Finanzaufsicht greift bei Finanzwetten durch

Verbraucherschutz Finanzaufsicht greift bei Finanzwetten durch

Ines Baur
von Ines Baur
29.03.2018
Auf einen Blick
  • Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA spricht zum Schutz für Kleinanleger ein Verbot für den Handel mit binären Optionen aus und schränkt den Verkauf von CFDs an Privatanleger stark ein.

  • Analysen zum CFD-Handel belegen, dass 74 bis 89 Prozent der CFD-Trader Geld verlieren. Der Verlust pro Kunde beträgt bis zu 29.000 Euro.

  • Die Verbraucherzentralen warnen schon lange vor Finanzwetten über Online-Plattformen und begrüßen den Schritt zum Schutz der Kleinanleger.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

"Hohe Gewinne mit Kleinstbeträgen, Vorkenntnisse nicht nötig" – so oder so ähnlich locken Anbieter sogenannter binärer Optionen Privatanleger an. Hinter dem Produkt steht genaugenommen eine Wette auf steigende oder fallende Aktienkurse, Rohstoffe oder Währungen in einem vorher festgelegten Zeitraum. Es gilt: hopp oder top. Für private Kleinanleger steht unter dem Strich meistens hopp, sprich der Totalverlust des eingesetzten Geldes. Das ergaben Analysen der nationalen Bankaufsichtsbehörden (National Competent Authorities) zum Handel mit binären Optionen. Entsprechende Wertpapierkonten von Privatkunden verzeichnen konsistente Verluste.

Auch CFD sind der europäischen Finanzaufsicht ESMA ein Dorn im Auge. Der Handel mit den Differenzkontrakten weist einen Verlust von 74 bis 89 Prozent auf Kleinanlegerkonten aus. Die Kunden verlieren im Durchschnitt 1600 Euro bis 29.000 Euro. Interessant zu wissen: In den USA ist der CFD-Handel gemäß den Regeln der US-Börsenaufsicht SEC verboten.

Neue Regeln gelten EU-weit

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat bereits im vergangenen Jahr CFD-Geschäfte mit Nachschusspflicht untersagt. Binären Optionen stand die Bafin kritisch gegenüber, der Handel blieb aber erlaubt. Die jetzige Produktintervention der Europäischen Aufsichtsbehörde zu CFDs und binären Option ist um einiges umfassender. "Die vier weiteren ESMA-Maßnahmen sind: Hebelbeschränkungen, Margin-Close-Outs bei 50 Prozent Verlust, verpflichtende Risikoaufklärungen mit der jeweils aktuellen Verlustquote und verbotene Handelsanreize", erklärt Bafin-Pressesprecherin Anja Schuchhardt. "Die Bafin hat ausschließlich den Handel mit CFDs beschränkt. Die ESMA hat daneben auch den Handel mit binären Optionen verboten."

Die ESMA fordert in ihrer Intervention zudem, dass Anbieter von CFDs permanent vor Risiken warnen und die Konteninhaber über ihre Verluste informieren müssen. Mit Prämien zu werben, ist den Brokern auch verboten. "Die vereinbarten Maßnahmen werden einen größeren Anlegerschutz in der gesamten EU gewährleisten, indem sie ein einheitliches Mindestschutzniveau für Privatanleger gewährleisten", sagt ESMA-Chef Steven Maijoor. "Die neuen CFD-Maßnahmen werden zum ersten Mal sicherstellen, dass Anleger nicht mehr Geld verlieren können, als sie investieren."

Verbot zunächst auf drei Monate befristet

Mit der Anfang 2018 in Kraft getretenen EU Finanzmarktverordnung kann die ESMA ihr Vorhaben, den Vertrieb riskanter Finanzprodukte an Kleinanleger zu beschränken oder zu verbieten, durchsetzen. Die Maßnahmen sind zunächst für drei Monate gültig, können danach jedoch bei Bedarf um weitere drei Monate verlängert werden. Ob sich das Thema Finanzwetten bis dahin erledigt hat oder ein neues Handeln gefragt ist, wird sich zeigen.

"Verstöße gegen die ESMA-Maßnahme können mit Bußgeldern bis zu fünf Millionen Euro geahndet werden, bei juristischen Personen umsatzabhängig auch höher", sagt Anja Schuchhardt. "Die Missachtung geltender Regelungen kann auch im Rahmen der laufenden Aufsicht über die zugelassenen Institute verfolgt werden, zum Beispiel durch Verwarnungen und weiteren Zwangsmaßnahmen gegenüber den verantwortlichen Geschäftsleitern."

Wie geht es nach der drei Monats Frist weiter mit CFD und binärer Option? Möchten Sie zum Thema auf dem Laufenden bleiben? Dann melden Sie sich für unseren kostenlosen Newsletter an.  

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Die deutschen Verbraucherzentralen begrüßen das energische Durchgreifen der ESMA. Sie wettern schon lange gegen unseriöse Anbieter, dubiose Geschäftsbedingungen und den Handel mit binären Optionen. Zu viele Beschwerden von zu vielen Verlustträgern. "Verbraucher melden uns dazu seit Jahren Beschwerden. Unsere Warnungen tragen nun Früchte. Dass die ESMA hier nun durchgreift, um Kleinanleger zu schützen, ist aus Verbrauchersicht der richtige Schritt", sagt Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen.

Bereits die AGB benachteiligen Anleger

Viele Plattformen agieren laut Verbraucherzentrale schon in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht korrekt. Bei 24option, Anyoption, BDSwiss und Option888 fielen den Experten zahlreiche Klauseln ins Auge, die Anleger benachteiligen. Die Betreiber behalten sich im Einzelfall das Recht vor, die Handelsplattform jederzeit stillzulegen oder Kosten, Gebühren und Provisionen von Zeit zu Zeit anzupassen.

"Die Geschäftsbedingungen sind oft intransparent und vage, manchmal schlicht unrechtmäßig. Verbraucher sollen sich in einem Fall sogar verpflichten, ihre finanzielle Situation offenzulegen oder pauschal der Verwendung ihrer Daten für Werbezwecke zuzustimmen", kritisiert Verbraucherschützer Brandes. "Teilweise stellt man mit der Zustimmung zu den AGB den Plattformen eine Art Freifahrtschein aus."

Manche Verbraucher schildern sogar, dass sie nach anfänglichen Gewinnen plötzlich nur noch verloren. Eine Auszahlung von Gewinnen blieb aus, Anbieter waren von einem Tag auf den anderen nicht mehr erreichbar. Eine der auffälligen Plattformen hat zwischenzeitlich den Handel über die Webseite eingestellt und ist nicht mehr ansprechbar. Für die Auszahlung von Guthaben verweist man auf einen englisch sprachigen Kundendienst.

Lesen Sie auch: Abzocke bei Finanzwetten?

Wette ist nicht gleich Wette

Offen bleibt die Frage, ob binäre Optionen an sich ein schlechtes Produkt für Kleinanleger sind. Vielleicht stimmt das Produkt ja für risikofreudige Anleger, nur kriminelle Trader missbrauchen die Option für ihre Zwecke. Genaugenommen sollte jeder geschäftsfähige Mensch selber entscheiden dürfen, wie risikofreudig er sein Geld anlegen möchte.

Denn Wetten, das zeigt die milliardenschwere Sportwetten-Industrie, sind im Trend. "Sportwetten haben keinen finanzaufsichtlichen Bezug. Zuständig ist hier die Glücksspielaufsicht", erklärt Bafin-Sprecherin Schuchhardt. Seriöse Händler binärer Optionen möchten das Produkt retten und wünschen sich von der ESMA strenge Regularien, um verbrecherischen Anbietern einen Riegel vorzuschieben.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Ines Baur
Ines Baur
Autorin
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Ines Baur
Ines Baur
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Ines Baur
Ines Baur
E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de