Ist Geldanlage Männersache?

Interview Ist Geldanlage Männersache?

Ines Baur
von Ines Baur
17.08.2018
Auf einen Blick
  • Altersarmut ist weiblich, Geldanlage ist männlich – noch. Denn das Anlegeverhalten von Frauen lässt hoffen, dass sich an den bestehenden Strukturen etwas ändert.
  • Wichtig dabei: Frauen – egal wie viel sie verdienen, wie alt sie sind oder welche finanzielle Vorbildung sie haben – sollten selbst aktiv werden.
  • Im Interview mit biallo.de erklärt Michaela Nezic, Wealth Management Beraterin bei der Commerzbank, wie Frauen bei der Geldanlage agieren, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und warum sie (noch) nicht auf dem gleichen Stand sind wie männliche Anleger.
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Frau Nezic, wo informieren sich Frauen über Anlage-Produkte?

Michaela Nezic: Frauen informieren sich zum Thema Geldanlage über ihre Bank, einen Vermögensberater, Fachzeitschriften oder im Internet.

Interessieren sich Frauen eigentlich für das Thema Geldanlage und kümmern sie sich um ihre finanziellen Angelegenheiten?

Nezic: Definitiv hängt die Aktivität der Frauen von ihrer finanziellen Vorbildung und Erfahrung ab. Eine Frau mit Finanzkenntnissen durch Studium, Schule, Beruf oder auch durch die Familie informiert sich aktiver über Geldanlagen als Frauen, die mit diesem Thema keine Berührung hatten.

Bei Frauen mit weniger Erfahrung im Umgang mit Finanzen sehen wir es als unsere Aufgabe, unsere Kundinnen über ihre finanzielle Situation und Möglichkeiten aufzuklären. Stichwort Altersvorsorge – Frauen dürfen sich nicht auf die staatliche Altersrente allein verlassen. Sie sollten nachfragen: Was bekomme ich später mal raus?

Wir als Berater unterstützen und können den Frauen helfen, zum Beispiel ihre Renteninformation anzufordern. So haben sie einen Überblick, wie es um ihre Rente überhaupt steht. Dann sucht man gemeinsam nach Lösungen, um die Rentenlücke zu schließen.

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Wenn sich eine Frau bei der Bank beraten lässt. Was ist ihr wichtig?

Nezic: Wichtig ist Frauen das persönliche Beratungsgespräch in einer angenehmen Atmosphäre und die räumliche Nähe zum Berater. Ein Gender-Unterschied ist: Männer wollen Fakten. Frauen wollen Fakten UND eine gute persönliche Betreuung durch ihren Finanzberater.

Wenn Frauen Geld anlegen, agieren sie eher aus dem Bauch heraus oder rational?

Nezic: Frauen sind weniger risikofreudig als Männer. Sie legen breit diversifiziert an. Dabei entscheiden sie sowohl nach rationalen Kriterien als auch nach ihrem Bauchgefühl. Wenn der Bauch sagt: "Irgendwas passt nicht", dann nimmt eine Frau eher Abstand von der Geldanlage. Frauen legen somit intuitiver an. Ein Mann dagegen ist mehr rational und agiert spekulativer. Aber langfristig ist eine Frau, die Geld anlegt, keinesfalls weniger erfolgreich als ein Mann.

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Was sind die größten Denkfehler der Frauen bei der Geldanlage?

Nezic: Erster Denkfehler ist, dass sie sich oft zu sehr auf ihren Partner verlassen. Nach dem Motto: Der hat schon alles fest im Griff und wird das Beste für mich tun. Und bei der Altersvorsorge verlassen sie sich auf den Staat. Aber sie müssen selbst aktiv werden!

Der zweite Denkfehler ist, dass Frauen sehr konservativ in ihren Anlageformen sind und auf Sparanlagen und Termingelder setzen. Seit vielen Jahren haben wir aber bei diesen Sparformen eine Verzinsung von Null. Damit frisst die Inflation unbemerkt jährlich das Vermögen auf und verringert die Kaufkraft. Im Klartext bedeutet das: weg vom Sparbuch, hin zu ETFs, Fonds oder Aktienanlagen. Frauen haben hier Nachholbedarf.

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Woher kommt diese geringe Risikobereitschaft?

Nezic: Aus unserer Historie heraus. Wir vergessen gerne, dass eine verheiratete Frau erst seit 1969 nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch voll geschäftsfähig ist und ein eigenes Konto eröffnen darf. Damit haben wir Frauen im Vergleich zu den Männern eine kürzere Tradition im Umgang mit Geld. Die Frauen arbeiten sich aber langsam voran und holen auf. Gerade bei der älteren Generation hat aber nach wie vor oft der Mann das finanzielle Ruder alleine in der Hand. Die Frauen haben sich ja nicht um diese Dinge gekümmert. Es findet zwar ein Wechsel hin zur weiblichen Eigenverantwortung statt, aber der dauert. Die jüngeren Generationen, die heute 25- bis 30-jährigen, sind da schon ein gutes Stück weiter, was auch am immer selbstverständlicher werdenden Umgang mit Finanzen zu tun hat.

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Was können junge Frauen tun, um nicht in die typisch weibliche Finanz-Falle wie ihre Mütter zu tappen? Sprich: Heirat, Babypause, schlechte Altersvorsorge und als Folge kein eigenes Vermögen und viel zu wenig Rente.

Nezic: Die finanzielle schlechtere Situation kann sich ergeben, sobald Kinder geboren werden. Dann kommt die Frage auf: Wer übernimmt den Erziehungspart? Wer geht arbeiten? Meistens übernehmen Frauen die Erziehung, arbeiten nicht oder weniger, und zahlen daher weniger Beiträge in ihre Rentenkasse ein. Mein Appell: Diese Frauen müssen selbst aktiv werden und sich mit finanziellen Themen auseinandersetzten.

Dazu gehört auch der offene Dialog mit dem Partner. Auch wenn sie auf den ersten Blick für Frauen unangenehm scheint, muss die Frage auf den Tisch: Ich verzichte auf den Job, habe dadurch weniger Rentenpunkte, wo ist mein finanzieller Ausgleich dafür? Ziel ist, dass der Partner die finanzielle Lücke durch private Vorsorge ausgleicht. Auch wichtig: Lassen Sie sich ihre Rente hochrechnen, um einen Überblick zu bekommen. Wie viel Rente bekomme ich raus? Reicht das? Und vor allem: Was kann ich tun, um die meist deutliche Lücke zu schließen?

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Ab wieviel Euro im Monat kann eine junge Frau sich eine Altersvorsorge schaffen?

Nezic: Das kommt auf ihr persönliches Sparziel und Budget an. Mit 25 oder 50 Euro im Monat kann man durchaus anfangen. Wir können die Auszahlungen für das Rentenalter in realistischen Modellen hochrechnen. Je jünger eine Frau ist und mit dem Aufbau ihrer Altersvorsorge beginnt, desto geringer sind die Beträge, die sie investieren muss.

Frau Nezic, wir danken Ihnen für das Gespräch

Biallo-Tipp

Jede kann es! Frauen sollten sich um ihre finanzielle Angelegenheiten selber kümmern. Sich auf den Partner oder Vater Staat zu verlassen, bringt sie nicht weiter! Dabei gilt es zu beachten:

  • regelmäßig Geldbeträge ansparen,
  • so früh wie möglich mit einer privaten Altersvorsorge beginnen,
  • mutig sein und nicht auf schlecht verzinste Sparanlagen setzen, sondern immer auch einen Teil in ETFs, Fonds oder Aktien investieren.
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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de