ETFs: Günstige Alternativen zum MSCI World

Geldanlage ETFs: Günstige Alternativen zum MSCI World

von Björn König
29.04.2019
Auf einen Blick
  • Wer über einen ETF in globale Wertpapiertitel investieren möchte, sollte nicht nur die beworbenen Angebote der eigenen Bank oder in Deutschland sehr bekannte Fondsgesellschaften wie Black Rock, Comstage und Xtrackers vergleichen.

  • Günstige Alternativen sind beispielsweise die britische Großbank HSBC oder die US-Fondsgesellschaft Vanguard, deren Produkte dem MSCI World und seiner Performance gleichen, jedoch unter anderem Namen vertrieben werden.

  • Einen Haken gibt es jedoch: Die Produkte sind nicht an allen gewohnten Börsenplätzen verfügbar. In Konsequenz unterscheiden sich auch die Ordergebühren teils erheblich.
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Jens Weidmann muss wirklich wissen, wie man sein Geld sinnvoll anlegt. Schließlich gibt es für den promovierten Volkswirt und Präsidenten der Deutschen Bundesbank schon aus beruflichen Gründen kein anderes Thema als Geld. Dass ein Bundesbankpräsident im Hinblick auf Finanzinstrumente neutral bleiben muss und deshalb keine Anlageempfehlungen gibt, versteht sich von selbst. Dennoch enthüllte die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem aktuellen Bericht für Weidmann mehr oder weniger unfreiwillig, wie er privat sein Geld investiert.

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Hintergrund ist, dass die obersten Währungshüter der EZB ihre Beteiligungen und selbst genutzte Finanzprodukte offenlegen müssen. Seine Strategie ist überraschend einfach: Sein Geld liegt in zwei ETF-Fonds – einen auf den DAX sowie einen weiteren auf den MSCI All Country World Index (kurz: MSCI ACWI).

Das ist auch aus unserer Sicht schon mal ganz grundsätzlich eine durchaus empfehlenswerte Anlagestrategie, welche sich ebenfalls für Börsenlaien lohnen dürfte. Doch letztendlich geht es beim Thema Rendite natürlich nicht nur um den Index selbst, sondern ebenso ganz besonders um die Kosten des Fonds. Und da kann vielleicht sogar Jens Weidmann noch den einen oder anderen Euro sparen.

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Nicht blind zugreifen

So ziemlich jeder Broker hat ETFs unter dem Namen MSCI World im Programm. Und zwar reichlich: Gibt man nämlich beispielsweise in der Kurssuche von Comdirect das Schlagwort "MSCI World" ein, erscheinen im Ergebnis sage und schreibe elf Seiten mit entsprechenden Fonds. Wer keine große Ahnung vom Thema ETFs und Wertpapiere hat, dürfte schon hier mächtig ins Trudeln kommen.

Selbstverständlich gehören passive Indexfonds prinzipiell zu den günstigsten Optionen, an der Börse Geld anzulegen. Dennoch sollten sich potenzielle Neuinvestoren tunlichst davor hüten, beim erstbesten Angebot zuzugreifen. Denn das ist ganz sicher nicht das günstigste oder beste.

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Ein Beispiel: Bei Comdirect erscheint ganz oben in der Liste der iShares MSCI World UCITS ETF. Ein durchaus beliebtes Produkt: Über 4,8 Milliarden Euro Fondsgröße, physische Replikation, Dividenden werden ausgeschüttet. Selbst beim Renditechart kann man nicht meckern. Doch die Kostenquote ist mit 0,5 Prozent im Wettbewerb alles andere als ein Schnäppchen. Welche Produkte bei einem Broker ganz oben gelistet werden, lässt sich natürlich nicht generell sagen. Was uns aber aufgefallen ist: Es sind häufig die Namen von üblichen Verdächtigen, wie Black Rock, Comstage, Xtrackers.

Und das nicht nur bei tendenziell teureren Brokern, sondern auch bei Discount-Anbietern wie der niederländischen Degiro. Wir wollen hier keine Boshaftigkeit unterstellen, aber letztendlich geht es selbst bei günstigen ETFs für Banken, Broker und Fondsgesellschaften nur um ein Thema: Wie kann man möglichst viel Geld damit verdienen? Es drängt sich der Verdacht auf, dass man die Kunden nicht gleich mit der Nase auf die günstigsten und attraktivsten Produkte stoßen möchte.

  • Biallo-Tipp: Wer seine Geldanlage nicht komplett selbst gestalten will oder kann, für den sind Robo-Advisor eine geeignete Alternative zum langfristigen Vermögensaufbau. Wie die digitalen Vermögensverwalter genau funktionieren, lesen Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor.

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Günstiger: Vanguard und HSBC

Die in den USA vom ETF-Pionier Jack Bogle gegründete Fondsgesellschaft Vanguard gilt gemeinhin als Aldi der Branche. Viele Vanguard-ETFs zeichnen sich durch eine sehr gute Performance bei gleichzeitig günstigen Kostenquoten aus. Das liegt unter anderem auch am Thema Lizenzgebühren, denn Vanguard vertreibt einige Indexfonds nicht unter dem Namen MSCI World, obwohl diese ähnlich zusammengesetzt sind.

Nehmen wir beispielsweise den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF, welcher globale Titel aus Industrie- und Schwellenländern abbildet. Mit mehr als 2,2 Milliarden Euro Fondsgröße ist er zwar deutlich kleiner als der zuvor genannte iShares-ETF, liegt aber im Hinblick auf die Kostenquote bei gerade einmal 50 Prozent des Black Rock-Produkts.

Auch die britische Großbank HSBC hat einen interessanten ETF aufgelegt, der sowohl in Sachen Kosten als auch Performance zu den attraktiveren Produkten am Markt gehört. So ist der HSBC MSCI World ETF in US-Dollar bei einer Fondsgröße von 826 Millionen Euro und Kostenquote von 0,15 Prozent sehr preiswert.

Dennoch gibt es bei der Sache einen Haken: Die günstigeren Fonds sind oftmals nicht an gewohnten Börsen, wie der Xetra verfügbar. Das kann durchaus ein wichtiger Aspekt sein, schließlich berechnen Broker unterschiedliche Gebühren für die Nutzung der jeweiligen Handelsplätze. So ist der Parketthandel in der Regel teurer als der elektronische Handel, ebenso gibt es bei Auslandsbörsen häufig entsprechende Aufschläge.

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Globale ETF-Titel im Vergleich:

iShares MSCI World UCITS ETF

Vanguard FTSE All-World UCITS ETF

HSBC MSCI World ETF

Volumen

4,8 Mrd. Euro

2,2 Mrd. Euro

826 Mio. Euro

Replikation

physisch

physisch

physisch

Währung

US-Dollar

US-Dollar

US-Dollar

Kostenquote

0,5 Prozent

0,25 Prozent

0,15 Prozent

Quellen: justETF/Fondsanbieter/eigene Recherche 

Fazit: Günstiger einsteigen

Ein ETF ist natürlich im Gegensatz zu einer Ehe kein Bund fürs Leben. Selbstverständlich kann man seine Anteile jederzeit verkaufen und zu einem anderen Produkt beziehungsweise Fondsanbieter wechseln. Dennoch sollte man sich darüber bewusst sein, dass Indexfonds auf eine langfristige Anlage von Jahrzehnten ausgelegt sind. Wer nicht gleich zu Beginn mit Sorgfalt das richtige Produkt wählt, mindert seine langfristige Rendite und verschenkt damit unnötigerweise bares Geld.

Stellen Sie sich das ETF-Angebot bei Banken und Brokern wie ein Supermarktregal vor. Die teuren Markenprodukte liegen gut beworben und leicht greifbar in Augenhöhe, während man sich für das weniger bekannte aber qualitativ gleichwertige Produkt im unteren Teil des Regals bücken muss. Vielleicht muss man sogar den gewohnten Supermarkt wechseln, doch auch das kann sich am Ende richtig lohnen.

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Biallo-Tipp

Achten Sie bei einer ETF-Order genau auf die Konditionen Ihres Brokers. Viele Fonds werden gleichzeitig an verschiedenen Börsenplätzen gehandelt. So ist es durchaus möglich, dass ein ETF an der Xetra kostenpflichtig und an der Euronext kostenlos gekauft werden kann. In der Regel finden Sie auf der Internetseite Ihres Brokers eine Liste von günstig oder kostenlos handelbaren Fonds inklusive zugehöriger Handelsplätze.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de