Goldpreis 2019: Stöferle und Weinberg sehen weiteres Kurspotenzial

Edelmetalle Goldpreis 2019: Stöferle und Weinberg sehen weiteres Kurspotenzial

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
06.02.2019
Auf einen Blick
  • Seit Anfang Oktober 2018 beobachten Experten eine Trendwende beim Goldpreis. So stieg der Preis des Edelmetalls innerhalb von vier Monaten um rund zwölf Prozent.

  • Anleger dürfen sich Hoffnungen auf einen weiteren Preisanstieg machen. Dabei bieten vor allem Minenaktien laut Experten attraktive Einstiegs-Chancen.

  • Allerdings sollten Anleger die spezifischen Risiken bei einem Investment in Goldminen nicht außer Acht lassen.
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Aller Krisen im vergangenen Jahr zum Trotz schien es, als wollte der Goldpreis nicht so richtig in die Gänge kommen. Doch seit Anfang Oktober 2018 setzte die Trendwende ein und der Goldpreis nahm ordentlich Fahrt auf, bis er schließlich im Januar dieses Jahres die psychologisch wichtige Marke von 1.300 US-Dollar knackte. Macht ein Plus von rund zwölf Prozent in nicht einmal vier Monaten.

"So schlecht war die Goldperformance eigentlich nicht im vergangenen Jahr", erklärt Ronald-Peter Stöferle, Analyst und Fondsmanager beim Liechtensteiner Vermögensverwalter Incrementum. "Wir haben praktisch in jeder Währung außer im US-Dollar Zuwächse gesehen. Im Euroraum gab es ein Plus von drei Prozent." Zum Vergleich: Auf Dollar-Basis betrugen die Verluste knapp zwei Prozent.

Lesen Sie auch: Goldexperte Stöferle – "Aus monetärer Sicht ist Gold sehr günstig"

Auch Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank, zieht eine positive Bilanz für 2018. So habe sich Gold besser gehalten als etwa Aktien. Zum Vergleich: Beim deutschen Leitindex Dax stand zum Jahresende ein Minus von gut 18 Prozent zu Buche.

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Monetärer Kurswechsel lässt Goldpreis steigen

Der jüngste Preistreiber beim Gold ist für viele Experten die Wende in der Geldpolitik der US-Notenbank Fed. "Im Zuge der doch relativ starken Korrektur hat Jerome Powell, der Vorsitzende der Federal Reserve Bank, seinen Kurs radikal geändert, sodass jetzt für 2019 keine Zinserhöhungen mehr erwartet werden", erklärt Stöferle. Für kommendes Jahr sei sogar eine Zinssenkung im Bereich des Möglichen.

Doch nicht nur der monetäre Kurswechsel der US-Notenbanker treibt derzeit den Goldpreis in die Höhe. Auch im Reich der Mitte scheint eine geldpolitische Lockerung stattzufinden. "Die chinesische Notenbank hat die Mindestreserven an Liquidität, die Banken bei ihr anlegen müssen, gesenkt. Außerdem hat die Führung in Peking die Senkung von Steuer- und Sozialversicherungsbeiträgen angekündigt", so der Goldexperte von Incrementum.

Mit diesen Maßnahmen stemme sich China gegen einen drohenden Konjunktureinbruch. "So sind beispielsweise zum ersten Mal seit knapp 20 Jahren die Autoverkäufe in China rückläufig."

Weltweite Goldnachfrage um vier Prozent gestiegen

Für ebenfalls positive Stimmung hat eine jüngste Meldung des Branchenverbandes World Gold Council gesorgt. So sei die weltweite Goldnachfrage im vergangenen Jahr um vier Prozent gestiegen.

Vor allem die Zentralbanken hätten in 2018 Rekordnettokäufe von 651 Tonnen Gold getätigt. "Prinzipiell sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, denn gerade die darin enthaltenen Daten aus China und Russland sind nicht über jeden Zweifel erhaben", erklärt Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer der Stabilitas GmbH.

Auch für Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel, berge die Nachfrageentwicklung "keine verlässliche Indikation für die künftige Goldmarktentwicklung". Allerdings seien erste Anzeichen einer Stabilisierung der Nachfragekomponenten erkennbar.

Lesen Sie auch das Interview mit Thorsten Polleit: "Gold ist eine Währung"

Kriselnde Aktienmärkte treiben Anleger in Gold

Als Ende des Jahres 2018 die Nervosität an die Aktienmärkte zurückkehrte, hat das dem Goldpreis neuen Auftrieb gegeben. "Das ist auch die Erklärung für den Anstieg im vierten Quartal 2018, weil genau zu diesem Zeitpunkt gerieten die Aktienmärkte unter Druck. Dadurch rückte Gold als sicherer Hafen wieder vermehrt in den Fokus der Anleger und dementsprechend ist der Preis auch gestiegen", sagt Rohstoffanalyst Weinberg. Darauf sei Gold seiner Rolle als krisensichere Anlage gerecht geworden.

Wie wird sich der Goldpreis in 2019 entwickeln?

Italienkrise, Handelskrieg und drohender Brexit – an geopolitischen Krisenherden mangelt es derzeit nicht. Angesichts dieser Schreckensszenarien fragen sich Anleger nun, ob sich ein Einstieg in das Edelmetall lohnt.

"Ich denke, dass wir vor einer Renaissance des Goldes stehen. Ich merke auch, dass das Interesse langsam wieder steigt – seitens der Medien aber auch der institutionellen Kunden. Letztes Jahr hat so ziemlich jede Asset-Klasse verloren. Nicht nur Aktien, sondern eben auch Anleihen", sagt Stöferle. Gold stehe wieder vermehrt im Fokus der Großinvestoren. "Einen Goldpreis zwischen 1.400 bis 1.500 US-Dollar halte ich daher auf Jahressicht realistisch."

Eugen Weinberg rechnet ebenfalls mit einer Preissteigerung in den kommenden zwölf Monaten: "Der Goldpreis liegt aktuell bei etwas über 1.300 US-Dollar. Das ist schonmal ein vergleichsweise hohes Niveau, wenn man bedenkt, wie es vor einem Jahr ausgesehen hat. Wir sehen hier durchaus Chancen, dass der Goldpreis Richtung 1.400 US-Dollar je Feinunze steigen wird."

Lesen Sie auch: Bärenmarkt im Dax – Sichere Geldanlagen wieder gefragt

Es gibt nicht "das richtige" Goldinvestment

Da sich Gold nun wieder im Aufwind befindet, fragen sich natürlich viele Anleger, wie sie am besten partizipieren können – Goldbarren, Münzen oder Goldfonds beziehungsweise Goldaktien? "Es kommt bei einem Goldinvestment in erster Linie auf die Motivation an. Wer auf eine monetäre Absicherung gegen Extremszenarien sucht, sollte auf physisches Gold setzten – in Form von Barren und Münzen", rät Goldexperte Stöferle.

Wer sich hingegen nicht absichern, sondern vielmehr auf einen steigenden Goldpreis spekulieren möchte, für den bieten sich Minenaktien an. Zwar gebe es bei Minenaktien ganz spezifische Risiken, wie unternehmerische, politische und geologische Risiken, dennoch sieht der Experte bei den Minenpapieren "eine sehr positive Entwicklung". Daher habe man im hauseigenen Gold-Fonds –Incrementum-Physical-Gold-Fund – massiv Minenaktien zugekauft. Grund für die erfreuliche Entwicklung sei unter anderem der gesunkene Ölpreis, was die Goldförderung verbilligt.

Lesen Sie auch: Goldminenaktien – Experten sehen attraktives Chance-Risiko-Profil

"Man darf nicht vergessen: Die Energiepreise machen circa 54 Prozent der Gesamtkosten aus", so Stöferle. Der Hebeleffekt auf einen steigenden Goldpreis sei demnach "so hoch wie noch nie zuvor". Würde sich der Goldpreis tatsächlich im laufenden Jahr bei 1.400 oder 1.500 US-Dollar einpendeln, geht Stöferle davon aus, dass sich zahlreiche Unternehmen im Wert verdoppeln.

Biallo-Tipp

Gold gehört als Inflations- und Krisenschutz in jedes gut diversifizierte Depot. Biallo.de empfiehlt je nach Risikoneigung eine Beimischung von physischem Gold in Höhe von fünf bis zehn Prozent. Als Hebel auf den Goldpreis eignen sich auch Aktien von Silber- und Goldminenunternehmen. Allerdings ist hier das Risiko auch viel höher. Vor allem vor den sogenannten "Hot Stocks", die in diversen Börsenforen und Newslettern empfohlen werden, sollten Sie sich hüten. Wenn überhaupt, dann sollten Sie nur die Big Player auswählen und nicht das Risiko mit kleinen Explorationsfirmen eingehen.

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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