Rohstoff-Experte zum Goldpreis: "Ein Zeichen relativer Stärke"

Edelmetalle Rohstoff-Experte zum Goldpreis: "Ein Zeichen relativer Stärke"

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
13.02.2018
Auf einen Blick
  • Trotz der jüngsten Turbulenzen an den Börsen bleibt der Goldpreis stabil.

  • Seit Jahresanfang hat der Goldpreis in Euro gerechnet knapp ein Prozent verloren, in US-Dollar gerechnet dagegen knapp zwei Prozent gewonnen.

  • Nach Einschätzung von Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank, dürfte der Goldpreis im nächsten Jahr auf mehr als 1.400 US-Dollar je Unze steigen.
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Der "Flash-Crash" am 5. Februar sorgte für viel Verunsicherung bei Anlegern – zeitweise herrschte an der Wall Street Panik. Innerhalb weniger Tage haben die Börsen-Leitindizes Dow Jones und Dax mehr als zehn Prozent verloren. Der Goldpreis zeigte sich dagegen von den Turbulenzen nahezu unbeeindruckt.

"Auf den jüngsten Preisverfall hat der Goldpreis insbesondere gemessen in Euro sehr stoisch reagiert", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Man dürfe auch nicht vergessen, dass der Preisanstieg in den vergangen Monaten auch stärker spekulativ getrieben war. "Deshalb ist es ein Zeichen von relativer Stärke, dass der Goldpreis recht stabil geblieben war", erklärt der Experte.

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Steigende Zinsen: Gift für den Goldpreis?

Eine der wohl am häufigsten zitierten Faustregeln in der Finanzwelt: Steigen die Zinsen, ist das schlecht für den Goldpreis. Denn der Zinsanstieg lässt Anleihen und andere Bankanlagen attraktiver werden, was Anleger veranlasst, Geld aus dem Edelmetall abzuziehen.

Vor allem wenn die US-Notenbank Fed den Leitzins anhebt, wird oft argumentiert, sollte das den Goldpreis unter Druck setzten. Denn dadurch gewinnt der US-Dollar an Attraktivität, sprich, er verteuert sich. Und da der Goldpreis in Dollar notiert, verteuert sich auch das Goldinvestment für Anleger außerhalb der USA, die Nachfrage sollte also sinken. Soweit die Theorie, die aber durch die Realität der vergangenen Monate widerlegt wurde.

"Der nominale Zins ist in Wirklichkeit nicht allzu wichtig. So hat die US-Notenbank in den Jahren 2004 bis 2006 die Zinsen von einem auf über fünf Prozent pro Jahr angehoben und trotzdem ist der Goldpreis um 60 Prozent gestiegen."

Der Grund: Die ebenfalls steigende Inflation. "Also ist die Entwicklung der sogenannten Realzinsen, also die Differenz von Nominalzinsen und Inflation, für den Goldpreis entscheidend. Diese sind weltweit weiterhin gering." Sollte es allerdings zu einem überraschenden Anstieg der Inflation kommen, würde sich das Umfeld für Gold deutlich verbessern.

Zinserhöhungen sind also nicht zu verwechseln mit hohen Zinsen. Auch in den USA sind die Realzinsen trotz des gestiegenen Leitzinses extrem gering, der Inflation von zuletzt 2,1 Prozent sei Dank.

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Wie wird sich der Goldpreis 2018 entwickeln?

Für das Jahr 2018 könnte dem Edelmetall ein positives Wachstum gelingen. So geht etwa Rohstoff-Experte Weinberg davon aus, dass der Goldpreis im Laufe des Jahres auf mehr als 1.400 US-Dollar je Feinunze steigen könnte. "Das ist aber eine Momentaufnahme und kann sich im Laufe des Jahres ändern", stellt Weinberg klar.

"Gold ist in unseren Augen kein Rohstoff, dessen Wert man nach den Produktionskosten oder der Schmucknachfrage messen kann, sondern ein monetäres Asset, dessen Wert sich nach den üblichen ‚Gier und Angst-Faktoren' an den Finanzmärkten richtet. Damit hängt die künftige Goldpreisentwicklung vor allem von der Entwicklung des US-Dollar, der Zinsen und Aktienmärkte ab."

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
75,00
0,75%
2.
70,00
0,70%
3.
60,00
0,60%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate

Gold als Inflations- und Krisenschutz

Was sich alle potenzielle Goldanleger vor Augen halten müssen: Im Gegensatz zu anderen Anlageklassen bietet Gold keine Verzinsung, das primäre Investmentziel ist der reine Kapitalerhalt. "Das ist auch der eigentliche Grund für ein Goldinvestment. Nicht die Vermehrung, sondern der Schutz des Kapitals", erklärt Weinberg.

Viele Menschen kaufen Gold, weil sie Angst vor einer steigenden Inflation oder eine Finanzkrise haben. Anders als Bargeld oder Zinsanlagen behält es in einer Wirtschaftskrise mit Hyperinflation und Währungsreform einen Wert.

Gold als Geldanlage

Seit seinem Allzeithoch von 1.900 US-Dollar im September 2011 befindet sich der Goldpreis im Abwärtstrend. Anleger verloren auf US-Dollar-Basis über die vergangenen sechs Jahre 15 Prozent. Und das trotz Euro-Krise und ultralockerer Geldpolitik. Dennoch: Seit dem Zwischentief am 3. Dezember 2015 bei 1.046 US-Dollar liegt der Goldpreis fast 30 Prozent im Plus.

Auch die Experten der US-Investmentbank JP Morgan sehen eine enge negative Korrelation zwischen Realrenditen und Goldpreis. "Ob der Realzins in 2018 fällt und sich für Gold in eine vorteilhafte Richtung bewegt, hängt von zwei Faktoren ab: Erstens, wohin bewegen sich die Nominalrenditen der US-Treasuries, und zweitens, wie entwickelt sich die Inflation", sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt.

Im Moment ziehen die Nominalrenditen in den USA an. Als Gründe nennt Galler den graduellen Rückzug der US-Notenbank aus den Staatsanleihekäufen und das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Da die Inflation ebenfalls leicht steigen dürfte, sollte der Realzins – also die Differenz von Nominalzins und Inflation – laut JP Morgan relativ konstant bleiben. Erst wenn die Inflation stärker als erwartet anziehe, würde sich das Umfeld für Gold deutlich verbessern. "Anleger, die keinen kräftigen Anstieg der Inflation erwarten, sollten dementsprechend auch 2018 die Jagd nach Gold den Athleten überlassen", rät Galler.

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Biallo-Tipp

Gold gehört als Inflations- und Krisenschutz in jedes gut diversifizierte Depot. Biallo.de empfiehlt je nach Risikoneigung eine Beimischung von physischem Gold in Höhe von fünf bis zehn Prozent.

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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