Edelmetalle

Goldpreis: Vieles spricht für weiteren Anstieg

15.11.2019
Auf einen Blick
  • Der Goldkurs dürfte hoch bleiben. Gründe dafür sind niedrige Zinsen, nachlassende Konjunktur und der US-Handelskonflikt.

  • Großanleger kaufen verstärkt börsengehandelte Indexfonds auf den Goldpreis. Sie sichern damit ihre Aktienrisiken ab.

  • Auch Privatanleger können Goldkäufe in Betracht ziehen. Das Edelmetall sollte aber nur einen geringen Anteil des Anlagevermögens ausmachen.
Gestapelte Goldmünzen: Die Nachfrage nach physischem Gold ist weltweit zuletzt zurückgegangen. Die Deutschen allerdings kaufen weiterhin fleißig Münzen und Barren.
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Dominik Lochmann sieht dem Jahresende jetzt schon mit Vorfreude entgegen. "Das Jahr 2019 wird sicherlich für jeden deutschen Edelmetallhändler und jede Edelmetall-Handelsabteilung der Banken ein Rekordjahr werden", meint der Gold-Experte. Lochmann ist Geschäftsführer der ESG Edelmetall-Service. Die Firma aus dem badischen Rheinstetten recycelt goldhaltige Gegenstände und fertigt daraus Goldbarren und -münzen. Auch für Lochmann und sein Unternehmen dürfte die Bilanz am Ende dieses Jahres daher recht erfreulich ausfallen.

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Dass Goldhändler in diesem Jahr Rekordumsätze verzeichnen, liegt an der Kursentwicklung für das Edelmetall. Seit Anfang des Jahres ist der Preis für eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) um fast zwanzig Prozent gestiegen. Zuletzt lag er bei mehr als 1300 Euro - das ist so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr. Im September war der Preis sogar über 1400 Euro geklettert.

Hauptgrund für den Preisanstieg sind die weltweit niedrigen Zinsen. Andere Anlageformen wie etwa Anleihen sind deshalb zurzeit wenig attraktiv. Und das dürfte auch so bleiben. Denn wegen der sich weltweit abschwächenden Konjunktur wollen sowohl die amerikanische Notenbank Fed als auch die Europäischer Zentralbank an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten. Hinzu kommt das anhaltende Risiko eines sich verschärfenden Handelskonflikts zwischen den USA und China. Die Unsicherheit, wie es dort weitergeht, treibt viele Investoren in den "sicheren Hafen" Gold.

Rechner topfondsanr
3
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
GR Dynamik
DE000A0H0W99
22,30%
Zum Chart
2.
Bakersteel Gl. Fd. S. -Electrum Fd. A2 EUR
LU0229009351
20,48%
Zum Chart
3.
Earth Exploration Fund UI EUR R
DE000A0J3UF6
10,77%
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre

Großanleger investieren in Gold-Indexfonds

So setzen auch Großanleger mittlerweile verstärkt auf das Edelmetall. Das zeigen jüngste Daten des World Gold Council (WGC), der die Entwicklung auf den Goldmärkten weltweit beobachtet. Demnach halten Investoren derzeit so viel Gold wie nie zuvor über börsengehandelte Indexfonds. Solche Fonds zeichnen in ihrer Wertentwicklung die Entwicklung des Goldpreises nach. Sie werden wie Aktien oder andere Wertpapiere an der Börse gehandelt. Um sie zu besichern, kauft der Emittent des Fonds Goldbarren und verwahrt sie in einer Bank. Die Menge dieses Sicherungs-Goldes liegt laut WGC derzeit bei 2855 Tonnen - ein Rekordwert.

Mit den Käufen schützen die Investoren unter anderem ihr Portfolio gegen Aktienmarktrisiken. Gold ersetzt damit zunehmend die klassische Absicherung durch Anleihen. Goldhändler Dominik Lochmann beobachtet eine ähnliche Entwicklung. So investierten etwa die Verwalter großer Familienvermögen aber auch Firmen verstärkt in Gold: "Zum einen aus Investmentgründen wie Diversifizierung und Absicherung. Zum anderen aber auch aus Mangel an Anlagealternativen - und aus Angst vor Minuszinsen auf Bankguthaben", erläutert Lochmann.

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Im Gegensatz zur Entwicklung bei börsengehandelten Goldfonds ging nach Angaben des WGC die Nachfrage nach physischem Gold zuletzt allerdings weltweit zurück. So seien deutlich weniger Goldbarren und -münzen gekauft worden. Auch die Schmuckkäufe in Ländern wie China oder Indien sanken. Grund dafür ist laut WGC der hohe Preis des Edelmetalls: Viele Käufer hielten sich deswegen zurück. In den nächsten Wochen jedoch könnte sich das wieder ändern. In Indien läuft in den letzten beiden Monaten des Jahres die Hochzeitssaison, bei der üblicherweise großzügige Goldgeschenke verteilt werden. Daher ziehen die Goldkäufe in dem Land in diesen Monaten meist an.

Deutsche Privatanleger weiter in Kauflaune

In Deutschland ist von einem Rückgang der Käufe ohnehin wenig zu spüren. Es habe zuletzt sogar Lieferengpässe wegen der hohen Nachfrage nach Barren und Münzen gegeben, heißt es beim Goldhändler Degussa. Und auch Dominik Lochmann bestätigt für sein Handelshaus eine sehr hohe Nachfrage: "Die Gewinnmitnahmen sind bereits durch. Aktuell wird wieder deutlich mehr Edelmetall gekauft als verkauft."

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Hinzu kommt: Auch die Notenbanken sind verstärkt auf dem Goldmarkt aktiv und stocken ihre Reserven auf. So legten sie sich laut WGC weltweit in diesem Jahr bereits knapp 550 Tonnen Gold in die Tresore - zwölf Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Alleine die türkische Zentralbank kaufte im dritten Quartal 2019 rund 70 Tonnen des Edelmetalls.

Goldpreis dürfte hoch bleiben

Niedrige Zinsen, weltweite Konjunkturrisiken und eine anhaltend hohe Nachfrage dürften daher auch künftig dafür sorgen, dass der Goldpreis hoch bleibt. Hinzu komme der Konflikt zwischen USA und China - und die Krisensituation im Iran, die "den Goldpreis unterstützen dürften", heißt es im jüngsten Gold-Bericht der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum. Goldhändler Dominik Lochmann sieht es ähnlich: "Langfristig sehe ich steigende Kurse, da unter anderem wegen der Negativzinsen die Anlagealternativen fehlen." Langfristig orientierten Anlegern rät er deshalb dazu, in physisches Gold zu investieren: "Aus Absicherungsgründen und um spätere Kursanstiege mitnehmen zu können."

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Das Edelmetall sollte allerdings stets nur einen Anteil von fünf bis maximal zehn Prozent des Anlagevermögens ausmachen. Schließlich ist Gold vor allem zur Absicherung extremer Risiken gedacht, etwa eines Crashs. Nicht umsonst, sagt Dominik Lochmann, sei er ein großer Fan des Sprichworts: "Kaufen Sie Gold und hoffen Sie, dass sie es nie benötigen werden."




  Andreas Jalsovec


 
 
 
 
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