Fondskosten: Hier bekommen Anleger Geld zurück

Aktien Fondskosten: Hier bekommen Anleger Geld zurück

Update: 10.01.2020
von Andreas Jalsovec
10.01.2020 Update: 10.01.2020
Auf einen Blick
  • Die Kosten können einer der größten Renditekiller bei der Geldanlage in Fonds sein. Viele Anleger kennen ihre Höhe gar nicht.

  • Einige Fondsvermittler zahlen ihren Kunden jedoch Provisionen zurück, die sie selbst von den Fondsanbietern erhalten. 

  • Anleger sollten sich vor dem Fondskauf die Gebühren auflisten lassen. Dazu sind die Anbieter nach dem Gesetz verpflichtet.
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Kaum einer kennt sie genau – und doch sind sie eines der größten Ärgernisse für Fonds-Anleger: Die Fondskosten sind oft Renditekiller bei Investmentfonds. Sie fallen selbst dann an, wenn Anleger ihre Produkte bei günstigen Fondsvermittlern im Internet kaufen. Diese verzichten zwar in der Regel auf den Ausgabeaufschlag, der beim Kauf eines Fonds fällig wird. Laufende Gebühren jedoch müssen Anleger dennoch zahlen – etwa die Verwaltungsgebühr. Davon werden unter anderem Provisionen finanziert – die sogenannten "Kick-Backs" –, die die Vermittler von den Fondsanbietern erhalten. Es gibt jedoch mittlerweile eine ganze Reihe von Vermittlern, die solche Kickback-Vergütungen an ihre Kunden zurückzahlen.

Lesen Sie auch: So prellen Schweizer Banken deutsche Kunden mit Kick-Backs

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
ABAKUS New Growth Stocks
LU0418573316
16,22%
2.
Fundsmith Equity Fund Sicav T Acc EUR
LU0690375182
15,90%
3.
MSIF Global Opportunity AH EUR
LU0552385618
15,49%
Laufzeit: 5 Jahre

Rückzahlung oft abhängig vom Anlagevolumen

So wirbt etwa der Internet-Fondsvermittler Envestor damit, dass seine Kunden bis zu 70 Prozent der Vertriebsprovisionen zurückerhalten können. Das gilt aber nur dann, wenn die Anleger auf die Beratung beim Fondskauf verzichten und stattdessen selbst entscheiden, in welches Produkt sie ihr Geld stecken. Andere Fondsvermittler geben ebenfalls Kick-Back-Zahlungen an die Anleger zurück. So zahlt der Berliner Fondsvermittler Profinance an Kunden mit einem Fondsvolumen von mehr als 10.000 Euro eine Treueprämie aus. Dadurch würden etwa zwei Drittel der Bestandsprovisionen, die der Anbieter erhält, an die Kunden weitergegeben, heißt es auf der Homepage von Profinance. Der Fondsvermittler AAV zahlt in seinem "Alphatarif" nach eigenen Angaben 80 Prozent der Provisionen an Kunden, die auf Beratung und Betreuung verzichten.

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Auch Kunden von "Fonds-for-less" und "Fondsdiscountbroker" können Kick-Back-Zahlungen erstattet bekommen. Ihre Depots müssen dabei – wie bei Profinance –eine bestimmte Größe aufweisen: bei Fonds-for-less sind es mindestens 25.000 Euro, bei Fondsdiscountbroker mindestens 10.000 Euro. Der Berliner Anbieter Rentablo wirbt mit zwei sogenannten "Cashback"-Angeboten. Bei der Variante "50" erhalten Sparer die Hälfte der Bestandsprovision zurück. Ein Mindestanlagevolumen ist dabei nicht nötig. Bei der Variante "100" bekommt man die gesamte Bestandsprovision erstattet – muss dafür allerdings eine monatliche Verwaltungsgebühr von 15 Euro zahlen. Das lohnt sich nach Angaben des Fondsvermittlers erst ab einem Anlagevolumen von 75.000 Euro. Dabei prüfe man jeweils quartalsweise rückwirkend, welches Modell sich für den Kunden besser rechne, sagt Geschäftsführer André Rabenstein. Damit sei sichergestellt, dass die Kunden "niemals mehr zahlen, als sie von uns erstattet bekommen".

Anleger profitieren vom Zinseszins-Effekt

Bei einigen Anbietern kann man dabei mit einem Rechner ermitteln, wie viel Geld man durch die Rückzahlungen bei jedem Fonds sparen kann. Die Bestandsprovisionen, die die einzelnen Fondsanbieter an die Vermittler zahlen, unterscheiden sich nämlich je nach Fondsanbieter – und nach Vermittler. So weist der Rechner von Rentablo etwa für den Fonds DWS Top Dividende eine Bestandsprovision von 0,57 Prozent im Jahr aus. Beim Rechner des Anbieters Fonds-for-less sind es 0,48 Prozent. Bei einer vollständigen Rückzahlung der Provisionen spart man daher je Anlagevolumen von 10.000 Euro 57 Euro beziehungsweise 48 Euro an jährlichen Gebühren.

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Die Rückzahlungen sind vorteilhaft für die Anleger. Das Geld vermehrt das Fondsvermögen und erhöht so den Zinseszins-Effekt der Anlage. Anlegern sollte allerdings bewusst sein: Auch wenn die Anbieter Provisionen zurückzahlen – Gebühren verlangen sie immer noch. Vor dem Kauf eines Fonds sollte man daher stets auf einer detaillierten Kostenaufstellung bestehen. Dazu sind die Anbieter verpflichtet.

Viele verschiedene Kostenarten

Tatsächlich sind die Kosten, die bei der Fondsanlage anfallen, trotz verbesserter gesetzlicher Regelungen noch immer alles andere als transparent. Dies gilt insbesondere für gemanagte Fonds, deren Aktienauswahl von einem Fondsmanager getroffen wird. Hauptgrund dafür sind unterschiedliche Kostenarten: Sie stellen meist eine Ansammlung von fixen und variablen sowie wiederkehrenden und nicht-wiederkehrenden Gebühren dar. Außerdem sind bestimmte Kosten bereits in der ausgewiesenen Rendite eingepreist, andere nicht. Deutlich übersichtlicher gestalten sich die Kosten in der Regel bei sogenannten passiven Fonds, wie etwa börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Diese weisen meist deutlich geringere Kosten auf.

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Eine Übersicht der verschiedenen Kostenquellen bei der Fondsanlage:

Ausgabeaufschlag: Diese Gebühr wird einmalig beim Kauf eines gemanagten Fonds erhoben. Sie beträgt bei Aktienfonds oft zwischen vier und sechs Prozent. Der Ausgabeaufschlag wird gerne als Entgelt für die Beratung des Kunden ausgegeben. Fondsvermittler im Internet verzichten oft auf den Aufschlag. Wer seinen Fonds in einer Filialbank kauft, kann durchaus versuchen, über den Aufschlag zu verhandeln. Bei ETFs fallen in der Regel keine Ausgabeaufschläge an.

Laufende Kosten: Sie umfassen die Management- oder Verwaltungsgebühren, die von der Fondsgesellschaft erhoben werden. Diese sind in der Regel bereits in der Wertentwicklung des Fonds eingepreist. Die laufenden Kosten betragen bei Aktienfonds meist zwischen 1,5 und 2,5 Prozent pro Jahr. Bei ETFs liegen sie oft deutlich unter einem Prozent. Ebenfalls in den laufenden Kosten enthalten sind die Depotbank- sowie die Servicegebühren der Fondsgesellschaft. Auch die Bestandprovisionen, die jährlich von der Fondsgesellschaft an die Vermittler für deren Betreuung der Kunden fließen, gehören dazu.

Transaktionskosten: Transaktionskosten werden von den Anbietern für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren innerhalb des Fonds erhoben. Sie hängen daher davon ab, wie oft das Fondsmanagement Wertpapiere handelt. In den laufenden Kosten, die im Fondsprospekt ausgewiesen werden, sind die Transaktionskosten nicht enthalten. Anleger finden sie im Jahresbericht für den Fonds.

Depotkosten: Diese werden meist jährlich von dem Geldinstitut erhoben, bei dem das jeweilige Finanzprodukt verwahrt wird. Sie werden oft auch dann fällig, wenn die Institute eine Bestandsprovision vom Fondsanbieter erhalten. Die Depotgebühr steigt in der Regel mit dem Anlagebetrag. Bei Direktbanken entfällt die Gebühr oft.

Erfolgsgebühr: Die "Performance Fee" ist eine erfolgsabhängige Vergütung. Sie wird am Ende eines Geschäftsjahres berechnet. Ihre Höhe orientiert sich an der erzielten Rendite des Fonds. Für Fonds, die in Deutschland aufgelegt wurden, gibt es dabei verpflichtende Regeln, wie die Erfolgsgebühr zu gestalten ist. Fonds aus Luxemburg etwa werden dadurch jedoch nicht erfasst. Die Erfolgsgebühr kann Gesamtkosten eines Investments deutlich erhöhen.

Biallo-Tipp

Wer seine Geldanlage nicht selbst gestalten will oder kann, für den sind sogenannte Robo-Advisor eine geeignete Alternative. Hier gibt es Vermögensverwaltung, Depotführung, Transaktions- und Fondskosten bereits für unter einem Prozent des Anlagevolumens. Mehr dazu im Ratgeber Robo-Advisor.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de