Anlageberatung Teil 5

Münchner Bank: "Index-Schmuser" für Genossen

Update: 12.06.2017
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Auf einen Blick
  • In Teil 5 der Serie Anlageberatung testet biallo.de eine Filiale der Münchner Bank (VR-Bank).
     
  • Das genossenschaftliche Geldhaus empfiehlt dem risikoscheuen Anleger einen Aktienfonds und Schatzbriefe.

  • Die empfohlenen Finanzprodukte sind teuer.  Die Schatzbriefe wecken Zweifel, was die Verzinsung betrifft. Ein Produkt ist Gegenstand einer Abmahnung durch Verbraucherschützer.
Sieht sich harter Konkurrenz in der bayerischen Landeshaupt Stadt gegenüber: Die genossenschaftliche Münchner Bank (Zentrale in Bogenhausen).
n/a

Der Händedruck zum Abschied ist fest, es scheint, als wolle er sein Versprechen damit bekräftigen. "Bis zum nächsten Mal erarbeite ich für Sie einen konkreten Vorschlag", sagt der Anlageberater einer Filiale der Münchner Bank im Norden der Stadt. Eine Dreiviertelstunde hat er sich Zeit genommen. Zeit, nur "um ein Gefühl zu entwickeln, was passen könnte": Wie ist die Lebenssituation des Kunden? Was hat er später mit dem Erbe vor? Was weiß er über Geldanlagen? Wie risikobereit ist er? Kein Wort über Finanzprodukte - nicht im ersten Gespräch.

Einige Tage später, beim zweiten Termin, zeigt sich, dass der Anlageberater gut zugehört hat. "Sie machen ja jetzt erst einmal Ihren Master an der Uni und wissen noch nicht, wie es beruflich weitergeht", sagt er, als er den Kunden(*) empfängt. Er löst sein Versprechen ein, und er hat sich dazu Hilfe geholt. Den Kollegen, der mit am Tisch sitzt, stellt er als Fachmann für das "eher Konservative" vor. Der Kollege entpuppt sich als "Bank-Referent" der Allianz-Versicherung.

50.000 Euro Erbschaft sollen gut anlegt werden. Sicherheit und Liquidität sind wichtiger als eine hohe Rendite, hat der Tester von biallo.de beim ersten Treffen betont. Aber auch, dass er auf jeden Fall die Inflation schlagen will. Knifflige Vorgaben offenbar. Es gebe zurzeit nicht viele Produkte, die er jemandem mit geringer Risikobereitschaft empfehlen könne, sagt der Banker. Er erinnert an eine andere Auskunft des Kunden. "Sie haben ja schon einmal ein bisschen Erfahrung mit Aktien gesammelt", sagt er und überreicht ein mehrseitiges Papier.

Rote Laterne für Aktienfonds

Es ist die Produktinformation zum Aktienfonds "UniDeutschland". Der Anlageberater schlägt vor, 15.000 Euro in den Fonds zu investieren; auf einmal oder aufgeteilt in 10.000 Euro und - zum "Nachschießen" - 5.000 Euro. Er blättert zur letzten Seite. Ein Balkendiagramm illustriert die Wertentwicklung des Fonds. Sein Finger wandert in die Vergangenheit. "Sechs Prozent, elf Prozent, 24 Prozent - die letzten Jahre waren positiv." Er deutet auf 2008 und sagt, so etwas müsse man "psychisch aushalten können". Um fast 40 Prozent brach der Fonds, der auf Dax-Titel setzt, im Jahr der Lehman-Pleite ein. Wenn man die Ruhe bewahrt, sehe die Sache am Ende anders aus, erklärt er und zeichnet eine lange, aufsteigende Linie in die Luft. Der Anlagehorizont erstrecke sich über "mindestens sieben, acht Jahre".

Was das Diagramm auch zeigt, ist die Entwicklung des Dax. Der "UniDeutschland" liegt die meiste Zeit leicht darunter - den Ausgabeaufschlag in Höhe noch nicht eingerechnet; fünf Prozent verlangt das Geldhaus, dazu kommen die laufenden Kosten in Höhe von 1,17 Prozent. Viel Geld, zumal für einen Fonds, der im Ruf steht, ein "Index-Schmuser" zu sein. So werden euphemistisch aktiv gemanagte Fonds genannt, deren Portfolio nur wenig vom Index abweicht.

Rechner topfondsad
3
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
DWS German Small/Mid Cap LD
DE0005152409
9,02%
Zum Chart
2.
Fondak A EUR
DE0008471012
4,12%
Zum Chart
3.
MEAG Proinvest A
DE0009754119
3,45%
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre

Das Fondsanalysehaus Morningstar kam vergangenes Jahr zu dem Ergebnis, dass sich nur zehn Prozent des Fondsvolumens des "UniDeutschland" nicht mit dem Index decken. Im Schnitt waren es bei Fonds, die auf deutsche Aktien setzen, im Zeitraum zwischen 2013 und 2015 rund 30 Prozent. Im Vergleich der zehn größten aktiven Fonds erhielt das von der Münchner Bank angepriesene Papier die rote Laterne.

Fragt sich, warum die Münchner Bank nicht einen - kostengünstigeren - ETF anbietet?

Der Anlageberater macht kein Geheimnis daraus. Er dürfe das nicht empfehlen, sagt er. Die Produkte liegen nicht auf der Linie des Geldhauses. Er zupft an seiner Krawatte und schickt hinterher: "Wenn Sie zu mir kommen und mir eine ETF-Nummer nennen, dann kann ich das schon für Sie abschließen."

Anlageprodukte der Allianz

Voll auf der Linie der Genossen liegen zwei Versicherungsprodukte. Im"klassisch-konservativen Bereich" gingen die Renditen durchweg gegen null, aber es gebe für risikoscheue Anleger Möglichkeiten über die Allianz, sagt er. "Schatzbrief" heißen diese Möglichkeiten.

Eines dieser Produkte trägt den Zusatz "Perspektive". Der Schatzbrief ist eine "Rentenversicherung mit Kapitaloption gegen Einmalbetrag", wie es im Informationsblatt formuliert ist. Die Mindestlaufzeit beträgt zwölf Jahre. Die Einlagen werden breit gestreut: Staatsanleihen, Pfandbriefe, Unternehmensanleihen, Aktien, Baufinanzierungen, Immobilien. Sparer könnten kein Geld verlieren, das eingezahlte Kapital sei "garantiert", betont der Bank-Referent der Allianz. Die Versicherung schütte Erträge während der Laufzeit aus, Sparer erhalten Zins und Zinseszins. Als Zinsertrag stellt er für die ersten vier Jahre 2,1 Prozent in Aussicht, danach 3,7 Prozent - vor Kosten.

5,5 Prozent des Anlagekapitals kostet der Schatzbrief einmalig - Kunden der Münchner Bank zahlen 5 Prozent. 0,45 Prozent werden für laufende Kosten abgezogen. "Pi mal Daumen sind die Anfangskosten nach drei, vier Jahren hereingeholt", sagt der Versicherungsvertreter.

Als durchschnittliche jährliche Wertentwicklung nach fünf Jahren prophezeit die Allianz 1,1 Prozent, nach zwölf Jahren 2,4 Prozent. Doch garantiert sind die Zinsen nicht. Sie werden von Jahr zu Jahr neu festgeschrieben. Das bedeutet, Rendite nach Ermessen des Konzerns. "Wir liegen da immer im 0,1- bis 0,2- Prozent-Bereich, in dem die Zinsen schwanken", versichert der Fachmann.

Zweifel weckt auch das zweite Produkt, das er präsentiert. Es ist der Schatzbrief "Indexselect", ebenfalls eine Rentenversicherung. Im Unterschied zum anderen Schatzbrief ist dieser an den Euro Stoxx 50 gekoppelt. Ein "bisschen riskanter" sei diese Geldanlage, dafür biete sie mehr Chancen. "Wir hatten Jahre mit 12 Prozent Plus, aber auch mit null Prozent."

Die Jahresrendite hängt nicht allein von den Monatsergebnissen ab. Denn die Versicherung stutzt die monatlichen Renditen, wenn sie einen bestimmten Schwellenwert übersteigen. Diesen sogenannten Cap legt sie jährlich fest. Was darüber hinausgeht, behält sie. Im Gegenzug kommt der Anleger mit einer Nullrunde davon, wenn die Summe der gestutzten Monatsrenditen negativ ausfällt. Die laufenden Kosten sind mit 0,6 Prozent etwas höher als beim anderen Schatzbrief, die Anfangskosten die gleichen.

Irreführende Werbung?

Verbraucherschützer halten den "Indexselect" für eine Mogelpackung. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Allianz vergangenes Jahr wegen irreführender Werbung abgemahnt. Sie moniert, dass Begriffe wie "Indexpartizipation" und "Indexbeteiligung" in den Produktinformationen suggerierten, "dass die Allianz das Geld ihrer Kunden an der Börse notiert". Tatsächlich würden nur Überschüsse, die die Versicherung erwirtschaftet, an der Börse gemehrt, meinen sie. Die Kapital, das Kunden einzahlen, lande am Geldmarkt. Die Überschüsse fielen wegen der schlechten Zinslage geringer aus. Und sie gelangten auch nicht direkt in den Euro Stoxx, sondern in "komplizierte Optionen, die sich auf den Index beziehen".

Die Allianz lehnte es ab, eine Unterlassungserklärung abzugeben. "Die Kunden schließen 'Index Select' bei einem fachkundigen Vermittler ab, der das Produkt erläutert und auf offene Fragen eingeht", zitiert das Fachblatt "Versicherungswirtschaft heute" aus einer Stellungnahme der Versicherung.

Der Tester von biallo.de und sein Begleiter gewannen im Gespräch mit dem Versicherungsvertreter den Eindruck, dass das eingezahlte Kapital am Euro Stoxx partizipiert. Von Optionsgeschäften mit Überschüssen war nicht die Rede.

Mehr als anderthalb Stunden dauert das zweite Beratungsgespräch in der Filiale der Münchner Bank. Gegen Ende lehnt sich der Anlageberater in seinem Stuhl zurück und verschränkt die Arme hinter dem Kopf. Wichtig sei, sagt er, dass man sich mit der Geldanlage wohlfühle. Zum Abschied drückt er seinem Gegenüber wieder fest die Hand. Dass sein Kunde ein seltsames Gefühl haben könnte, darüber scheint er sich keine Gedanken zu machen.

Fazit

Der Anlageberater der Münchner Bank nahm sich viel Zeit. Fragen beantwortete er präzise und offen. Die Antworten waren so, dass sie auch der Laie versteht. Die Produkte, der er vorschlug, tragen der geringen Risikobereitschaft des Testers Rechnung. Der empfohlene Aktienfonds passt zu den Renditewünschen, ist allerdings teuer.

Die beiden Schatzbriefe erscheinen hinsichtlich der in Aussicht gestellten Verzinsung fragwürdig, die Allianz kann nach Belieben die Zinsen verändern. Über den von einer Verbraucherzentrale kritisierten Sachverhalt klärte der vom Anlageberater hinzugezogene Vertreter der Allianz nicht auf. Offen bleibt, ob er dies in einem Folgegespräch getan hätte. Gegenstand des Beratungsprotokolls war der Aktienfonds.

Das Beratungsprotokoll gibt die wichtigen Punkte des Gesprächs korrekt wieder.
(*) Testkunde war ein junger Kollege. Als monatliches Einkommen gab er 950 Euro an -  abzüglich der monatlichen Verpflichtungen 550 Euro.

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  Manfred Fischer


 

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