Hat die Gold-Verschwörung jetzt ausgedient?

Bundesbank holt Gold heim Hat die Gold-Verschwörung jetzt ausgedient?

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
24.08.2017
Auf einen Blick
  • Die Bundesbank hat einen Teil ihrer Goldreserven aus dem Ausland früher zurückgeholt als geplant. Gut die Hälfte des Bundesbank-Goldes lagert jetzt in Frankfurt.
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Ungefähr so groß wie eine Milchtüte, 12,5 kg schwer und aktuell knapp 440.000 Euro wert – das sind die wichtigsten Kennzahlen eines Gold-Standardbarren. Knapp 54.000 Stück (674 Tonnen) hat die Bundesbank seit 2013 aus dem Ausland nach Frankfurt am Main transportiert – 300 Tonnen aus den USA und 374 Tonnen aus Frankreich. Damit wurde das Ziel, bis 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven (insgesamt 3.378 Tonnen) in heimischen Tresoren zu lagern, drei Jahre früher erreicht als geplant.

Keine weitere Verlagerung geplant

Die andere Hälfte soll weiterhin im Ausland bleiben – und zwar bei der Federal Reserve Bank in New York (36,6 Prozent = 1.236 Tonnen) und der Bank of England in London (12,8 Prozent = 432 Tonnen). Die Restbestände bei der Banque des France in Paris löste die Bundesbank in diesem Jahr auf. Als Grund führten die Währungshüter an, dass Paris Mitglied des Eurosystems und kein Goldhandelsplatz ist. Im Gegensatz dazu sei London der größte und liquideste Goldhandelsplatz der Welt und der US-Dollar nach wie vor die wichtigste internationale Reservewährung. Im Krisenfall könnten die Währungshüter also schnell einen Teil ihres Ausland-Goldes in US-Dollar tauschen.

"Wir haben jeden Barren auf Echtheit und Gewicht geprüft. Es gab keine Beanstandungen", sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Sogar für sehr alte Barren von teilweise 100 Jahren sei eine hohe Qualität nachgewiesen worden. Die Kosten für die Verlagerung inklusive Umschmelzung, die für die Feingehaltsprüfung notwendig war, bezifferte die Bundesbank auf 7,7 Millionen Euro. Wie das Gold genau über den Atlantik transportiert wurde - ob per Schiff oder Flugzeug -, dazu wollte man sich nicht äußern. 

Rufe der Gold-Verschwörer verhallen

Die Verschwörungstheoretiker wurden vorerst eines Besseren belehrt. Sie hatten in den vergangenen Jahren immer wieder behauptet, dass die deutschen Goldreserven im Ausland nicht mehr existieren würden, das Gold längst verliehen oder verkauft sei und Deutschland keinen einzigen Barren mehr zu Gesicht bekäme.

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Die Diskussion hatte der ehemalige CSU-Vize Peter Gauweiler im Mai 2012 ins Rollen gebracht. "Wo ist das Gold der Deutschen?", titelte Gauweiler damals in einem Gastkommentar der Süddeutschen Zeitung. Die Vorwürfe: Die Buchführung der Bundesbank sei nicht ordnungsgemäß, sie unterscheide nicht zwischen physischem Gold und sogenannten "Goldforderungen" und die Bestände im Ausland seien weder gezählt noch auf Echtheit geprüft worden.

Kein "Papiergold"

Die Bundesbank weist die Kritik scharf zurück: "Das sind alles physische Bestände im Ausland", sagt Bundesbank-Sprecher Peter Trautmann gegenüber biallo.de. "Es gibt keine Goldleihe bei den deutschen Goldreserven." Die Bundesbank betont auch, dass nur Zentralbanken von höchster internationaler Reputation als externe Lagerstellen fungieren – und zwar in Ländern mit stabilen demokratischen Strukturen und hohen Sicherheitsstandards.

Ob das die Gold-Verschwörer auf Dauer verstummen lässt, ist fraglich. Seit Jahrtausenden ranken sich die wildesten Verschwörungstheorien um das gelbe Edelmetall. Solange Deutschland nach den USA den zweitgrößten Goldschatz der Welt besitzt mit einem Gegenwert von 120 Milliarden Euro, wird das hierzulande wohl auch so bleiben.

Sehen Sie auch folgendes Video: "Der Goldpreis wird weiter ansteigen"

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de