abspaltungen mit erfahrungsgemäß nachhaltigen Geschäftsmodellen. Diese Unternehmen können jährlich steigende Dividenden zahlen, weil sie eben einen Großteil ihres Gewinnes nicht reinvestieren, sondern an die Aktionäre ausschütten.

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Wie bei allen Investmentstrategien, sollte auch beim Thema Dividende über verschiedene Märkte und Branchen gestreut werden, um das individuelle Verlustrisiko möglichst zu minimieren. Bei einem Blick auf ausgewählte Dax- und S&P 500-Titel wird deutlich, dass hier alleine die prognostizierte Dividendenrendite (ohne eventuelle Kursgewinne) bereits weit über dem derzeit marktüblichen Zinsniveau für konservative Geldanlagen liegt:

Unternehmen

Branche

Index/Handelsplatz

Dividendenrendite 2019*

Johnson & Johnson

Pharma/Medizintechnik

S&P 500/New York

2,8 %

Allianz

Finanzen/Versicherung

Dax/Frankfurt

4,9 %

ExxonMobil

Öl/Energie

S&P 500/New York

4,5 %

Procter & Gamble

Konsumgüter

S&P 500/New York

3,2 %

Siemens

Industrie

Dax/Frankfurt

3,9 %**

Quelle: eigene Recherche
*Dividendenrendite laut Schätzung von Factset bezogen auf den Schlusskurs vom 14. Jan. 2019. 
**Dividende von 3,80 Euro angekündigt; Hauptversammlung am 30. Januar 2019; Rendite bezogen auf den Schlusskurs vom 14. Jan. 2019.

Worauf es bei der Dividendenauswahl ankommt

Andreas Lipkow, Marktexperte von Comdirect, rät Anlegern, bei der Suche nach guten Dividendenrenditen auf bestimmte Faktoren zu achten: "Vor allem sollte man in etablierte Aktienmärkte mit soliden und gut positionierten Unternehmen investieren. Bei Nebenmärkten beziehungsweise Emerging Markets ist das Risiko eines konjunkturellen Umschwungs zu groß. Bei den etablierten Finanzmärkten lassen sich konjunkturelle Änderungen bereits drei bis sechs Monate vorher absehen."

Lipkow empfiehlt interessierten Anlegern, sich ganz bestimmte Branchen genauer anzuschauen: "Unternehmen aus der Schwer- und Basisindustrie haben einfach länger laufende Zyklen und sind nicht modischen Trends unterworfen. So zahlen zum Beispiel Ölunternehmen hohe Dividenden an ihre jeweiligen Aktionäre aus."

Nicht zuletzt rät der Marktexperte, sich vor allem auch Unternehmen aus der zweiten und dritten Börsenreihe anzuschauen, die nicht unbedingt auf dem Radar großer Investoren sind. Gerade hier wären über lange Zeit hinweg attraktive Dividendenrenditen nicht selten, so Lipkow. Um mit dem "Rosinenpicken" von Einzelaktien erfolgreich zu sein, sei es jedoch notwendig, sich ein gutes Verständnis der ausgewählten Unternehmen und ihrer Geschäftsmodelle anzueignen.

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„Stock Picking“ ist keine Kunst

Im Grunde genommen ist es dennoch nicht schwierig, gute Dividendenaristokraten zu finden. Unternehmen, die 25 Jahre oder länger konstant steigende Dividenden zahlen, finden sich vor allem in traditionell soliden und weniger volatilen Branchen. Dazu zählen insbesondere die Bereiche Konsumgüter und Lebensmittel, die Schwer- und Basisindustrie, die Pharma- sowie die Telekommunikationsbranche.

Ein Nachteil deutscher Aktien ist allerdings der Ausschüttungsturnus, da es hier üblicherweise nur eine Dividendengutschrift im Jahr gibt. Spielt der langfristige passive Dividendenfluss zum Beispiel für die Altersvorsorge eine zentrale Rolle, können eventuell US-Bluechip-Aristokraten eine Lösung sein. Dabei handelt es sich um große amerikanische Unternehmen mit langer Börsen- und Dividendenhistorie, die jedoch zumindest einen Teil ihrer Gewinne, im Gegensatz zu deutschen Unternehmen, mindestens einmal pro Quartal an die Anteilseigner ausschütten.

Wer darüber hinaus sogar Interesse an monatlichen Dividendenzahlungen hat, kann einen Blick auf spezifische Immobilien-Aktiengesellschaften, sogenannte Real Estate Investment Trusts (REITs), werfen: Hier finden sich ebenso langfristig attraktive Ausschüttungsrenditen, da REITs als Sammelstelle für Kapitalanlagen im Immobiliensektor gesetzlich verpflichtet sind, 90 Prozent des ermittelten Jahresgewinns auszuschütten.

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Biallo-Tipp

Eine Alternative zum aktiven Kauf von Wertpapieren mit hoher Dividendenrendite sind so genannte globale Aristokraten-Indizes, wie zum Beispiel der SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF. Dieser ETF bildet einen Index aus Unternehmen des Weltmarktes ab, welche langfristig steigende Dividenden auszahlen.



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