Geldpolitik

EZB-Zinsentscheid: Letzter Akt im Draghi-Drama

24.10.2019
Auf einen Blick
  • Wie von nahezu allen Experten prognostiziert, hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen für den Euroraum nicht verändert. Auch der negative Einlagenzins von 0,50 Prozent bleibt unangetastet. 

  • Zudem halten die Währungshüter an der Wiederaufnahme des Anleihenkaufprogramms fest, bis das gewünschte Inflationsziel von "nahe" zwei Prozent pro Jahr erreicht ist.
Draghi hat gut lachen: Nach acht Jahren an der Spitze der EZB endet seine Amtszeit zum Ende des Monats.
Alexandros Michailidis / Shutterstock.com

Der letzte Akt eines Dramas beinhaltet in der Regel die finale Auflösung aller Ereignisse. Doch bei Mario Draghis letzter Sitzung als EZB-Chef bleibt alles beim Alten. Der Leitzins im Euroraum bleibt unverändert bei null Prozent. Der Einlagesatz, zu dem Banken überschüssige Gelder bei der EZB parken können, beträgt ebenfalls weiterhin minus 0,5 Prozent. 

Zudem halten die europäischen Währungshüter nach wie vor an der Wiederaufnahme des Anleihenkaufprogramms fest, welches ab 1. November dieses Jahres starten wird. Dann werden pro Monat Anleihen im Wert von 20 Milliarden Euro gekauft – für unbestimmte Zeit. Das Programm soll erst dann beendet werden, wenn die EZB kurz vor einer Zinserhöhung steht, und diese könnte einige Jahre auf sich warten lassen. Daran wird auch Draghis Nachfolgerin, Christine Lagarde, die am 1. November das Amt der EZB-Präsidentin antritt, nichts ändern.

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Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Zinswende ungewiss

Die Leitzinsen werden auf dem gegenwärtigen oder noch niedrigeren Niveau bleiben, bis sich der Inflationsausblick deutlich dem EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent annähert, betonte die EZB.

Allerdings haben die Währungshüter ihre Inflationsprognosen für die nächsten Jahre bereits auf der Sitzung im September kassiert: 2019 sollen die Verbraucherpreise nur noch um 1,2 statt 1,3 Prozent steigen, 2020 um 1,0 statt 1,4 Prozent und 2021 um 1,5 statt 1,6 Prozent.

Für Sparer ist die erneute Lockerung der Geldpolitik eine schallende Ohrfeige. Denn schon jetzt reichen etliche Banken und Sparkassen die Negativzinsen an einen Teil ihrer Kunden weiter. Nun könnten weitere Geldhäuser nachziehen. Da das sogenannte Verwahrentgelt auf Einlagen zudem meist variabel gestaltet ist, dürften die meisten dieser Geldhäuser ihre Strafzinsen nach und nach erhöhen. Es scheint, als ob das Draghi-Drama für Sparer weitergeht, nur mit neuer Protagonistin. 

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