Heiko Thieme vs. Roland Leuschel: Dax 14.000 oder "böses Erwachen"?

Bulle gegen Bär Heiko Thieme vs. Roland Leuschel: Dax 14.000 oder "böses Erwachen"?

Lars Becker
von Lars Becker
20.09.2018
Auf einen Blick
  • Daueroptimist Heiko Thieme hält bis zum Jahresende ein Dax-Ziel von 14.000 Punkten für möglich, wenn der Handelsstreit zwischen den USA und China gelöst wird.

  • Börsen-Bär Roland Leuschel sieht den deutschen Aktienindex auf dem Weg nach unten und empfiehlt Gold und Short-Papiere als Absicherung.
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US-Präsident Donald Trump hat gerade neue Strafzölle im Wert von 200 Milliarden Dollar auf chinesische Warenimporte verhängt. Mit Eskalationspotenzial: Zunächst werden zehn Prozent erhoben, ab Anfang 2019 sollen es 25 Prozent werden. Der Handelskonflikt verschärft sich also weiter, was auch die Aussichten für die Entwicklung des Dax Richtung Jahresende eintrübt.

Der Deutsche Aktienindex bewegt sich derzeit rund um die Marke von 12.000 Punkten und ist damit weit vom im Januar erreichten Höchststand von 13.596 Zählern entfernt. Auch seit dem Jahresstart ist der Dax gut 700 Punkte beziehungsweise rund sechs Prozent im Minus und steuert auf den ersten Jahresverlust seit sieben Jahren zu. Zum Vergleich: Der US-Leitindex Dow Jones liegt seit Jahresanfang rund sechs Prozent im Plus.

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Fundamentaldaten weiter positiv

Daueroptimist Heiko Thieme (Leitspruch: "Der Pessimist ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst") – er selbst bezeichnet sich übrigens als "rationaler Optimist" – blickt dennoch positiv Richtung Jahresende. "Wir sind zum Jahresanfang sehr schnell auf der Aktien-Achterbahn gefahren, das musste zu einer Korrektur führen. In den letzten Wochen haben neben dem Sommerloch auch geopolitische Fragezeichen wie der Handelsstreit USA-China für eine gedämpfte Stimmung gesorgt. Aber die Chinesen sind leidensfähig und der Amerikaner hat nicht die Geduld, so etwas durchzuhalten. Und vor allem stimmen die Fundamentaldaten: Das Wachstum geht weiter", sagt der 75 Jahre alte Börsen-Routinier im exklusiven Gespräch mit biallo.de.

Allerdings räumt Thieme ein, dass ein Handelskrieg das Wirtschaftswachstum einschränken könnte. Der bekennende Börsen-Bulle rechnet jedoch damit, dass sich Trump auch mit Blick auf die im November anstehenden Midterm-Wahlen mit China einigen wird: "Und dann kann der Dax bis zum Jahresende durchaus die Marke von 14.000 Punkten erreichen." Dass die nun seit fast zehn Jahren anhaltende Hausse – damit die längste aller Zeiten – schon wegen ihrer Dauer ein Ende haben muss, glaubt Thieme nicht: "Haussen und Baissen sterben nicht wegen ihrer Langlebigkeit. Es kann so lange weitergehen, wie die Fundamentaldaten stimmen. Und etwa 3,5 Prozent globales Wachstum sind ordentlich."

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Bären stehen in den Startlöchern

Thiemes Börsen-Optimismus hat sich in den Jahrzehnten seiner Arbeit überwiegend ausgezahlt: Er war mehrmals der erfolgreichste Mutual-Fondsmanager in den USA, aber auch einmal der erfolgloseste. Der Autor und Bankexperte Roland Leuschel machte sich dagegen mit der exakten Voraussage des Börsen-Crashs im Sommer 1987 als Bär einen Namen und auch jetzt warnt er vor einem drohenden Absturz.

"Wir sind an einem sehr kritischen Punkt angekommen. Wenn man alle Faktoren berücksichtigt, stehen uns sehr turbulente ein bis zwei Jahre voraus. Es wird ein böses Erwachen geben, die Einschläge kommen näher. Man weiß nie, was am Ende den Crash auslösen wird. Meistens kommt er aus einer Ecke, die niemand vermutet hat. Und wenn es zu einer Wirtschaftskrise kommt, wird diese schlimmer als 2008", sagt Leuschel im exklusiven Interview mit biallo.de.

Short-Papiere als Absicherung

Der langfristige Aufwärtstrend seit März 2009 sei charttechnisch erstmals gebrochen worden, zudem sei der Ifo-Geschäftsklima-Index auf einem Rekordhoch. "Das ist immer ein Zeichen, dass der Zustand so nicht anhalten kann. Euphorie ist nie gut für den Aktienmarkt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es in den nächsten Monaten mindestens bis auf 11.000 Punkte beim Dax heruntergeht. Eine starke Unterstützungslinie liegt dann bei etwa 10.000 Punkten."

Leuschel setzt deshalb zur Absicherung des Depots auf Short-Papiere, profitiert also von sinkenden Kursen. Besonders gefragt bei eher pessimistischen Anlegern ist zum Beispiel der Xtrackers ShortDAX Daily Swap UCITS ETF 1C.

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Weitere Informationen zu Heiko Thieme und Roland Leuschel finden Sie unter www.heiko-thieme.com und www.krisensicherinvestieren.com.

Gold als Krisenschutz

Zudem empfiehlt Leuschel die Anlage in krisensicherem Gold: "Das ist mein wichtigstes Investment. Ich kaufe nur kleine Goldbarren, keine Münzen. Die kann man im Krisenfall schnell in Geld oder Waren umtauschen." Beim Thema Aktien würde Leuschel sich in den derzeit unsicheren Zeiten erstmal an die Seitenlinie begeben und dann auf dem Tiefpunkt zuzuschlagen: "Man sollte den Markt beobachten und dann zuschlagen, wenn alle pessimistisch sind. Wenn dann der Aufschwung kommt, macht man die größten Gewinne."

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Heiko Thieme wiederum glaubt, dass die Fundamentaldaten für eine Fortsetzung des Aufschwungs sorgen werden. In den USA steige das Bruttoinlandsprodukt um drei Prozent, Europa erhole sich und auch die Abschwächung des Wachstums in China auf gut sechs Prozent sei nicht bedenklich. Gemeinsam machen diese drei Regionen etwa 80 Prozent der gesamten Weltwirtschaft aus: "Und überall wächst die Wirtschaft."

Thieme empfiehlt die Anlage in ETFs als ideale Lösung für Börsenlaien. Dort seien die Gebühren sehr gering und bei Index-ETFs habe man damit immer die am besten performenden Goldmedaillengewinner der Wirtschaft im Portfolio. Als Beispiel nennt Thieme den Austausch der Commerzbank im Dax durch Wirecard. Der Aufsteiger profitiert vom boomenden Markt der elektronischen Bezahlsysteme, der erst zu 2,5 Prozent abgedeckt ist.

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Was Heiko Thieme Anlegern empfiehlt

"Ich würde 25 Prozent in den deutschen Index investieren, 20 Prozent in einen USA-Index-ETF und bis zu fünf Prozent in China. Damit sind die Schwergewichte der Weltwirtschaft abgebildet. Von der anderen Hälfte würde ich je zehn Prozent in die Bereiche Technologie, Solar/Wind/Hydroenergie und Medizin investieren. Dazu bis zu fünf Prozent in Edelmetall-Aktien wie zum Beispiel Barrick Gold. Die restlichen 15 Prozent sollte man in Cash für Spezialsituationen bereit haben", empfiehlt Thieme.

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Aktien kaufen und Schlaftabletten nehmen – diesen Rat der Börsenlegende André Kostolany hält Thieme nicht mehr für zeitgemäß. In einer sich rasant verändernden Welt müsse man sein Anlageverhalten den Trends anpassen: "Früher hat man Aktien eines Unternehmens gekauft und konnte sie für seine Enkel liegenlassen. Heute geht das so nicht mehr", sagt Thieme.

"Die Deutsche Bank zum Beispiel war einmal die feinste Bank der Welt und was ist jetzt aus ihr geworden? Man sollte die Anlagezeiträume kürzer fassen und die Situation als Chance begreifen: Die Geschwindigkeit der Veränderung wird immer schneller. Wir leben in der interessantesten Zeit der Menschheit. Wer vor 21 Jahren zum Beispiel 1.000 Euro in eine Firma namens Amazon investiert hätte, wäre heute fast anderthalbfacher Millionär. Das ist allerdings eine Ausnahme und nicht die Regel."

Biallo-Lesetipp

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de