Geldanlage: Frauen sind anders, Männer auch

Finanzstudie Geldanlage: Frauen sind anders, Männer auch

Ines Baur
von Ines Baur
30.10.2017
Auf einen Blick
  • Weibliche Intuition und männliche Risikobereitschaft – wer legt wie sein Geld an?

  • Bei den Anlagestrategien gibt es relevante Unterschiede. Frauen investieren öfter in sichere Anlagen, Männer sind risikobereiter. 
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Sicherheit vor Profit - das ist das Ergebnis der Auswertung zum Spar- und Anlageverhalten der Deutschen. Rund 1.800 Männer und Frauen ab 20 Jahren befragte die Deutsche Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag von J.P. Morgan Asset Management zu Risikobereitschaft, finanziellen Investitionen und regelmäßigen Erträgen. Dabei kam heraus, dass Frauen bei der Geldanlage wesentlich vorsichtiger sind als Männer. 54 Prozent der Frauen ist es wesentlich wichtiger, ihr Kapital zu erhalten als zu vermehren. Sicherheit und tägliche Verfügbarkeit stehen vor einem Mehrertrag. Bei den Männer sind es 43 Prozent.

Sicherheit contra Ertrag

Viel weibliches Geld fließt auf sichere Anlagen wie das Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld. 55 Prozent der Teilnehmerinnen packen ihr Geld auf das renditeschwache Sparbuch. Was sie dabei nicht beachten: Ihr Erspartes vermehrt sich nicht, sondern schmilzt langsam dahin wie ein Eisberg in der Sonne.

"Es ist bemerkenswert, dass so viele Frauen für die – vermeintliche – Sicherheit klassischer Sparanlagen auf Rendite verzichten, denn im anhaltenden Niedrigzinsumfeld bleiben Anlageziele damit unerreichbar." sagt Pia Bradtmöller, Leiterin Marketing und PR bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. "Auch findet der Kapitalerhalt nur auf dem Papier statt, denn wenn die Inflation höher ist als die Zinsen, verliert das Ersparte sogar an Wert".

Eine einfache Rechnung zeigt, was netto - also real - vom Gewinn übrig bleibt. Der Einfachheit halber rechnen wir mit einer Verzinsung von einem Prozent - und das ist sehr hochgegriffen!

Zins1,00 Prozent
Minus Abgeltungssteuer0,25 Prozent (25 Prozent vom Zinsertrag)
Minus Inflationsrate1,50 Prozent (Prognose 2017)
GewinnMinus 0,75 Prozent

Wer dagegen ein bisschen Risiko nicht scheut, kann sein Vermögen langsam aber stetig steigern. Dazu müssen Frauen nicht zur Börsenspezialistin oder Brokerin avancieren. Es gibt mehrere Möglichkeiten. Eine wäre, in Fonds zu investieren: Breit streuen, Dividenden bekommen und Risiken schmälern.   

Aktien, Fonds und Anleihen – das Buch mit sieben Siegeln

Alte Hasen an der Börse wissen: Risiko und Rendite gehören zusammen. Eine höhere Chance auf Rendite geht immer einher mit einem höheren Risiko. Und Risiko Bereitschaft ist keine weibliche Eigenheit. 13 Prozent der Frauen besitzen Wertpapiere, von diesem Portfolio wiederum sind neun Prozent Fonds. Bei Männern sind es mit 18 Prozent doppelt so viele Fonds am Depot – aber immer noch recht wenig.

Ein Grund: Mit Wertpapieren kennen sich die meisten Deutschen nicht aus. 54 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer gaben an, das Thema Wertpapiere nicht zu verstehen. Und darum investieren sie nicht in diese Anlageform. Denn wer setzt schon auf ein Pferd, das er nicht kennt?

Bleibt bei der großen Unzufriedenheit über geringe Kapitalerträge die Frage: Warum informieren sich die Anleger nicht über Aktien, Fonds oder Anleihen? "Wer weiß, dass Aktien und Anleihen kein kompliziertes Finanzprodukt, sondern Anlagen in Wirtschaftsunternehmen sind, die regelmäßige Erträge unabhängig vom aktuellen Kapitalmarktumfeld ausschütten, kann den Schwankungen an den Börsen viel gelassener entgegensehen, denn die Ausschüttungen wirken wie ein ‚Puffer‘", erläutert Bradtmöller.

Mit Aktien, Fonds und Anleihen bekommt der Anleger  regelmäßige Erträge. Dividenden werden in der Regel unabhängig von Schwankungen an der Börse ausgezahlt. Nicht zu vergessen: Anleger können durch Kurssteigerungen Gewinne erzielen. 

Lesen Sie auch: Rekordausschüttung bei Dividendenfonds

Ein kleiner Schritt für die Anlage, ein großer für das Konto

"Leider gehören vor allem Frauen, die ihr Geld aus Angst vor Schwankungen auf dem Sparbuch liegen lassen oder aus Unerfahrenheit vor einem Investment am Kapitalmarkt zurückschrecken, zu den großen Verlierern der Niedrigzinsphase", stellt Pia Bradtmöller fest. "Dabei lohnt es sich, auch nur einen Teil des brach liegenden Geldes aktiv für sich arbeiten zu lassen und damit auch den Grundstein für eine bessere Altersabsicherung oder zur Erfüllung von mittelfristigen Anlagezielen zu legen."

Sparerinnen – und natürlich auch Sparer –, die etwas wagen möchten, bieten sich aktiv verwaltete, flexible Mischfonds an. "Die Mischfonds bauen eine bequeme Brücke zum Kapitalmarkt, denn sie nehmen die ‚Arbeit’ der Geldanlage ab. Sie bieten auch für weniger risikofreudige Anleger schon mit kleinen Anlagebeträgen eine breit gestreute – und damit weniger schwankungsanfällige – Lösung", so Pia Bradtmöller.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
Frankfurter - Value Focus Fd. P
LU0399928414
13,33%
2.
FU - Multi Asset Fonds P
LU0368998240
11,88%
3.
LOYS Global MH B EUR
DE000A0H08U6
11,42%
Laufzeit: 5 Jahre

Woodhull, Clafin & Co.

Dass es sich lohnt ein Risiko einzugehen und Frauen sehr erfolgreich an der Börse sein können, zeigte schon Victoria Woodhull. Journalistin, Frauenrechtlerin, Börsenmaklerin und erste Frau, die für die US-Präsidentschaft kandidierte. Sie eröffnete im Januar 1870 mit ihrer Schwester Tennessee Claflin das erste von Frauen geführte Maklerbüro an der Wall Street: Woodhull, Claflin & Co. Die beiden Unternehmerinnen waren außerordentlich erfolgreich und erwirtschafteten ansehnliche Gewinne.

Ihr Klientel waren vor allem betuchte Frauen, aber auch Männer. Die männlichen Broker und Finanzdienstleister beobachteten ihre weiblichen Kollegen anfangs eher skeptisch, doch im Großen und Ganzen waren die Reaktionen positiv. Die damalige Klatschpresse berichtete nur allzu gern über die beiden Schwestern, die mit kurzen Haaren und männlichen Kleidungsstücken auftraten und mit professionellen Aussagen zum Börsengeschäft glänzten.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de