Postbank Fondsanlage: Kein Fonds schlägt den Gesamtmarkt

Test Anlageberatung Teil 6 Postbank Fondsanlage: Kein Fonds schlägt den Gesamtmarkt

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
19.06.2017
Auf einen Blick
  • In Teil 6 unserer Serie Anlageberatung testet biallo.de eine Filiale der Postbank.
  • Das Beratungsgespräch mit einem Wertpapierspezialisten verläuft mustergültig. Die ermittelte Anlagestrategie deckt sich mit dem Anlageprofil der Testperson.
  • Die empfohlenen Fonds sind akzeptabel, können ihre Vergleichsindizes allerdings nicht schlagen.
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Tag zwei unserer Anlageberatung bei der Postbank. Diesmal empfängt uns ein dynamischer junger Mann Mitte 30, leger in sportlichem Sakko und Jeans gekleidet, ohne Krawatte - unser Wertpapierspezialist. "Letztes Mal hat Ihnen meine Kollegin ja bereits verschiedene Altersvorsorgeprodukte vorgestellt. Heute geht es in die Vollen", sagt der junge Mann mit einem Augenzwinkern.

Der Berater legt uns den "Anlagekompass" auf den Tisch - ein Hochglanzprospekt der Postbank mit zahlreichen Fotos von gut aussehenden, strahlend glücklichen und überwiegend jungen Menschen, die neben den Fondsprodukten platziert sind. Das soll einem offenbar suggerieren, dass die Anlageberatung der Postbank das Leben einfach erfolgreicher und schöner macht.

Es wird persönlich

"Haben Sie schon Erfahrung mit Wertpapieren?" Nach ein paar Fragen über Vorkenntnisse, Einkommen, Vermögen und Ziele gibt unser Berater auch Persönliches von sich preis. Nach einer klassischen Bankausbildung hat er es zügig bis zum Filialleiter geschafft. Jetzt ist er Vertriebsmanager und studiert berufsbegleitend Bankbetriebswirt. Seine Bachelor-Arbeit schreibt er über Crowdfunding. "Das wird heute aber nicht unser Thema sein."

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Das Anlageprofil steht. Unsere Testperson hat bereits erste Erfahrungen im Wertpapierhandel gesammelt. Ob mit glücklichem Händchen, sei mal dahin gestellt. Die gewählte Anlagestrategie lautet "risikobewusst", der Anlagehorizont "langfristig". Ziel ist es, die verbleibenden 40.000 Euro aus einer Erbschaft mindestens zehn Jahre anzulegen. Dabei soll die Rendite deutlich über der Inflation liegen und die Gelder müssen im Notfall frei verfügbar sein.

Das "magische Dreieck"

"Da haben wir das magische Dreieck der Geldanlage!" Ehrfürchtig präsentiert uns der Berater eine Grafik auf Seite acht des Anlagekompasses. "Natürlich wünschen sich die meisten Anleger maximale Rendite bei minimalem Risiko und dass das Vermögen jederzeit in bar verfügbar ist. Aber das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert!" Genau wie die Filialleiterin ist offenbar auch der Vertriebsmanager der Postbank zu Scherzen aufgelegt.

Das "magische Dreieck" verdeutlicht auf anschauliche Weise: Je höher das Risiko, desto höher die Renditechance - was natürlich auch umgekehrt gilt. Und: Eine kurzfristige Verfügbarkeit des Kapitals geht meist zu Lasten der Rendite. Bei den anderen Eckpunkten im Dreieck - Sicherheit und Liquidität - ist kein Zielkonflikt erkennbar.

 

Empfehlung per Algorithmus

Gemäß den Angaben im Fragebogen schlägt der Computer eine risikooptimierte Depotstruktur vor: 6.000 Euro sollen etwas defensiver beziehungsweise wachstumsorientiert angelegt werden. Der Hauptteil - 28.000 Euro - fließt in risikobewusste Fonds und weitere 6.000 Euro werden spekulativ investiert. "Das A und O der erfolgreichen Geldanlage ist eine optimale Diversifikation. Indem Sie Ihr Risiko breit streuen, erhöhen Sie Ihre Renditechancen", erklärt der Berater.

Die Empfehlungen im Detail
Wachstumsorientiert

Allianz Dynamic Multi Asset Strategy 15 - Empfehlungsbetrag 6.000 Euro: Der defensive Mischfonds investiert als Basis in mittelfristige Euro-Anleihen. Maximal 35 Prozent des Fondsvermögens dürfen in globale Aktien und bis zu 40 Prozent in thematische Beimischungen wie etwa Schwellenländer- und Hochzinsanleihen, REITs (Immobilienaktien) oder Private Equity (Beteiligungsgesellschaften) angelegt werden. Wertzuwachs im vergangenen Jahr: 3,8 Prozent. Fondstyp: ausschüttend.

Risikobewusst

Deutsche Concept Kaldemorgen - Empfehlungsbetrag 20.000 Euro: Der Multi-Asset-Fonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS wird von Starfondsmanager Klaus Kaldemorgen gesteuert. Das globale Portfolio umfasst Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Währungen in Verbindung mit Währungs- und Absicherungsstrategien in Form von derivativen Finanzprodukten. Wertzuwachs im vergangenen Jahr: 7,0 Prozent. Fondstyp: ausschüttend.

DWS Top Dividende - Empfehlungsbetrag 8.000 Euro: Der Klassiker unter den Dividendenfonds. Das Portfolio beinhaltet ausschließlich Aktien global etablierter Unternehmen, die eine hohe Dividendenrendite, kontinuierliches Dividendenwachstum sowie Kursgewinne in Aussicht stellen. Fondstyp: ausschüttend. Wertzuwachs im vergangenen Jahr: 7,3 Prozent. Fondstyp: ausschüttend.

Spekulativ

DWS Top Asien - Empfehlungsbetrag 3.000 Euro: Der Fonds investiert in Qualitätsaktien mit starker Marktstellung und solider Finanzbasis im asiatisch-pazifischen Raum. Dabei liegt der Fokus auf einer langfristig guten Ertragslage und überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten. Wertzuwachs im vergangenen Jahr: 6,7 Prozent. Fondstyp: thesaurierend.

DWS US Growth - Empfehlungsbetrag 3.000 Euro: Der Aktienfonds legt seinen Schwerpunkt auf US-amerikanische Aktien mit leichter Tendenz zu Wachstumswerten. Das Portfolio umfasst nicht nur die ganz großen Werte (Blue Chips), sondern auch Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung (Mid Caps). Zusätzlich können kanadische und mexikanische Aktien beigemischt werden. Wertzuwachs im vergangenen Jahr: 9,5 Prozent. Fondstyp: ausschüttend.

Biallo-Tipp: Wenn Sie auf den entsprechenden Link klicken, können Sie über unseren Kooperationspartner Fondsdiscount ein Angebot einholen, um den jeweiligen Fonds ohne Ausgabeaufschlag und Depotgebühren zu kaufen. Durch Eingabe ihrer Daten in das Formular schließen Sie noch nichts ab. 

Indexfonds performen besser

Alle vorgeschlagenen Fonds erzielten in den vergangenen fünf Jahren eine positive Rendite, was angesichts der fulminanten Rally an den Aktienmärkten auch keine Überraschung ist. Der Vergleich mit den jeweiligen Benchmarks zeigt jedoch, dass kein Fonds den Gesamtmarkt schlagen konnte.

Die Fonds DWS Top Dividende, DWS Top Asien und Allianz Dynamic Multi Asset Strategy 15 liegen zumindest auf Augenhöhe mit ihren Vergleichsindizes. Die Abschläge belaufen sich auf drei bis vier Prozent. Der DWS US Growth weist gegenüber seiner Benchmark - dem Russell 1000 Growth - eine Underperformance von knapp sechs Prozent auf.

Beim Deutsche Concept Kaldemorgen gibt es keinen geeigneten Vergleichsindex, da der Fonds auf unterschiedliche Anlageklassen setzt. Trotzdem sei an dieser Stelle erwähnt, dass Anleger etwa mit einem ETF auf den MSCI World Index in den vergangenen fünf Jahren fast 75 Prozent mehr Performance erzielt hätten - mit weniger Gebühren.

Biallo-Tipp

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Keine Benchmark im Fondsportrait

Die Wertentwicklung der Fonds wird im Anlagekompass der Postbank nicht mit den jeweiligen Vergleichsindizes abgebildet. Das muss die Testperson im Internet zu Hause recherchieren. Was in den Fondsporträts ausgewiesen ist und sofort ins Auge sticht, sind die Kosten. "Sie haben Glück. Derzeit haben wir bei vielen Fonds einen Discount auf den Ausgabeaufschlag", erwähnt unser Berater.

Statt 5,26 Prozent verlangt die Postbank etwa beim Deutsche Concept Kaldemorgen nur 3,0 Prozent vom Nettoanlagebetrag. Bei einer Einmalanlage von 20.000 Euro sind das aber immer noch 582,50 Euro, die über die Performance erst mal wieder reingeholt werden müssen.

Hinzu kommen noch die laufenden Kosten. Diese machten beim Kaldemorgen-Fonds im vergangenen Jahr 1,59 Prozent aus. Daneben fielen noch erfolgsabhängige Gebühren von 1,04 Prozent und Transaktionskosten an. Letztere wurden im Jahresbericht nicht gesondert ausgewiesen.

Satte Provisionen für die Postbank

Der Postbank fließen der Ausgabeaufschlag sowie ein Teil der Verwaltungsvergütung zu. Bereits am Anfang unseres Gesprächs hat der Berater darauf hingewiesen, dass die Postbank eine Anlageberatung ausschließlich provisionsbasiert durchführt.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
Siemens Global Growth
DE0009772657
19,95%
2.
Apus Capital Revalue Fonds
DE000A1H44E3
19,71%
3.
Morgan Stanley Gl. Opport. Fd. AH EUR
LU0552385618
18,96%
Laufzeit: 5 Jahre

Der Deutsche Concept Kaldemorgen nimmt die größte Position im vorgeschlagenen Portfolio ein. Die Rückvergütung ist mit 0,75 Prozent die höchste unter den Fonds. Bei 20.000 Euro Volumen beläuft sich die Bestandsprovision damit auf 150 Euro pro Jahr. Nimmt man die restlichen Fonds noch dazu, kassiert die Postbank jährlich 265 Euro - Tendenz steigend, denn der Depotwert sollte über die Jahre ja ebenfalls steigen.

Keine Empfehlung für ETFs

"Haben Sie auch ETFs im Angebot?" Die Frage irritiert den Postbank-Berater ein wenig. Doch die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: "ETFs dürfen wir von uns aus leider nicht empfehlen, aber wenn Sie mit einem konkreten Produkt auf mich zukommen, kann ich Ihnen das schon ins Depot buchen."

Nach einer kurzen Abhandlung über Vor- und Nachteile von börsengehandelten Indexfonds wird der Wertpapierspezialist schließlich metaphorisch: "Im Endeffekt ist es mit ETFs wie mit einem Flugzeug, das im Autopilot-Modus fliegt. Bei Turbulenzen möchten Sie doch auch, dass sich der Kapitän wieder ans Steuer setzt."

Fazit

Der Anlageberater der Postbank klärte die Testperson ausführlich über Chancen und Risiken der Fondsanlage im Allgemeinen und der oben empfohlenen Produkte auf. Die Provisionen, die der Postbank zufließen, wurden transparent dargestellt. Das Beratungsprotokoll gibt den Gesprächsverlauf korrekt wieder. Empfehlungen und Anlagestrategie decken sich mit dem Anlageprofil der Testperson. Abzüge gibt es, dass die Postbank keine ETFs in ihrer Anlageberatung berücksichtigt und nicht komplett auf die Ausgabeaufschläge verzichtet. Die günstigere Kostenstruktur und bessere Performance von Indexfonds würden sich positiv auf die jährliche Rendite auswirken.

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de