Postbank Altersvorsorge: Garantiert null Prozent auf 26 Jahre

Test Anlageberatung Teil 3 Postbank Altersvorsorge: Garantiert null Prozent auf 26 Jahre

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
08.06.2017
Auf einen Blick
  • Die Redaktion von biallo.de hat die Anlageberatung von sechs Geldinstituten im Großraum München unter die Lupe genommen.
  • Die Postbank schneidet im Test nur mäßig ab. Die hohen Kosten der empfohlenen Anlageprodukte schmälern die Rendite.
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Morgens um kurz nach neun - leicht verspätet hetzen wir in eine Postbank-Filiale. Das Münchner Verkehrschaos hat mal wieder zugeschlagen. Die hochgewachsene Filialleiterin - eine Mittvierzigerin mit Pagenschnitt und adrettem Postbank-Kostüm - steht bereits in den Startlöchern. "Ich dachte schon, Sie hätten es sich anders überlegt", scherzt unsere gut gelaunte Beraterin und weist uns die Plätze zu.

Chaos in der Zentrale

Ein schlechtes Gewissen haben wir nicht. Schließlich wurde unser Termin im Vorfeld bereits zweimal verschoben. Grund: Ein Koordinationsfehler in der Bonner Zentrale. Denn Termine für die Filialberatung können nur telefonisch über das Postbank-Callcenter vereinbart werden. Und die Zentrale ist offensichtlich überfordert, alle Einsatzzeiten und verfügbaren Mitarbeiter in den Regionen unter einen Hut zu bekommen. Eigentlich wollte uns das Callcenter einen Spezialisten für Wertpapiere vermitteln.

"Jetzt müssen Sie mit mir Vorlieb nehmen", flachst die Filialleiterin. "Unser Wertpapierspezialist wird sich das nächste Mal um Sie kümmern. Ich kann Ihnen hoffentlich aber schon mal in Sachen Altersvorsorge weiterhelfen."

Diskretion lässt zu wünschen übrig

Der Raum ist in neongrelles Licht getaucht und nur mit Stellwänden vom Kundenverkehr des Post-Schalters abgetrennt - nach oben offen und hellhörig. Alles ein wenig unbehaglich, um diskrete Anlagegespräche zu führen. Persönliche Daten wie Gehalt, Rücklagen, Adresse etc. möchte man hier lieber nicht preisgeben.

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"Was haben Sie sich denn so vorgestellt?", fragt die Filialleiterin. Das Ziel ist klar: 50.000 Euro aus einer Erbschaft sollen gewinnbringend angelegt werden - 10.000 Euro sicher in ein Altersvorsorgeprodukt, um in 26 Jahren die Rente aufzubessern. 40.000 Euro mit höherem Risiko in Fondsprodukte, um in zehn Jahren vielleicht mal den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen.

Endstation Altersarmut?

Die Beraterin zeigt stolz ihr neues Rechentool. Der Computer spuckt für die Rente mit 67 eine monatliche Versorgungslücke von 1.327 Euro aus - fast die Hälfte des voraussichtlich letzten Nettogehalts ohne Berücksichtigung der Inflation. Diese Lücke gilt es - zumindest etwas - zu schließen. "Ich kann Ihnen die private Rentenversicherung unseres Partners PB Lebensversicherung empfehlen", sagt die Beraterin. Schnell wird einem klar: Mit einer Einmalzahlung von 10.000 Euro - so der ursprüngliche Plan - ist es nicht getan. Damit läge die garantierte monatliche Zusatzrente bei lediglich 26 Euro - inklusive Rentengarantiezeit von 15 Jahren.

Nur wer lang lebt, profitiert

Das wiederum würde sich allenfalls nur dann rentieren, wenn der Versicherungsnehmer mindestens 85 Jahre alt wird - die künftige Inflation noch gar nicht eingerechnet. Auch das Garantiekapital von 10.000 Euro bei Renteneintritt erscheint wenig verlockend. Das wäre so, als hätte man sein Geld 26 Jahre lang unter der Matratze deponiert.

Die Variante mit Beitragszahlungen sieht nicht viel besser aus. Bei einer monatlichen Einzahlung von 62,50 Euro beträgt die garantierte Rente 50,38 Euro. Das heißt, man müsste ebenfalls mindestens 85 Jahre alt werden, damit sich die Rentenversicherung rentiert. Natürlich spuckt der Computer auch die mögliche Gesamtrente aus: 94,80 Euro pro Monat. Allerdings mit dem Sternchen-Hinweis weiter unten, dass sich die in Aussicht gestellte Leistung auf die aktuellen Rechnungsgrundlagen und Überschussbeteiligungen bezieht. Eine Garantie, dass das auch in 26 Jahren so ist, gibt es nicht. So viel zum Produkt "PB Zukunft Sicherheit".

Mehr Rendite durch höheres Risiko

"Wenn Sie mehr Rendite möchten, können Sie die fondsgebundene Rentenversicherung wählen", empfiehlt die Postbank-Beraterin. Beim "PB Zukunft Depot" beträgt die mögliche Gesamtrente bei gleicher Beitragszahlung 105,77 Euro pro Monat - immerhin gut zehn Euro mehr als bei der klassischen Rentenversicherung. Allerdings gibt es auch ein Kursrisiko: "Wertminderungen bis hin zum Totalverlust können auch bei unplanmäßigen Veränderungen der Fonds entstehen", heißt es kleingedruckt im Produktinformationsblatt.

Die Bank verdient kräftig mit

Der Nachteil bei beiden Rentenversicherungen: Die laufenden Kosten zehren die Rendite auf. Allein die Abschlussgebühr beträgt 487,50 Euro. Die Verwaltungskosten summieren sich auf knapp 2.500 Euro. Bei der fondsgebundenen Rentenversicherung schlagen zusätzlich noch Kosten von 1,27 Prozent auf das gemangte Portfolio zu Buche. Ab Renteneintritt werden jährlich 2,0 Prozent der ausgezahlten Beträge fällig. Für den Abschluss des Versicherungsvertrags erhält die Postbank von der PB Lebensversicherung AG eine Vergütung in Höhe von bis zu fünf Prozent der Beitragssumme.

Vorzeitige Kündigung kann teuer werden

Die laufenden Kosten und die Provision erwähnt die Beraterin nicht explizit. Dafür weist sie ausdrücklich darauf hin, dass eine vorzeitige Kündigung des Vertrags mit Verlusten verbunden ist. So beträgt der garantierte Rückkaufswert beim "PB Zukunft Sicherheit" nach zehn Jahren nur 5.955 Euro, obwohl sich die Einzahlungen im gleichen Zeitraum auf 7.500 Euro belaufen. Beim "PB Zukunft Depot" liegt der mögliche Rückkaufswert bei 7.343 Euro, ist allerdings nicht garantiert.

"Keine Sorge, Sie müssen heute noch nichts unterschreiben – außer das Beratungsprotokoll", scherzt die Beraterin am Ende unseres eineinhalbstündigen Gesprächs. Eines muss man ihr lassen: Sie hat Humor!

Fazit

An der Beratung an sich war bei der Postbank nichts auszusetzen. Die Testperson wurde nicht dazu gedrängt, etwas abzuschließen. Die Beraterin hat sich ausreichend Zeit genommen, um alle Fragen fachkundig zu beantworten. Abzüge gibt es in puncto Terminkoordination und Kostentransparenz. Die vorgeschlagenen Altersvorsorgeprodukte der PB Lebensversicherung AG können nicht überzeugen. Die hohen Kosten zehren die Rendite auf. Wer 10.000 Euro sicher für die Rente anlegen und garantiert mehr als seinen Einsatz zurückerhalten will, ist beispielsweise mit einem Top-Anbieter in unserem Festgeld-Vergleich besser bedient.

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de