Geldpolitik

Robert Halver zur EZB: "Leitzinsen bleiben bei null zementiert"

Update: 13.12.2019
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Auf einen Blick
  • Auch unter ihrer neuen Chefin Christine Lagarde setzt die Europäischen Zentralbank ihre Politik der Nullzinsen und des billigen Geldes fort.

  • Die Zinswende sei damit "so unwahrscheinlich wie fehlende Weihnachtsgeschenke auf dem Gabentisch", sagt Experte Robert Halver.

  • Auch in den USA wird es 2020 keine Veränderung bei den Zinsen geben. Sparer müssen sich daher nach Anlagealternativen umsehen.
Neuer Stil, gleiche Strategie: EZB-Chefin Christine Lagarde hält an der lockeren Geldpolitik ihres Vorgängers Mario Draghi fest.
Alexandros Michailidis / Shutterstock.com

Eines möchte Christine Lagarde auf jeden Fall anders machen als ihr Vorgänger Mario Draghi: Rätselhafte Äußerungen zur Geldpolitik sollen künftig der Vergangenheit angehören. Das machte die neue Chefin der Europäischen Zentralbank bei ihrer ersten Pressekonferenz deutlich. Klare Aussagen, klare Kommunikation – so lautet das Credo der 63-jährigen Französin. Anders als ihr Vorgänger Draghi: Dessen Aussagen gaben Journalisten und Finanzmarktteilnehmern oft reichlich Raum zum Rätselraten.

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Der Stil soll bei der EZB also künftig ein anderer sein. Die Strategie allerdings bleibt bis auf weiteres gleich: Auch Lagarde wird die ultralockere Geldpolitik der Notenbank fortsetzen. Das bedeutet: Der Leitzins bleibt bei Null Prozent, wo er bereits seit März 2016 steht. Die Geschäftsbanken müssen weiterhin 0,5 Prozent Negativzinsen zahlen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken wollen. Und die Zentralbank pumpt weiterhin Geld über Anleihekäufe in den Markt. Eine Zinswende sei damit bis auf weiteres "so unwahrscheinlich wie fehlende Weihnachtsgeschenke auf dem Gabentisch", kommentiert Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, die Ankündigungen der Notenbank-Chefin.

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Zinswende bleibt in weiter Ferne

Als Begründung für ihre Nullzins-Politik führte die EZB die schwachen Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre an. Das billige Geld soll helfen, die Wirtschaft anzukurbeln. Gleichzeitig rechnet die Zentralbank auf Jahre hinaus nicht damit, ihr Inflationsziel von 2,0 Prozent in der Eurozone zu erreichen: Bis 2022 soll die Teuerung leicht anziehen und dann bei 1,6 Prozent liegen. Man sei damit "noch auf Jahre so weit weg vom Inflationsziel, dass die Leitzinsen bei null zementiert bleiben", meint Kapitalmarktexperte Halver.

Ähnlich wie die EZB hatte zuvor auch die amerikanische Notenbank "Fed" argumentiert. Risiken für den Aufschwung und eine vergleichsweise moderate Teuerung veranlassten die Fed, den Leitzins unverändert auf der Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent zu lassen. Dort soll er auch eine Weile bleiben: Für das kommende Jahr seien keine weiteren Veränderungen geplant, machte der für die Zinsentscheidungen zuständige Offenmarktausschuss der Fed deutlich. Für die zinspolitische Abstinenz der Fed spricht darüber hinaus, dass in den USA im kommenden Jahr ein neuer Präsident gewählt wird. Traditionell hält sich die Notenbank dann mit zinspolitischen Schritten zurück, da sie die Wirtschaft beeinflussen könnten.

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Sparer müssen mit Nullzinsen leben

Für Sparer bedeutet das, dass sie auch künftig mit Nullzinsen leben müssen. Wer mehr Rendite erzielen möchte, muss sich nach anderen Anlagemöglichkeiten umsehen. Immerhin: Die jüngsten Konjunkturindikatoren wie der ZEW-Index und der Ifo-Index zeigen nach Angaben von Baader Bank-Experte Halver eine zaghafte Besserung an. Dies festige die Aktienmärkte. Ein Risiko für Anleger sei aber nach wie vor der unsichere Ausgang des Handelskonflikts zwischen China und den USA.




  Andreas Jalsovec


 

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