Neue Regeln für Wertpapier-Geschäfte

Mifid II Neue Regeln für Wertpapier-Geschäfte

von Horst Peter Wickel
12.01.2018
Auf einen Blick
  • Seit dem 3. Januar 2018 gelten neue Richtlinien für Wertpapiergeschäfte und die Beratung von Privatkunden bei der Geldanlage.

  • Die sogenannte "Geeignetheitserklärung" ersetzt das bisherige Beratungsprotokoll.

  • Banken und Sparkassen dürfen zwar weiterhin Verkaufsprovisionen kassieren, müssen dem Verbraucher die Höhe der Provisionen aber detailliert aufschlüsseln.
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Nach der Finanzmarktkrise vor rund zehn Jahren hatten Politik und Kreditwirtschaft in Europa beschlossen, eine neue Richtlinie zum besseren Schutz von Geldanlegern und Sparern zu erstellen. Nach jahrelangem Ringen zwischen Politikern, Bankern und Verbraucherschützern ist am 3. Januar 2018 die Finanzmarktrichtlinie Mifid II (Markets in Financial Instruments Directive) in Kraft getreten.

Doch Vorsicht: Von den neuen Regeln können Sie nicht viel erwarten. Marktkenner und Finanzexperten sind sich einig, dass die neuen Vorschriften Verbraucher eher verwirren statt aufklären. Selbst der Fondsverband BVI spricht von einem "Flickenteppich an widersprüchlichen Informationen". Und beim Verbraucherzentrale Bundesverband wird von einem "Bürokratiemonster" gesprochen, das entstanden ist, weil sich die Finanzbranche vehement und letztlich erfolgreich gegen grundsätzliche Veränderungen der Wertpapierberatung gewehrt hat.

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Banken dürfen weiterhin Provision kassieren

Eigentlich sollten Provisionen künftig verboten werden. Kritiker sind sich einig, dass Bank- und Finanzberater ihren Kunden nicht immer die geeigneten, besten Produkte verkaufen, sondern gern Wertpapiere und Fonds, die ihnen die höchsten Verkaufsprovisionen bringen. Zwar sind in einigen europäischen Ländern wie Großbritannien und den Niederlanden solche Provisionen bereits verboten, aber ein europaweites Provisionsverbot konnte die Finanzbranche verhindern.

Wenn Banken und Sparkassen nachweisen können, dass sie die Provisionseinnahmen zur Qualitätsverbesserung der Beratung einsetzen, dürfen sie solche Zahlungen weiterhin annehmen. Die deutschen Banken, vor allem die Sparkassen und Volksbanken, haben zudem durchgesetzt, dass auch der Unterhalt eines "weitverzweigten Filialberaternetzwerks" die Berechnung von Provisionen rechtfertigt. Verbraucherschützer spotten über die "Sparkassen-Schutz-Klausel" und kritisieren: "Nur weil es ein Filialnetz gibt, wird ja die Beratung nicht besser."

Mehr Transparenz bei den Provisionen

Zumindest über die Höhe von Provisionen und anderen Kosten müssen die Anlageberater nach der neuen Mifid-Richtlinie deutlicher aufklären. So sollen Sie vor der Unterschrift unter einen Kaufvertrag eine genaue Aufstellung darüber erhalten, wie viel Sie das Finanzprodukt kostet. Dargestellt werden müssen die Kosten sowohl in Prozent des Anlagebetrags als auch als absolute Größe in Euro und Cent. Zudem müssen Sie erfahren, was es kostet, wenn Sie das Wertpapier später wieder verkaufen wollen.

Aber dummerweise werden diese Kosten unter Mifid und in anderen Richtlinien zwar einheitlich definiert, aber unterschiedlich berechnet. Zudem mussten Marktbeobachter wie der Fondsdaten-Spezialist FWW vor kurzem feststellen, dass rund die Hälfte der Fondsanbieter die erforderlichen Daten bis zum Jahresende 2017 noch gar nicht geliefert hatten.

Wertpapiere müssen für Sie geeignet sein

Auch im Beratungsprozess selbst gibt es einige Änderungen. Die bisher üblichen Beratungsprotokolle werden durch eine "Geeignetheitserklärung" ersetzt. Darin muss der Verkäufer bestätigen, dass Sie in der Lage oder "geeignet" sind, das Finanzprodukt zu kaufen. Ausschlaggebend sind Ihr Einkommen, Ihr Finanzwissen und Ihr Anlageziel. Über die Schulungs- und Vorbereitungskosten für diese neuen Aufgaben haben sich Banken und Sparkassen bereits heftig beklagt. Noch mehr Verdruss bereitet den Kreditinstituten die Pflicht, künftig jedes Beratungsgespräch am Telefon aufzuzeichnen, mindestens fünf Jahre aufzubewahren und dem Kunden auf Wunsch zur Verfügung zu stellen.

Verbraucherschützer hingegen begrüßen diese Dokumentation. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, geht davon aus, dass aufgezeichnete Telefonate auch vor Gericht hilfreich sein können.

Persönliche Gespräche in der Bank hingegen werden auch künftig nicht dokumentiert – Sie können die Aufzeichnung eines Beratungsgesprächs am Telefon bereits heute ablehnen und zum Beratungsgespräch lieber in die Filiale von Bank oder Sparkasse gehen.

Kleinere Banken werden aufgeben

Über die anstehenden Kosten der Aufzeichnung von Telefonberatungen wie andere Mifid-Umstellungskosten (geschätzt eine Milliarde Euro für alle deutschen Institute) hatten sich Verbandsvertreter der Kreditwirtschaft bereits kräftig beklagt. Der Aufsichtsbehörde Bafin ist nach eigener Aussage zumindest "bewusst, dass die neuen Vorgaben eine große Herausforderung für die Marktteilnehmer bedeuten".

Marktexperten gehen davon aus, dass sich kleinere Institute künftig ganz aus dem Wertpapiergeschäft für private Kunden zurückziehen werden. Größere Institute haben bereits angekündigt, dass sie künftig auf eine weitgehend automatisierte Beratung setzen oder Beratung nur noch ab einer Anlagesumme von 10.000 Euro oder mehr anbieten wollen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de