Kanada: Im Schatten der USA

Exotische Geldanlage Kanada: Im Schatten der USA

Lars Becker
von Lars Becker
24.05.2017
Auf einen Blick
  • Kanada ist noch vor den USA flächenmäßig das zweitgrößte Land der Erde. Wirtschaftlich stehen die Ahornblätter jedoch im Schatten des mächtigen Nachbarn.
  • Interessante Möglichkeiten für risikobereite Anleger gibt es dennoch. Teil 5 unserer Serie über Geldanlagen in "exotischen" Märkten.
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Verhältnismäßig jung, gutaussehend, smart und liberal - Premierminister Justin Trudeau ist zumindest politisch der größte Exportschlager Kanadas. Auch deshalb, weil er der Gegenentwurf zu Donald Trump ist, dem neuen Präsidenten der USA. Der Haken daran ist allerdings, dass Kanada wirtschaftlich vom mächtigen Nachbarn abhängig ist.

Über 75 Prozent der Exporte gehen in die USA. Deshalb birgt Trumps Ankündigung, neu über das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta verhandeln zu wollen, Risikopotenzial für das nach Russland zweitgrößte Land der Erde. Nicht die einzige Unsicherheit für die wirtschaftliche Entwicklung in Kanada.

Kredit- und Immobilienblase

"In Großstädten wie Toronto gibt es eine Immobilienblase. Besorgniserregend ist auch die hohe Verschuldung der Haushalte mit mehr als 160 Prozent des verfügbaren Einkommens. Das ist sogar deutlich höher als in den USA. Zudem leidet das Land unter der 'holländischen Krankheit' - es konzentriert sich zu sehr auf Rohstoffe und Energie", sagt Ulrich Stephan gegenüber biallo.de.

Der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank für die Privat- und Firmenkunden ist deshalb skeptisch, was die Zukunftsaussichten der zehntgrößten Volkswirtschaft der Welt betrifft. Zwar soll das Wachstum 2017 um ein Prozent auf 2,5 Prozent steigen, aber Flügel verleihen dürfte das dem Aktienmarkt nicht.

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Kanadas Aktienmarkt ist Underperformer

"Der kanadische Aktienmarkt hat sich in den vergangenen fünf Jahren unterdurchschnittlich entwickelt. Und die Revisionen der Gewinnschätzungen sind für dieses Jahr derzeit negativ", sagt Stephan. Grund dafür ist die Monowirtschaft mit der Abhängigkeit von Rohstoffen, deren Preise überwiegend weit entfernt von alten Höchstständen sind.

Kanada ist zum Beispiel der weltweit größte Produzent von Zink, Uran und Schwefel, mischt auch bei der Produktion von Gold, Aluminium und Eisenerz in der Weltspitze mit. Die riesigen Waldflächen machen das Land zum weltgrößten Papier- und Zellstoffproduzenten und durch die gewaltigen Erdöl- und Erdgasvorkommen ist Kanada eines der wenigen Länder der Erde, das Netto-Exporteur von Energie ist.

Das spiegelt sich auch im kanadischen Aktienindex wider, in dem Rohstoff-Unternehmen und Finanzinstitute wie die Royal Bank of Canada an der Spitze jeweils ein gutes Drittel ausmachen. Die eingetrübte Lage im Banken- und Immobiliensektor Kanadas könnte sich in den nächsten Monaten noch zuspitzen.

Eine breite Diversifizierung bei der Anlage ist hier wirklich schwierig, ein zukunftsgerichteter Umbau der Wirtschaft weg von der Abhängigkeit von Rohstoffen/Energie kaum erkennbar. Lediglich der Dienstleistungssektor boomt. "In diesem Umfeld sind die Perspektiven für den Aktienmarkt nicht gerade gut", sagt Stephan. Für die, die trotzdem auf eine positive Entwicklung kanadischer Werte setzen wollen, gibt es Angebote wie den Lyxor ETF Canada.

Kanada - ein Zockerparadies

Chancen könnten sich für Währungsspekulanten bieten. Die Analysten der Deutschen Bank erwarten, dass es auch wegen der nötigen Abkühlung des Immobilienmarkts bis Ende 2018 vier Zinsschritte nach oben geben wird. "Das dürfte den Kanada-Dollar im Verhältnis zum Euro stärker werden lassen."

Echten Zockern bieten sich an der Börse von Toronto zudem weitere Chancen. Hier sind zahlreiche junge Unternehmen gelistet, die ihr Glück in der Exploration von Zukunfts-Rohstoffen wie Lithium oder auch Gold setzen. Einige davon haben Erfolg - und bescheren ihren Aktionären gigantische Gewinne. Ebenfalls in einem sprichwörtlichen Höhenrausch waren in den letzten Monaten Cannabis-Aktien von Unternehmen wie Aphria oder Canopy Growth.

Das hat damit zu tun, das die liberale Trudeau-Regierung das Kiffen auch für den privaten Gebrauch legalisieren will. Das Gesetz soll spätestens 2018 in Kraft treten. Kanadier, die mindestens 18 Jahre alt sind, sollen demnach bis zu 30 Gramm getrocknetes Cannabis besitzen und konsumieren können. Pro Haushalt soll man bis zu vier Cannabis-Pflanzen besitzen dürfen. Premierminister Justin Trudeau hat übrigens in einem Interview zugegeben, selbst fünf oder sechs Mal gekifft zu haben: "Aber es hat mir nie viel gebracht."

Biallo-Tipp

Kanada ist wegen der großen Risiken kein Geheimtipp für Anleger. Währungsspekulanten könnten bei einer langfristigen Erholung des "Loonies" (kanadischer Dollar) allerdings mittelfristig Gewinne machen. Wer besonders risikobereit ist, kann auch in junge Rohstoff-Unternehmen oder kommende Cannabis-Produzenten investieren. Ein Totalverlust ist dann allerdings auch möglich!

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de