Lassen Sie uns über "Luxus" sprechen

Über den Tellerrand... Lassen Sie uns über "Luxus" sprechen

von Norbert J. Breuer
14.11.2018
Auf einen Blick
  • "I have been rich and I have been poor. Rich is better” – Sophie Tucker.

  • "Die reinste Form von Luxus ist Reduktion. Ein Kleidungsstück ist perfekt, wenn man nichts mehr weglassen kann” – Jil Sander.
  • Was ist eigentlich Luxus? Unser Autor Norbert J. Breuer bietet zur vermeintlich harmlosen Thematik einigen Gesprächsstoff, man könnte auch sagen "Zündstoff". Lesen Sie selbst.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Von alters her unterscheidet man bekanntlich zwischen Existenz-, Kultur- und Luxusbedürfnissen. Letztere sind meilenweit von den existentiellen (zum Beispiel Wohnraum, Luft, soziale Geborgenheit, Seife, Bratkartoffeln mit Quark und Petersilie) und noch ein gutes Stück von den kulturellen (zum Beispiel Abitur für jeden, Helene Fischer, Schalke 04, Alice Schwarzer) entfernt.

Der irische Dichter und Dandy Oscar Wilde (1854-1900) umriss seine Bedürfnisse kristallklar: "Ich habe einen sehr einfachen Geschmack, von allem nur das Beste. Man versehe mich mit Luxus, auf alles Notwendige kann ich verzichten."

Wollen Sie die nächste Glosse von Norbert J. Breuer nicht verpassen? Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Der "Luxus"-Begriff rührt, wie jeder Lateinschüler weiß, aus der Römerzeit und entstammt ursprünglich der Botanik, wo er die üppige Fruchtbarkeit der Natur, aber auch schon Schlemmerei, Prunk, Verschwendung und Liederlichkeit bezeichnete. Von da entlehnte man ihn zunehmend, um die Üppigkeit einer Lebensführung zu geißeln oder zu bewundern, welche – sagen wir es vornehm – das notwendige Maß übersteigt.

Wir kommen nicht darum herum für Bibelfeste anzumerken, dass die Luxuria zu den sieben Todsünden zählt, namentlich – igitt – Wollust, Ausschweifung, Genusssucht und Begehren. Nur ein Glück, dass der Neid, die Individia, mit Eifersucht und Missgunst ebenfalls dazuzählt. Irgendwie tröstlich.

Hinlänglich bekannt sein dürfte, dass fett grinsende Geldmagnaten und Shareholder schon frühmorgens an der pittoresken Pariser Place Vendôme mit einem schwarzen Arbeitgeberhut in einer Badewanne mit goldenen Tatzenfüßen und einer Füllung aus Veuve Clicquot Rosé planschen, eine Cohiba-Zigarre zwischen ihre sündhaft teuren Implantate gequetscht.

Werktags tragen sie dazu ein entzückend-diamantenbesetztes rotgoldenes Chronometer, das sie nebenan bei Van Cleef & Arples zu schlappen 16.000 Euro erstanden haben, die Patek Philippe Nautilus 40th Anniversery zu 249.500 Euro (Versand kostenlos) wird hingegen nur sonntags angelegt. Dabei deklamiert der Reiche unter Prusten den US-Schriftsteller Gore Vidal: "Wenn die Armen wüssten, wie viel Glück sich die Reichen mit ihrem Geld kaufen können, sie würden sich umbringen."

Solcherlei kapitalistischer Frevel – am Ende hat dieser Monetenraffer noch eine edelhölzerne, messingblinkende Jacht im Hafen von Saint-Tropez vor Anker liegen – muss selbstverständlich jeden echten Sozialisten auf die Palme bringen. Jedenfalls nach außen hin, in seinen Sonntagsreden. Denn wie schon in der Bibel steht: "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen." Schauen wir uns diese Taten ruhig einmal an:

Sozialistische Gleichmacher aller Provenienz neigen sichtbar zum Luxus, wenn sie denn das Geld und die Macht dazu in Händen halten. Man betrachte den Palast der Parti socialiste in Paris. Die in der Wählergunst desaströs herabgesunkenen französischen Sozialisten verkauften nun notgedrungen und unter Gespött ihr historisches, 3.389 Quadratmeter umgreifendes Parteigebäude im ausnehmend noblen siebten Pariser Stadtbezirk. 45,5 Millionen Euro klingelten darob in der Kasse. Und die sind jetzt auch dringend nötig, um mit der Parteikasse über die Runden zu kommen.

In der Waldsiedlung Wandlitz – die verschämterweise auf keiner Karte verzeichnet war – logierten die DDR-Bonzen, allen voran Erich mit dem Strohhut. Auf 160 Hektar wurde alles aufgefahren, was Spaß macht. Nobelgewandungen, tropische Früchte, Kino, Schwimmbad, Sauna, Schießstand, Poliklinik (falls der Schuss danebengeht), Parkanlagen, Gartenhäuser. Heißa, wie beglückend doch ein Sozialist zu sein! Die DDR-Bürger/-innen jedoch konnten im sozialistischen "Arbeiter- und Bauernstaate" von derlei allenfalls träumen. Kaum anzunehmen, dass die Frauenwelt ebenso beglückt darüber war, mit Traktoren über güllestinkende Äcker pflügen zu müssen. Da nutzte der deutsch-demokratische Duft namens "Casino de luxe" auch nicht mehr viel.

Und da war noch ein Kommunist: Mao, der schier unermessliche Privilegien genoss. Neben einem Sexualleben, das nichts ausließ, soll er in Luxusautos, Villen, Schwimmbädern und enormen Geldsummen, die er mit seinen zwei Händen gewiss nicht verdient hat, geschwelgt haben. In China war zu Maos Zeiten übrigens gar die Hundehaltung Luxus, denn sie wurde als "bourgeoise Extravaganz" bei Strafe untersagt. Der Mann, der mindestens 45 Millionen Tote verantworten soll, prangt noch heute auf den chinesischen Geldscheinen.

Hätten die Sozialisten, Kommunisten, Trotzkisten und weitere Gleichmacher frühzeitig auf den französischen Dramatiker Georges Feydeau hören sollen (1862-1921)? Der warnte: "Nichts ist gerecht verteilt, und jeder Versuch, daran etwas zu ändern, bringt noch mehr Ungerechtigkeit." Vielleicht hätte diese Einsicht den Tod millionenfach verhindern können.

Auch Deutschland leistet sich einen Luxus, der dem Volke eher missfällt: das größte demokratisch gewählte Parlament weltweit nämlich. 709 Bundestagsabgeordnete (USA: 435 + 100), die doch zumeist nur durchwinken, was die Fraktionsleitungen vorgegeben haben, obzwar Fraktionszwang verfassungswidrig sein dürfte. 9.780,28 Euro pro Monat plus steuerfreie Aufwandspauschale in Höhe von 4.339,97 Euro plus weitere Extras scheinen dem einen oder anderen Steuerzahler für so viel Servilität doch allzu üppig, wenn nicht nachgerade unanständig.

Luxus bedeutet beileibe nicht für eine/n Jede/n das Gleiche. Wie viele vom Schicksal gebeutelte dienstbare Geister, die täglich treu und brav ihre Arbeit, teils in Staub und Dreck, verrichten, womöglich in erniedrigender Umgebung, sind schon beseelt, wenn sie morgens in einer kurzen Pause nur ihren Kaffee und eine Zigarette für sich als Fenster zu ihrer kleinen persönlichen Welt haben.

Und für ein herziges Kindlein in Afrika, wo die macht-, geld- und prunkgeilen Machthaber in ihren Leopardenmützen auch mit bald 100 Lebensjahren auf dem Buckel partout nicht weichen wollen, mag es schon Luxus sein, sich ein neues, buntes Kleidchen überzustreifen und vorher eine Dusche mit Seife genießen zu können. Die Spendengelder aus unseren Staatskassen waren nur für sie gedacht, doch irgendwie scheinen die irrwitzigen IBAN-Nummern zu lang zu sein, um unsere Millionen zu den wahrlich Bedürftigen herüberzureichen.

Ja, was machen wir denn nun mit dem Luxus?

Vorschlag: Genehmigen wir ihn doch gelassen jenen, die ihn anstreben – die ihn auch meistern müssen, denn Besitz belastet schließlich – wenn er denn ihrem Lebensgefühl entspricht.

Gönnen wir ihn nicht zuletzt jenen, die sich ihn selbst redlich erarbeitet haben und obendrein andere Menschen daran teilhaben lassen. Wie Elvis Presley, 1973 der größte Steuerzahler der USA. Er gab von seinem Reichtum, von seinem Luxus gerne ab. Wie Muhammed Ali gilt er bis heute gerade auch deswegen als guter Mensch.

Auch sie nehmen am Ende ja nichts mit ins Jenseits. Und auf der Reise nach dort wird die erste und zweite Klasse womöglich ohnehin nochmals ganz neu vergeben, wenn nicht gar die dritte Bahnklasse wiederauflebt.

Zuweilen gerät das alles aber etwas durcheinander: der geniale Oscar Wilde, sozialismusaffiner Anarchist, war wegen seiner Homosexualität in England zu zwei Jahren schwerer Zwangsarbeit verurteilt worden. Gesundheitlich ruiniert und völlig verarmt, hatte er danach das Glück vom Besitzer eines Hotels bestens bewirtet und untergebracht zu werden. Des unverhofft zurückgekehrten Luxus war er sich bewusst und ironisierte zartbitter: "Ich sterbe über meine Verhältnisse."

Zum Autor

Norbert J. Breuer ist seit 1995 als internationaler Managementberater mit Schwerpunkt Deutschland/Frankreich tätig. Er bahnt auf Basis einer breitgefächerten Dienstleistungspalette Unternehmens-Zusammenarbeiten im Exportbereich an. Lange Jahre war er als Lehrbeauftragter (Universität Metz, DFHI/HTW Saarbrücken, FH Trier) und bundesweit als IHK-Dozent tätig. Im staatlichen Auftrag war er als Deutscher Konsulent für Wirtschaftsförderungen der Schweiz und Österreichs delegiert.

Schon früh ist Breuer als Buchautor – unter anderem in den Verlagen CAMPUS und ULLSTEIN – hervorgetreten. Seine ausnehmend vielseitigen publizistischen Beiträge erscheinen im In- und Ausland. Mehr Information finden Sie unter www.breuer-exportmarketing.de.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Norbert J. Breuer
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Norbert J. Breuer

ist seit 1995 als internationaler Managementberater mit Schwerpunkt Deutschland/Frankreich tätig. Er bahnt auf Basis einer breitgefächerten Dienstleistungspalette Unternehmens-Zusammenarbeiten im Exportbereich an. Lange Jahre war er als Lehrbeauftragter (Univ. Metz, DFHI/HTW Saarbrücken, FH Trier) und bundesweit als IHK-Dozent tätig. Im staatlichen Auftrag war er als Deutscher Konsulent für Wirtschaftsförderungen der Schweiz und Österreichs delegiert.

Schon früh ist Breuer als Buchautor – u.a. in den Verlagen CAMPUS und ULLSTEIN – hervorgetreten. Seine ausnehmend vielseitigen publizistischen Beiträge erscheinen im In- und Ausland. Mehr Information finden Sie unterwww.breuer-exportmarketing.de.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Norbert J. Breuer

ist seit 1995 als internationaler Managementberater mit Schwerpunkt Deutschland/Frankreich tätig. Er bahnt auf Basis einer breitgefächerten Dienstleistungspalette Unternehmens-Zusammenarbeiten im Exportbereich an. Lange Jahre war er als Lehrbeauftragter (Univ. Metz, DFHI/HTW Saarbrücken, FH Trier) und bundesweit als IHK-Dozent tätig. Im staatlichen Auftrag war er als Deutscher Konsulent für Wirtschaftsförderungen der Schweiz und Österreichs delegiert.

Schon früh ist Breuer als Buchautor – u.a. in den Verlagen CAMPUS und ULLSTEIN – hervorgetreten. Seine ausnehmend vielseitigen publizistischen Beiträge erscheinen im In- und Ausland. Mehr Information finden Sie unterwww.breuer-exportmarketing.de.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de