Auf einen Blick
  • Im Juli 2022 startete die digitale Vermögensverwaltung "cleVR" der Volksbank Dortmund-Nordwest. 

  • cleVR finance bietet dabei zwei Varianten – die Selbstbedienungslösung sowie ein hybrides Modell an.

  • Wie genau das funktioniert und was der Robo-Advisor der Volksbank Dortmund-Nordwest außerdem zu bieten hat, darüber haben wir mit Dr. Armin Schwarze (Vertriebsvorstand) sowie Holger Kepper (Bereichsleiter Vermögensmanagement) gesprochen. 
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Die Volksbank Dortmund-Nordwest arbeitet bereits seit Jahren erfolgreich mit Fintechs zusammen. Vor kurzem haben Sie die digitale Vermögensverwaltung "cleVR finance" gestartet. Was sind die Gründe?

Dr. Armin Schwarze: Wir stellen seit einiger Zeit fest, dass insbesondere junge Erwachsene in der Altersgruppe 18 bis 30 Jahre keinen persönlichen Kontakt zu einer Bank wünschen, sondern stattdessen die digitale Selbstbedienung im Internet bevorzugen. Um diese Zielgruppe, auch außerhalb unseres originären Einzugsgebiets, erreichen zu können, haben wir uns dazu entschieden, die digitale Vermögensverwaltung "cleVR finance" anzubieten. Auch für vermögende Kundinnen und Kunden kann cleVR finance eine interessante Teilstrategie sein, um das Vermögen stärker zu streuen und vielleicht auch, um einen Teil des Vermögens bewusst spezieller, gegebenenfalls auch abweichend von der allgemeinen Risikoeinstellung, anzulegen.

Dabei arbeiten wir mit einer Reihe von bewährten Spezialisten zusammen. Als unabhängiger Vermögensverwalter fungiert die investify S.A. Die Depotwerte werden als Sondervermögen bei der Baader Bank als Depotbank verwahrt. Wir stellen als Genossenschaftsbank die Plattform und die App sowie die notwendigen Informationen für einen kostengünstigen und smarten Produktabschluss zur Verfügung.

Warum haben Sie dabei nicht auf den hauseigenen Robo-Advisor "MeinInvest" der DZ-Bank-Tochter Union Investment zurückgegriffen?

Holger Kepper: Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen möchten wir eine institutsunabhängige Lösung anbieten, da wir im Beratungsgeschäft mit dem Angebot von verbundfremden aktiven Investmentfonds nach dem "Best-Select-Ansatz" gute Erfahrungen gemacht haben. Zum anderen möchten wir eine reine Selbstbedienungslösung anbieten, die auch außerhalb unseres Einzugsgebiets genutzt werden kann.

Im gehobenen Kundensegment vor Ort werden wir die Fondsvermögensverwaltung "Vermögen Plus" der Union Investment anbieten. Wir sind davon überzeugt, dass für einen Kunden neben einer breiten Risikostreuung der Einzelanlagen auch die Verteilung der Anlage auf mehrere Manager eine vorteilhafte Strategie ist.

Für Kundinnen und Kunden, die nicht so digitalaffin sind und einen regelmäßigen persönlichen Ansprechpartner wünschen, bietet cleVR finance gegen Aufpreis auch ein hybrides Angebot an. Wie wird dieses Angebot bislang angenommen?

Kepper: Das hybride Angebot wird nicht so stark nachgefragt wie die reine Selbstbedienungslösung. Das entspricht unserer eigenen Erwartungshaltung. Trotzdem wollen wir das hybride Angebot aufrechterhalten, um auch Interessenten mit Unterstützungsbedarf den Zugang zu dieser innovativen und kostengünstigen Lösung zu ermöglichen.

Ist die Nutzung von cleVR finance auch möglich, wenn man kein Girokonto bei der Volksbank Dortmund-Nordwest führt?

Schwarze: Ja, die Nutzung ist auch ohne weitere Produktnutzungen bei der Volksbank Dortmund-Nordwest möglich. Die Depot- und Wertpapierkontoführung erfolgt bei der Baader Bank. Für cleVR finance kann ein bereits bestehendes Konto bei einem deutschen Kreditinstitut als Referenzkonto angegeben werden. Natürlich freuen wir uns, wenn ein Neukunde sich neben cleVR finance auch für andere Lösungen aus unserem Produktangebot interessiert.

Anlegerinnen und Anleger können bereits ab 50 Euro monatlich einsteigen. Gibt es eine Mindesthaltedauer oder kommt man jederzeit an sein Geld?

Schwarze: Eine Mindesthaltedauer gibt es nicht. Der Kunde kann mit einer Abwicklungszeit von zwei bis drei Werktagen auch Anlagegelder entnehmen und auf sein Referenzkonto transferieren. Das gesamte Vertragswerk kann mit einer Kündigungsfrist von einem Monat gekündigt werden.

Die Anlagestrategien von cleVR finance basieren auf zwei Komponenten: einer ETF-Basisanlage und optional hinzuwählbaren Themeninvestments. Dabei können Kundinnen und Kunden aus 23 Anlagethemen auswählen, wie etwa "Erneuerbare Energien", "Familienunternehmen" oder "Dividendenperlen".  Welche Anlagethemen werden derzeit verstärkt nachgefragt?

Kepper: Wir sehen, dass die Nachfrage verstärkt in Richtung nachhaltige Investments und neue Technologien geht. Ansonsten ist der Vielfalt keine Grenzen gesetzt, das heißt jeder Anleger hat sein individuelles einzigartiges Portfolio.

Insbesondere jüngere Anleger haben in den vergangenen Jahren den Aktienmarkt für sich entdeckt und ohne Erfahrung mit hohem Risiko in Einzelaktien investiert. Wie kann hier cleVR finance helfen?

Schwarze: Entscheidend für den Erfolg einer Anlagestrategie ist die Gewichtung der Anlageklassen und die Vermeidung von zu hohen Risiken. In den letzten Jahren haben die Anleger aufgrund der niedrigen Zinsen die Aktienanteile und die Liquidität in den Depots stark erhöht. Seit einigen Monaten gibt es auch im Anleihemarkt wieder interessante Anlagemöglichkeiten. Mit cleVR finance schließt der Anleger Einzelwertrisiken aus und kann sich sein Depot maßgeschneidert nach seinem Risikoprofil und seinen Ertragsvorstellungen selbst zusammenstellen.

Sind die Kosten nicht im Vergleich zu einem Internetbroker zu hoch?

Kepper: Die Kosten für cleVR finance liegen mit knapp einem Prozent pro Jahr für eine Vermögensverwaltung im angemessenen Bereich. Die Kosten liegen unterhalb der Gesamtkosten von aktiv gemanagten Investmentfonds. Der Anleger nutzt die Vorteile des professionellen Managements und der kostengünstigen Bestandteile der Vermögensverwaltung. Zudem kann der Anleger jederzeit seine Anlagestrategie weitestgehend kostenneutral anpassen und damit auch auf Marktveränderungen reagieren.

Vereinzelt werden die Anlagethemen auch mit aktiv gemanagten Fonds abgebildet. Wann ist das genau der Fall?

Kepper: Aktiv gemanagte Fonds können bei cleVR finance bei speziellen Themen dort eingesetzt werden, wo es keine ETF-Lösungen gibt.

Eine rein nachhaltige Anlagestrategie bietet cleVR finance bislang nicht an. Allerdings lassen sich mit den Anlagethemen auch ethisch-ökologische Komponenten ins Portfolio einbauen. Wollen Sie irgendwann auch eine komplett nachhaltige Strategie anbieten?

Schwarze: Wir befassen uns intensiv mit den Nachhaltigkeitsthemen in unserer unternehmerischen Ausrichtung und in der Berücksichtigung in unserem Produktangebot. Bei cleVR finance richtet sich der Fokus jedoch auf eine breite globale Risikostreuung in den Basisinvestments und der Beimischung von individuellen Themeninvestments. Dabei können einzelne Bestandteile bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Eine komplett nachhaltige Ausrichtung ist bei dieser Vorgehensweise derzeit kaum zu realisieren.

Ist die Einführung von Gemeinschafts- und Kinderdepots mittelfristig auch geplant?

Kepper: Die Einführung von Gemeinschafts- und Kinderdepots haben wir aufgrund höherer regulatorischer Anforderungen erst einmal zurückgestellt.

Sie haben sich die Marke "cleVR finance" gesetzlich schützen lassen. Wollen Sie künftig noch weitere Geldanlageprodukte unter dieser Marke anbieten?

Schwarze: Ja, das ist geplant. Die digitale Plattform ist ausbaufähig. Ziel ist es, dort weitere Produkte mit einer Selbstabschlussstrecke anzubinden. Überlegungen dahingehend bestehen beispielsweise im Finanzierungsbereich mit dem neuen Produkt "Betongold".

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Über den Autor Horst Biallo
Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.
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