Grüne Geldanlage

Öko-Investments: Grauer Kapitalmarkt birgt hohe Risiken

Update: 26.07.2018
Kerstin Weinzierl
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Unser Surf-Tipp!
Auf einen Blick
  • Seit dem Jahr 2012 haben über fünfzig Anbieter von Geldanlagen aus den Bereichen Sonne, Wind, Wald & Co. Insolvenz angemeldet.

  • Wenn Sie in riskante Geldanlagen wie geschlossene Fonds, Direktinvestments oder Nachrangdarlehen investieren, droht Ihnen auch in der grünen Branche der Komplettverlust Ihres Investments.

  • Lassen Sie sich bei grünen Geldanlagen nicht von reinen Werbe- oder unseriösen Renditeversprechen täuschen.
Wenn Sie am "Grauen Kapitalmarkt" investieren, müssen Sie auch in der grünen Branche mit dem Komplettverlust Ihres investierten Gelds rechnen.
Pop Paul-Catalin / Shutterstock.com

Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt vor riskanten Geldanlagen im Bereich Nachhaltigkeit. Laut ihrer neuesten Erhebung wurden seit 2012 mehrere Milliarden Euro Kapitalvermögen der grünen Branche von einer Insolvenzwelle erfasst. Das betroffene Investment der Anleger ist in vielen Fällen, gelinde ausgedrückt, einfach futsch.

Pleitegefahr wird unterschätzt

Auch große und etablierte Öko-Unternehmen können wirtschaftlich straucheln und sind vor einer Pleite nicht geschützt. Die Aktionäre und Anleihegläubiger von Solarworld können ein Lied davon singen. Deutschlands größter Solarmodulhersteller musste im Mai dieses Jahres – nur acht Monate nach dem Neustart – den zweiten Konkurs anmelden. Weitere Pleiten, wie die des nachhaltigen Energieversorgers Prokon oder German Pellets, sind ebenfalls bekannt. Eine ganze Reihe von Fällen jedoch kaum oder gar nicht.

Abhilfe schafft hier die aktuelle Liste mit den Unternehmen der Umweltwirtschaft, die zwischen 2012 und Anfang 2018 Insolvenz anmelden mussten. Zu finden auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg und auf dem Informationsportal www.geld-bewegt.de. "Unsere Stichprobe zeigt vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Das wahre Ausmaß des Schadens bleibt im Verborgenen", sagt Denise Hildebrand von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Wir konnten nur einen Teil der verlorenen Investitionen beziffern, sodass die tatsächliche Anzahl der betroffenen Anleger und deren finanzieller Schaden erheblich höher sein dürfte."

Mangelnde Transparenz und laxe Regulierung

Viele Privatanleger sind sich über die Risiken grüner Geldanlagen nicht bewusst. In Zeiten von Niedrigzinsen und dem Trend, mit seinem Geld Gutes zu bewirken, lassen sich viele Investoren von scheinbar lukrativen Renditechancen anlocken. Oft handelt es sich aber bei Geldanlagen in Baumplantagen, Windparks, Solaranlagen etc. um risikoreiche Investitionen im sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Im Gegensatz zum Aktienmarkt ist dieser Markt weder transparent noch streng reguliert. Unternehmen, die auf dem Grauen Markt agieren, benötigen keine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Deshalb ist das Risiko auch höher, dass Anleger mit solchen Investments Schiffbruch erleiden. "Doch das Risiko spielt bei der Vermarktung dieser Art Investments meist eine untergeordnete Rolle", weiß Finanzexpertin Hildebrand.

Weitere Risiken bergen für Anleger die oft langen Investitionszeiträume von nicht selten zwanzig oder gar dreißig Jahren. Deshalb halten Verbraucherschützer direkte Investitionen in natürliche Ressourcen wie Sonne, Wind oder Holz für höchst spekulativ und raten, nur geringe Vermögenswerte für diese Anlagen aufzuwenden.

Aber auch die Umwelt selbst ist ein Risiko. Ein Beispiel: Sollte Holz als Anlageart für Sie interessant sein, dann müssen Sie sich bewusst sein, dass Naturkatastrophen von einer Sekunde auf die nächste ganze Wälder auslöschen und Ihre sicher prognostizierten Einnahmen vernichten können.

Biallo-Tipp: Wägen Sie die Risikohinweise und das Kleingedruckte von grünen Finanzangeboten am Grauen Kapitalmarkt genau ab.

Statt hochriskanter Anlageformen sollten Anleger, die gerne in eine nachhaltige Geldanlage mit Renditechance investieren möchten, lieber einen ethisch-ökologischen Fonds wählen. Allein in Deutschland sind davon bereits mehr als 400 am Markt erhältlich. Die Verbraucherzentrale Bremen stellt unter geld-bewegt.de eine Marktübersicht bereit.

Wer mit dem Thema nachhaltiges Investment oder generell mit dem Wertpapierhandel noch nicht vertraut ist, für den sind die digitalen Vermögensverwalter, die sogenannten Robo-Advisor, eine geeignete Alternative. Die Anbieter Liqid, Visualvest, Werthstein und Investify bieten Einsteigern die Möglichkeit, am Nachhaltigskeitstrend zu partizipieren. Mit deutlich geringeren Gebühren als in der traditionellen Vermögensverwaltung.




  Kerstin Weinzierl


 

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