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Auf einen Blick
  • Wer über einen ETF in globale Wertpapiertitel investieren möchte, sollte nicht nur die beworbenen Angebote der eigenen Bank oder in Deutschland sehr bekannte Fondsgesellschaften wie Blackrock oder Xtrackers vergleichen.

  • Günstige Alternativen sind beispielsweise die britische Großbank HSBC oder die US-Fondsgesellschaft Vanguard. Letztere vertreibt Produkte, die dem MSCI World Index und seiner Performance ähneln, allerdings unter anderem Namen.

  • Auch die jeweiligen Emittenten selbst haben oft mehrere Varianten eines Indexfonds im Programm. Ein genauer Kostenvergleich kann sich lohnen. 
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Jens Weidmann muss es wissen, wie man sein Geld sinnvoll anlegt. Schließlich gibt es für den promovierten Volkswirt und Präsidenten der Deutschen Bundesbank schon aus beruflichen Gründen kein anderes Thema als Geld. Dass ein Bundesbankpräsident im Hinblick auf Finanzinstrumente neutral bleiben muss und deshalb keine Anlageempfehlungen gibt, versteht sich von selbst. Allerdings ist es längst kein Geheimnis mehr, wie Weidmann sein Geld anlegt. Denn die EZB veröffentlicht seit 2019 jährlich die „Declaration of Interests“, eine Interessenerklärung ihrer hochrangigen Beamten, zu denen Weidmann als Mitglied des EZB-Rates zählt.

In dem Auskunftsbogen müssen die obersten Währungshüter neben ihren öffentlichen Mandaten auch ihre Beteiligungen und Investments offenlegen. Weidmanns Strategie ist überraschend einfach: Sein Geld liegt in zwei ETF-Fonds des Anbieters Xtrackers – einer auf den Dax sowie ein weiterer auf den MSCI All Country World Index, kurz MSCI ACWI.

Das ist auch aus unserer Sicht schon mal ganz grundsätzlich eine durchaus empfehlenswerte Anlagestrategie, welche sich ebenfalls für Börsenlaien langfristig lohnen dürfte. Doch letztlich geht es beim Thema Rendite natürlich nicht nur um den Index selbst, sondern ebenso ganz besonders um die Kosten des Fonds. Und da kann vielleicht sogar Jens Weidmann noch den einen oder anderen Euro sparen.

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Deutliche Kostenunterschiede beim MSCI World Index

Der Weltaktienindex MSCI World – der kleine Bruder des MSCI ACWI – umfasst knapp 1.600 Aktien aus 23 Industrienationen. Er ist bei ETF-Sparern wegen seiner breiten Streuung äußerst beliebt. So ziemlich jeder Broker hat ETFs unter dem Namen MSCI World im Programm. Und zwar reichlich: Gibt man beispielsweise in der Produktsuche von Comdirect das Schlagwort "MSCI World" ein, erscheinen im Ergebnis sage und schreibe 15 Seiten mit entsprechenden Fonds, insgesamt gut 220 an der Zahl. Wer keine große Ahnung vom Thema ETFs und Wertpapiere hat, dürfte schon hier mächtig ins Trudeln kommen.

Selbstverständlich gehören passive Indexfonds prinzipiell zu den günstigsten Optionen, an der Börse Geld anzulegen. Dennoch sollten sich potenzielle Neuinvestoren tunlichst davor hüten, beim erstbesten Angebot zuzugreifen. Denn das ist ganz sicher nicht das günstigste oder beste.

Ein Beispiel: Bei Comdirect erscheint ganz oben in der Liste der iShares MSCI World UCITS ETF. Ein durchaus beliebtes Produkt: Gut 6,1 Milliarden US-Dollar Fondsvolumen, physische Replikation, Dividenden werden ausgeschüttet. Selbst beim Renditechart kann man nicht meckern. Doch die Kostenquote ist mit 0,50 Prozent im Wettbewerb alles andere als ein Schnäppchen.

 

Thesaurierende Variante von iShares ist günstiger 

Dabei gibt es aus dem Hause Blackrock selbst eine deutlich günstigere Variante, wenn auch thesaurierend: nämlich den iShares Core MSCI World UCITS ETF mit einer Kostenquote von 0,20 Prozent pro Jahr, der zudem mit knapp 44 Milliarden US-Dollar Fondsvolumen um ein Vielfaches größer ist als die ausschüttende Variante.

Welche Produkte bei einem Broker ganz oben gelistet werden, lässt sich natürlich nicht generell sagen. Was uns aber aufgefallen ist: Es sind häufig die Namen der üblichen "Verdächtigen", wie iShares (Blackrock) oder auch Xtrackers (DWS). Und das nicht nur bei tendenziell teureren Brokern, sondern auch bei Discount-Anbietern.

Wir wollen hier keine Boshaftigkeit unterstellen, aber letztlich geht es selbst bei günstigen ETFs für Banken, Broker und Fondsgesellschaften nur um ein Thema: Wie kann man möglichst viel Geld damit verdienen? Es drängt sich der Verdacht auf, dass man die Kunden nicht gleich mit der Nase auf die günstigsten und attraktivsten Produkte stoßen möchte.

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Die günstigsten ETFs auf den MSCI World Index

ETF Laufende Kosten pro Jahr  Ausschüttungsart Fondsvolumen
Lyxor Core MSCI World (DR) UCITS ETF - Acc  0,12 % Thesaurierend 1,2 Mrd. Euro
SPDR MSCI World UCITS ETF 0,12 % Thesaurierend 1,0 Mrd. Euro
HSBC MSCI World UCITS ETF 0,15 % Ausschüttend  3,3  Mrd. Euro

Quelle: eigene Recherche.

 

MSCI All Country World Index (MSCI ACWI)

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann setzt – wie eingangs erwähnt – bei seinem globalen Aktien-ETF nicht auf den MSCI World Index, sondern auf den großen Bruder MSCI All Country World Index (MSCI ACWI). Dieser ist noch breiter gestreut und beinhaltet neben den 23 Industrienationen zusätzlich 27 Schwellenländer. Statt 1.600 Aktien sind im MSCI ACWI knapp 3.000 Unternehmen gelistet. Hierzulande stehen an den gängigen Börsenplätzen vier Produkte zur Auswahl. Die ETFs von iShares und Xtrackers zählen diesmal zu den günstigeren Produkten: 

A Laufende Kosten pro Jahr Ausschüttungsart Fondsvolumen 
iShares MSCI ACWI UCITS ETF 0,20 % Thesaurierend 2,6 Mrd. Euro
Xtrackers MSCI AC World UCITS ETF 0,25 % Thesaurierend 1,0 Mrd. Euro
SPDR MSCI ACWI UCITS ETF 0,40 % Thesaurierend 2,8 Mrd. Euro
Lyxor MSCI All Country World UCITS ETF 0,45 % Thesaurierend 600 Mio. Euro

Quelle: eigene Recherche.

 

Günstige MSCI-Varianten: FTSE All World und Developed World

Die in den USA vom ETF-Pionier Jack Bogle gegründete Fondsgesellschaft Vanguard gilt gemeinhin als Aldi der Branche. Viele Vanguard-ETFs zeichnen sich durch eine sehr gute Performance bei gleichzeitig günstigen Kostenquoten aus. Das liegt unter anderem auch am Thema Lizenzgebühren, denn Vanguard vertreibt einige Indexfonds nicht unter dem Namen MSCI World, obwohl diese ähnlich zusammengesetzt sind.

Nehmen wir beispielsweise das Pendant zum MSCI World Index, den Vanguard FTSE Developed World ETF. Dieser bildet rund 2.200 Unternehmen aus 25 Industrienationen ab, das sind circa 600 Unternehmen mehr als beim MSCI World Index. Die laufenden Kosten liegen sowohl bei der ausschüttenden als auch theaurierenden Variante bei 0,12 Prozent.

Etwas teurer, aber immer noch verhältnismäßig günstig, kommt der Vanguard FTSE All World ETF. Er ist vergleichbar mit dem MSCI ACWI, ist mit rund 3.600 Positionen allerdings noch breiter gestreut. Sowohl in der ausschüttenden als auch thesaurierenden Variante betragen die laufenden Kosten jeweils 0,22 Prozent.

 

Fazit: Günstiger einsteigen

Ein ETF ist natürlich im Gegensatz zu einer Ehe kein Bund fürs Leben. Selbstverständlich kann man seine Anteile jederzeit verkaufen und zu einem anderen Produkt beziehungsweise Fondsanbieter wechseln. Dennoch sollte man sich darüber bewusst sein, dass Indexfonds auf eine langfristige Anlage von Jahrzehnten ausgelegt sind. Wer nicht gleich zu Beginn mit Sorgfalt das richtige Produkt wählt, mindert seine langfristige Rendite und verschenkt damit unnötigerweise bares Geld.

Stellen Sie sich das ETF-Angebot bei Banken und Brokern wie ein Supermarktregal vor. Die teuren Markenprodukte liegen gut beworben und leicht greifbar in Augenhöhe, während man sich für das weniger bekannte aber qualitativ gleichwertige Produkt im unteren Teil des Regals bücken muss. Vielleicht muss man sogar den gewohnten Supermarkt wechseln, doch auch das kann sich am Ende richtig lohnen.

Biallo-Tipp

Achten Sie bei einer ETF-Order genau auf die Konditionen Ihres Brokers. Viele Fonds werden gleichzeitig an verschiedenen Börsenplätzen gehandelt. So ist es durchaus möglich, dass ein ETF auf Xetra kostenpflichtig und an der Euronext kostenlos gekauft werden kann. In der Regel finden Sie auf der Internetseite Ihres Brokers eine Liste von günstig oder kostenlos handelbaren Fonds inklusive zugehöriger Handelsplätze.
Über den Autor Björn König

Björn König ist bei biallo.de Experte für Kapitalmarktanlagen. Als Investmentanalyst schrieb er bislang unter anderem für die deutsche Ausgabe von "The Motley Fool", einem der bekanntesten US-amerikanischen Finanzanlageberater für Privatinvestoren. Seine Interessenschwerpunkte liegen insbesondere im Bereich Einzelaktien und Indizes mit Fokus auf dem US-amerikanischen und deutschen Kapitalmarkt. Auch privat ist er seit vielen Jahren erfolgreicher Investor und gibt seine vielfältigen Erfahrungen gerne an interessierte Anleger weiter. Björn König studierte Politikwissenschaften und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum sowie der Universität zu Köln.

  Björn König