MeinInvest: Robo-Advisor erobert genossenschaftliche Banken

Digitale Anlageberatung MeinInvest: Robo-Advisor erobert genossenschaftliche Banken

Horst Biallo
von Horst Biallo
16.11.2017
Auf einen Blick
  • Immer mehr Banken setzen auf die digitale Vermögensverwaltung, die sogenannten Robo-Advisor.

  • Derzeit testen neun Genossenschaftsbanken im Pilotprojekt den Anlage-Assistenten "MeinInvest" – eine White-Lable-Lösung von Union Investment.

  • Ab 2018 soll "MeinInvest" bundesweit allen Genossenschaftsbanken zur Verfügung stehen.
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Mitte September verkündete die ING-Diba ihre Zusammenarbeit mit Scalable Capital. Was viele nicht mitbekommen haben: Neun genossenschaftliche Institute haben mittlerweile ohne großes Tamtam "MeinInvest" eingebunden, den Robo-Advisor von Union Investment.

Eine dieser Banken ist die Raiffeisenbank Oberursel, die dieses innovative Tool bereits seit Anfang September dieses Jahres ihren Kunden anbietet. "Die Digitalisierung hat längst viele Bereiche der Wirtschaft erfasst und ist aus unserem Privatleben kaum mehr wegzudenken. Und sie macht auch vor der Bankberatung nicht halt", sagt Christian Zilch, Bereichsleiter Vertrieb bei der Raiffeisenbank Oberursel.

Zilch schildert eine Erfahrung, die wir auch aus den Gesprächen mit den anderen Bankern gewonnen haben:

"Nach wie vor schätzen zwar die meisten Menschen das persönliche Gespräch vor Ort mit ihrem Berater. Doch immer mehr erledigen ihre Bankgeschäfte zusätzlich oder hauptsächlich online. Diesen Kunden wollen wir neben unserem kostenfreien OnlineOnly-Konto mit MeinInvest Zugang zu einer zeitgemäßen Geldanlage bieten."

So funktioniert "MeinInvest"

Der digitale Anlage-Assistent "MeinInvest" ist die White-Label-Lösung von "Visulavest", der Online-Vermögensverwaltung von Union Investment. Im Gegensatz zu "Visualvest" kommen bei "MeinInvest" keine ETFs zum Einsatz, sondern ausschließlich aktiv gemanagte Fonds. Im ersten Schritt ermittelt der Robo das Anlageprofil per Online-Fragebogen. Dabei wird der Anleger unter anderem nach Alter, Anlagevolumen, Sparziel, Vorkenntnissen, finanziellen Verhältnissen und Risikoneigung gefragt. Aus den Daten ermittelt der Computer dann das Risikoprofil sowie die Anlagestrategie und schlägt ein Portfolio vor. Im dritten Schritt legt der Anleger sein Benutzerkonto an und eröffnet das Depot bei der angeschlossenen Partnerbank, der Union Investment Service Bank.

Insgesamt gibt es bei MeinInvest drei Anlagestrategien: defensiv, ausgewogen und chancenorientiert. Je nach Risikoausrichtung wird das Portfiolio auf verschiedene Anlageklassen gestreut: Geldmarkt, Anleihen, Aktien und Rohstoffe. Für das chancenorientierte Portfolio liegt die erwartete jährliche Rendite bei knapp vier Prozent. "MeinInvest" weist darauf hin, dass Prognosen kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung sind.

Die Geldanlage bei "MeinInvest" basiert auf wissenschaftlich fundierten Methoden und wird von Finanzexperten der Union Investment gesteuert. Weicht das Depot infolge unterschiedlicher Wertentwicklung der jeweiligen Anlageklassen von der ursprünglichen Risikoausrichtung ab, wird das Portfolio automatisch auf die Anfangsgewichtung zurückgesetzt (sogenanntes Rebalancing). Im Benutzerkonto haben Anleger ihr Investment stets im Blick und können flexibel Ein-und Auszahlungen vornehmen sowie Sparraten ändern oder aussetzen.

Offensichtlich macht diese feine technische Lösung nicht nur den Kunden Spaß, sondern auch den Verantwortlichen in den Banken. Carsten Graf, Vorstandssprecher der PSD Bank Braunschweig, schwärmt geradezu: "Von der Information, über die Selbstberatung, Legitimation und Depoteröffnung bis zum Kauf des Portfolios läuft alles sehr strukturiert und selbsterklärend ab", so Graf.

"Mit MeinInvest können wir digitalaffine Kunden erreichen, für die eine persönliche Beratung in der Geschäftsstelle oder per Videoberatung bisher nicht in Frage kam. Selbstverständlich bleibt unser Beratungsangebot hybride, das heißt, der Kunde, der bei der Eröffnung Hilfe braucht, dem stehen wir gerne unterstützend zur Seite."

Zu den Pilotbanken, die den Robo-Advisor von Union Investment schon eingeführt haben, gehört auch die PSD Bank Nord mit Sitz in Hamburg und Niederlassungen in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

"Im genossenschaftlichen Verbund sind wir seit jeher führend bei der Umsetzung digitaler Themen. Daher haben wir auch als eine der ersten Genossenschaftsbanken MeinInvest eingeführt und zwar Anfang August dieses Jahres", sagt Marco Pietsch, Vertriebsleiter der PSD Bank Nord.

"Wir verstehen MeinInvest als sinnvolle Ergänzung und wichtigen Baustein im Rahmen unseres digitalen Beratungsangebots. Zudem haben wir zahlreiche Kunden, die nicht in unmittelbarer Nähe zu einer Filiale wohnen oder sich telefonisch beraten lassen möchten. Auch diesen Kunden wollen wir ein Angebot machen."

Der Robo-Advisor "MeinInvest" verspricht ordentliche Renditen von bis zu vier Prozent im Jahr. Hier wirkt sich die günstige Kostenstruktur aus: Je nach Anbieter fällt eine Service-Gebühr zwischen 0,70 bis 1,00 Prozent des Depotvolumens einschließlich Umsatzsteuer an. Zusätzliche Fremdkosten für die Verwaltung der Fonds sind bereits in den Fonds-Kursen berücksichtigt. "MeinInvest" erstattet dem Anleger die Ausgabeaufschläge und Provisionen. Es fallen weder Transaktionskosten noch Depotgebühren an.

Wie sieht es bei den Sparkassen aus?

Auch die Sparkassen testen derzeit eine digitale Vermögensverwaltung namens "bevestor". Der Sparkassen-Robo wurde von der Dekabank entwickelt und hat drei Fonds-Portfolios im Angebot. "Bevestor" befindet sich im Moment noch in der "Family & Friends-Phase" innerhalb der Sparkassenorganisation. Die Eröffnung eines Depots erfordert einen entsprechenden Zugangscode, der bislang nur Mitarbeitern der Sparkassen und der Deka-Gruppe zugänglich ist.

"Eine flächendeckende Bereitstellung wird ab 2018 nach Abschluss der Testphase erfolgen", sagt Dekabank-Sprecher Jürgen Fischer. "Der bevestor strebt keine aktive Kundenansprache und -gewinnung an, sondern sieht sich als Lösungsanbieter für die Sparkassen, denen das Angebot als Kooperations- oder White-Label-Modell zur Verfügung gestellt werden soll." 

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Herausgeber und Gründer biallo.de
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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de