Anleihe-Investment: Zins ist nicht gleich Rendite

Anleihen Anleihe-Investment: Zins ist nicht gleich Rendite

von Peter Hermann
19.07.2018
Auf einen Blick
  • Deutsche Anleger lieben sichere Investments wie Bundesobligationen und andere Anleihen. Dafür nehmen sie selbst dürftige Renditen in Kauf.

  • Bei der Berechnung der Rendite einer Anleihe kommt es nicht nur auf den Nominalzins an. Auch die Laufzeit sowie der Kauf- bzw. Verkaufskurs wirken sich auf den effektiven Gewinn aus.
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Anleihe-Investments gehören zu den beliebtesten Anlageklassen überhaupt. Nach einer Studie des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) verzeichneten allein Rentenfonds in Deutschland im vergangenen Jahr Mittelzuflüsse in Höhe von 20,7 Milliarden Euro – 2,5 Milliarden Euro mehr als Aktienfonds. Hierzulande scheint das Sicherheitsbedürfnis von Anlegern grenzenlos zu sein. Trotz der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Das rührt vielleicht daher, dass festverzinsliche Anleihen wie beispielsweise Bundesschatzbriefe über lange Zeiträume hinweg verlässliche Renditegaranten gewesen sind. Derzeit rentieren zehnjährige Bundesanleihen allerdings nur noch mit knapp 0,3 Prozent. Bei einer Inflationsrate von aktuell 2,1 Prozent erzielt der Anleger damit einen Realverlust von 1,8 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Kursveränderung bei einem Verkauf vor Laufzeitende.

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Wie sich der Kurs auf die Rendite auswirkt

Die Rendite einer Anleihe ist nicht mit dem Zinskupon (Nominalzins) zu verwechseln. Denn Erstere verändert sich stetig aufgrund der Kursschwankung, da Anleihen oder Bonds in der Regel über die Börse gehandelt werden und der Kauf- bzw. Verkaufskurs sowie die Laufzeit sich deutlich auf die Rendite auswirken.

Der Kurswert einer Anleihe wird nicht in Euro, sondern in Prozent des Nominalwerts – auch Nennwert genannt – ausgedrückt. Bei Bundesanleihen beträgt der Nennwert pro Teilschuldverschreibung 100 Euro. Diesen Betrag muss der Anleihe-Zeichner dem Emittenten – in dem Fall dem Staat Deutschland – bezahlen.

Steigt das Papier nach der Emission beispielsweise um fünf Prozent, notiert der Kurs bei 105 Prozent. Das Papier hat somit einen Wert von 105 Euro – ohne Berücksichtigung des Zinskupons. Würde der Zeichner das Papier zu diesem Zeitpunkt wieder verkaufen, läge der Kursgewinn bei fünf Prozent.

Der nächste Käufer wiederum muss fünf Euro mehr als den Nennwert auf den Tisch legen. Da der Rückzahlungskurs des Emittenten bei Laufzeitende immer der Nennwert ist, kann der Käufer seinen höheren Einsatz nur über die jährlichen Zinszahlungen wettmachen, außer er verkauft das Papier wieder zu einem höheren Kurs weiter. Allerdings besteht hier natürlich das Risiko fallender Kurse.

Anleger sollten sich deshalb von der Höhe des Zinskupons nicht blenden lassen, sondern immer auch den Kurs berücksichtigen. Liegt der Nominalzins einer Anleihe beispielsweise bei 3,5 Prozent und der Kaufkurs beträgt 105 Prozent, ergibt sich für den Investor nur noch eine laufende Verzinsung von 3,33 Prozent pro Jahr auf sein eingesetztes Kapital.

Die Berechnung lautet wie folgt: (Zinssatz x 100) / Kurswert = laufende Verzinsung. Bei einem Kaufkurs von 95 Prozent würde die laufende Verzinsung in dem Beispiel 3,68 Prozent betragen.

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Das sagt aber alles noch nichts über die tatsächlich erzielte Rendite beziehungsweise Effektivverzinsung aus. Denn hier fließen neben Kaufkurs und Nominalverzinsung auch der Rückzahlungskurs und die Laufzeit der Anlage mit ein.

Zurück zu unserem Beispiel: Bei einem Kaufkurs von 105 Prozent und einer Nominalverzinsung von 3,5 Prozent entschließt sich der Investor, das Papier nach zwei Jahren zu einem Kurs von 130 Prozent zu verkaufen. Damit beläuft sich die Rendite bzw. Effektivverzinsung auf 15,24 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Transaktionskosten.

Die Formel dafür lautet: {Nominalzins + [(Verkaufskurs – Kaufkurs) / Laufzeit]} / Kaufkurs x 100 = Rendite.

Wenn der Investor seine Anleihe allerdings nach zwei Jahren nur zu einem Kurs von 99 Prozent verkaufen könnte, läge die Effektivrendite nur noch bei 0,48 Prozent pro Jahr.

Warum steigende Zinsen für Anleiheanleger eher ungünstig sind

In den USA hat die Notenbank bereits damit begonnen, die Zinsschraube noch oben zu drehen. Damit ist ähnliches auch auf mittlere Sicht für Europa zu erwarten. In Zeiten steigender Zinsen (auch leicht steigender Zinsen) müssen Anleiheanleger immer damit rechnen, dass sich die Kurse ihrer Investments verschlechtern, da immer wieder neue Anleihen herausgegeben werden, die einen höheren Nominalzins ausweisen als die vorher erworbenen.

In solchen Phasen bieten auch Anleihefonds keine echte Alternative, weil deren Manager vor den gleichen Problemen stehen wie Anleger von entsprechenden Einzelinvestments. Immer mehr Experten warnen zudem vor einem Crash an den Anleihemärkten, vor allem, da die EZB ihr Anleihekaufprogramm bis spätestens Ende des Jahres beendet.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de