Goldminen-Aktien: Experten sehen attraktives Chance-Risiko-Profil

Edelmetalle Goldminen-Aktien: Experten sehen attraktives Chance-Risiko-Profil

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
24.09.2018
Auf einen Blick
  • Nicht nur der Goldpreis stand in den vergangenen Wochen gehörig unter Druck, sondern auch Goldminen-Aktien.

  • Goldminen-Experten sehen attraktive Einstiegs-Chancen. 

  • Wer keinerlei Erfahrung mit Goldminen-Aktien hat, sollte auf Fonds setzten und nicht in Einzeltitel investieren.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Täglich grüßt die Apokalypse. Es vergeht kein Tag mehr, an dem nicht auf den einschlägigen Titelseiten der nächste Jahrhundert-Crash herbeigeschrieben wird. Während sich einige Analysten und Kommentatoren mit ihren Endzeit-Nachrichten überbieten, lässt dieses Umfeld Anleger bislang kalt – was sich auch im aktuellen Goldpreis widerspiegelt.

Nachdem der Goldpreis zwischenzeitlich Mitte August unter 1.175 US-Dollar gefallen war, hat sich der Preis zumindest jetzt um die Marke von 1.200 US-Dollar stabilisiert. Aber nicht nur der Goldpreis stand in den vergangenen Wochen unter Druck, sondern auch die Kurse der Edelmetallaktien. Ein aussagekräftiges Indiz dafür ist der sogenannte NYSE Arca Gold Bugs Index.

Lesen Sie auch: Rohstoff-Guru Weinberg: Goldpreis vor nächstem Kursschub

Für weitere Beiträge rund um das Thema Gold abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Hui-Index schwächelt

Der NYSE Arca Gold Bugs Index, auch als Hui-Index bekannt, ist ein in US-Dollar gehandelter Aktienindex, der die weltweit größten internationalen Goldproduzenten umfasst. Der Index markierte am 11. September ein Zweieinhalb-Jahres-Tief bei 131 Punkten. Zum Vergleich: Ende Januar lag der Kurs noch bei fast 210 Punkten. Angesichts dieser Zahlen fragen sich viele Anleger nun: Ist jetzt der Zeitpunkt für einen Einstieg in Goldminenaktien gekommen oder testet der Index womöglich noch das Tief von Anfang 2016 bei rund 100 Punkten?

"Ich kann mir neue Tiefkurse derzeit schwer vorstellen, vor allem weil wir am Terminmarkt aktuell die beste Positionierung seit 17 Jahren vorfinden", sagt Ronald-Peter Stöferle, Analyst und Fondsmanager beim Liechtensteiner Vermögensverwalter Incrementum. Der Goldminenexperte hält das Chancen-Risiko-Profil derzeit für attraktiv. Im Gegensatz dazu möchte Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, sich zu keiner Prognose hinreißen lassen: "Leider haben wir keine Kristallkugel."

Niedriger Goldpreis ist Gift für Goldminen

Solange der Goldpreis keine positiven Signale sendet, wird es auch keinen nachhaltigen Aufschwung bei den Goldminenaktien geben. Denn sinkt der Edelmetallpreis auf eine gewisse Grenze, können Goldproduzenten kaum noch profitabel wirtschaften. Experten sprechen dabei von den sogenannten All-In-Sustaining-Cash-Costs, sprich die Gesamtkosten, die benötigt werden, um eine Feinunze Gold zu fördern. Diese seien laut Stöferle in den vergangenen Jahren stark gestiegen und lagen Ende 2017 im Schnitt bei etwa 900 US-Dollar.

"Circa 48 Prozent der All-In-Sustaining-Cash-Costs hängen direkt am Goldpreis", erklärt Stöferle. So hätten die steigenden Ölpreise sowie der fallende Goldpreis an den Unternehmens-Margen genagt.

Ein bestimmtes Limit, bei der sich die Goldproduktion nicht mehr lohnen würde, sieht der Experte allerdings nicht: "Eine natürliche Untergrenze gibt es eigentlich nicht, auch wenn viele Kollegen meinen, dass die Produktionskosten eine Untergrenze für den Goldpreis sind." Schließlich gebe es auch viele Minen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und für 400 oder 500 Euro pro Feinunze produzieren können.

Goldminen-Aktien sind nichts für schwache Nerven

Wie sich der Goldpreis auch entwickeln wird, eines steht fest: Goldminen-Aktien sind hochvolatil. "Die Daumenregel besagt, dass Minenwerte zum Goldpreis einen Faktor von drei nach oben, aber auch nach unten haben", erklärt Stöferle. "Wenn sich der Goldpreis um zehn Prozent entwickelt, dann sind es bei den Minenaktien 30 Prozent oder auch mehr."

Grundsätzlich sind Investments in Einzeltitel, das sogenannte Stock Picking, für Einsteiger nicht zu empfehlen. Denn jeder, der eine Aktie kauft, geht ein unternehmerisches Risiko ein, das Laien schwer durchblicken können. Zudem hängt die Wertentwicklung einer Gold-Aktie laut Stöferle nicht nur vom Goldpreis ab, sondern von weiteren wirtschaftlichen und politischen Risiken, denen das Unternehmen ausgesetzt ist. Im schlimmsten Fall droht die Pleite und dem Anleger der Totalverlust. "Wer noch völlig unbedarft an das Thema herangeht, für den bieten sich Fonds an", rät der Experte.

Lesen Sie auch: Zeit für Goldminen-Aktien?

Aktive Fonds oder ETFs?

Mit einem Fonds wird das Vermögen breit gestreut, also in Aktien unterschiedlichster Unternehmen investiert. Zudem profitieren Anleger vom Know-how des Fondsmanagements. Das mindert deutlich die Risiken. Auf der anderen Seite gibt es auch ETFs, wie etwa den Comstage NYSE Arca Gold Bugs Ucits ETF (Isin:LU0488317701), den VanEck Vectors Gold Miners ETF (Isin: US92189F1066) oder den L&G Gold Mining UCITS ETF USD Acc. ETF (Isin: DE000A0Q8NC8).

"Man muss da einfach abwägen, ob man wirklich einem aktiven Manager das Vertrauen schenkt – und da gibt es einige, die den Gesamtmarkt nachhaltig outperformen – oder auf passive Instrumente setzt", so Stöferle. "Natürlich sind die Kosten bei Letzteren deutlich geringer. Aber bei einer Assetklasse, die so hochvolatil ist wie der Minensektor, sind die Management Fees eher ein geringer Faktor."

Bei Einzeltiteln hält der Goldexperte die Aktien von Agnico Eagle (Isin: CA0084741085), Franco Nevada (Isin: CA3518581051 ) und Kirkland Lake (Isin: CA49741E1007) für aussichtsreich.

Was sollte der unerfahrene Anleger beachten, wenn er in Goldminen investieren will? "Grundsätzlich sollte er sich klarmachen, dass Goldminen-Aktien kein Ersatz für Gold sind", sagt Experte Vorndran. Der Anleger müsse sich wie bei allen Wertpapieren auch mit den Unternehmensrisiken beschäftigen. "Anleger kommen nicht umhin, sich sehr genau die Bilanz eines Unternehmens anzuschauen. Und natürlich auch das Management."

Biallo-Tipp

Gold gehört als Inflations- und Krisenschutz in jedes gut diversifizierte Depot. Biallo.de empfiehlt je nach Risikoneigung eine Beimischung von physischem Gold in Höhe von fünf bis zehn Prozent. Als Hebel auf den Goldpreis eignen sich auch Aktien von Silber- und Goldminenunternehmen. Allerdings ist hier das Risiko auch viel höher. Vor allem vor den sogenannten "Hot Stocks", die in diversen Börsenforen und Newslettern empfohlen werden, sollten Sie sich hüten. Wenn überhaupt, dann sollten Sie nur die Big Player auswählen und nicht das Risiko mit kleinen Explorationsfirmen eingehen. 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Kevin Schwarzinger
Kevin Schwarzinger
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Kevin Schwarzinger
Kevin Schwarzinger

Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Kevin Schwarzinger
Kevin Schwarzinger

Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de