Die Mär vom Land der Sparer

Ein Drittel der Deutschen von Armut bedroht

Update: 22.02.2019
Kevin Schwarzinger
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Auf einen Blick
  • Laut einer aktuellen Studie der ING Deutschland sparen knapp ein Drittel der Deutschen überhaupt nicht.

  • Der Grund: Das Einkommen reicht schlicht nicht aus, um Geld auf die Seite zu legen.

  • Zwar sieht die Mehrheit der Deutschen den Staat in der Pflicht, wenn es um die Rente geht. Doch mit dem Vertrauen in das gesetzliche Rentensystem ist es alles andere als gut bestellt.
Im Land der Sparweltmeister haben viele Menschen am Ende des Monats kaum noch Geld übrig.
Frank Gebauer / Shutterstock.com

Die Deutschen gelten allgemein als Sparweltmeister – zumindest wird das gerne von Politik und Medien behauptet. Doch die Realität zeigt: Rund ein Drittel aller Deutschen (31 Prozent) verfügen über keinerlei Rücklagen. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Direktbank ING. Der Grund: Es bleibt für viele Haushalte einfach am Monatsende kaum Geld übrig, um etwas auf die hohe Kante zu legen.

Damit hat Deutschland unter den 13 in der Studie untersuchten europäischen Ländern den zweithöchsten Anteil an Haushalten ohne Ersparnisse. Lediglich in Rumänien ist der Anteil der "Nicht-Sparer" noch höher (37,2 Prozent).

"Die Ergebnisse zeigen, dass Deutschland nicht das Land der Sparer ist, das es gerne vorgibt zu sein", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland.

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Deutschland, das Land der Ungleichheit

Zwar belegt Deutschland was die Sparer-Quote betrifft, den vorletzten Platz, nimmt allerdings dafür an anderer Stelle einen Spitzenplatz ein. "Diejenigen Befragten aber, die über Ersparnisse verfügen, liegen mit deren Höhe im europäischen Vergleich weiterhin in der Spitzengruppe", heißt es in der Studie. So rangiert Deutschland beim Anteil der Sparer, die mindestens vier beziehungsweise sieben Monatsgehälter auf der hohen Kante haben, jeweils auf Platz vier. Gleiches gilt bei Ersparnissen von mehr als einem Jahreseinkommen.

"Die Schere zwischen Arm und Reich geht trotz guter Wirtschaftslage weiter auseinander: Der Anteil derjenigen, die gar nicht sparen, steigt an. Gleichzeitig legen die Befragten mit Ersparnissen mehr als der europäische Durchschnitt zur Seite. Eine solche Entwicklung hat noch für keine Volkswirtschaft auf lange Sicht Vorteile gebracht", zeigt sich Brzeski besorgt.

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Kein Geld, aber Disziplin

Auch wenn das Einkommen bei vielen Bundesbürgern nicht zum sparen reicht, die Disziplin ist vorhanden. Fast 53 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen nie zum Monatsende das Geld ausgeht - der dritthöchste Wert. Und selbst wenn mehr Monat als Geld übrig ist, fahren sie lieber ihre Ausgaben herunter, als sich zu verschulden. So lehnen es beispielsweise rund 20 Prozent der Deutschen ab, ihren Konsum per Kreditkarte zu finanzieren.

Kein Vertrauen in das Rentensystem

Mit dem Vertrauen in das bestehende Rentensystem ist es laut Studie ebenfalls nicht gut bestellt - und das nicht nur in Deutschland. "Den staatlichen Rentensystemen stellen Deutsche wie auch Europäer kein gutes Zeugnis aus", so das Urteil der Studie. Das gelte sowohl für das Verhältnis zwischen Ein- und Auszahlung als auch für das allgemeine Niveau der Absicherung. Lediglich elf Prozent der Deutschen empfinden die gesetzliche Rente als ausreichend, im Rest Europas sind es immerhin 17 Prozent.

In einigen Jahren geht die Baby-Boomer-Generation in Rente und wird das staatliche Rentensystem in Deutschland vor große Herausforderungen stellen. Und trotz aller negativen Vorzeichen, sieht immer noch die Mehrheit der Deutschen den Staat in der Pflicht. "Das sollte auch in der Diskussion um die Bekämpfung der Altersarmut nicht vergessen werden."

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Biallo-Tipp

Die gesetzliche Rente wird für viele Menschen nicht reichen. Experten raten dringend dazu, das Sparverhalten umzustellen. Ein Teil des Geldes sollte in den Kapitalmarkt fließen, um von den höheren Renditen an der Börse zu profitieren – etwa mit Fonds oder ETFs.



  Kevin Schwarzinger


 

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