Severin Freund: Überflieger mit Bodenhaftung

Wie viel verdient eigentlich ...? Severin Freund: Überflieger mit Bodenhaftung

Lars Becker
von Lars Becker
25.01.2017
Auf einen Blick
  • Skisprung-Weltmeister Serverin Freund zählt zu den Topverdienern im deutschen Wintersport.
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Im vergangenen Jahr eine Hüftoperation, jetzt gerade eine Knieoperation – Skisprung-Weltmeister Severin Freund erlebt gerade eine der schwierigsten Phasen seiner Karriere. Da ist es geradezu perfekt, wenn man eine Krankenkasse als einen der wichtigsten Sponsoren hat. Nicht zuallererst wegen der Krankheitskosten – hier dürfte auch eine private Unfallversicherung als Absicherung helfen – sondern vor allem wegen der garantierten Einnahmen.

36.100 Schweizer Franken Prämien

Erfolgs-Prämien wird Severin Freund in diesem Winter – bisher hat er in den Weltcups 36.100 Schweizer Franken (etwa 33.600 Euro) verdient - nämlich nicht mehr kassieren. Sechs Monate Wettkampfpause sind garantiert. „Die Verletzung ist, so kurz vor den Weltmeisterschaften, natürlich extrem ärgerlich. Mein Ziel war es, meinen Titel in Lahti zu verteidigen, was nun leider nicht mehr möglich ist. Ich habe in meiner Karriere schon einige Rückschläge weggesteckt und weiß damit umzugehen. Ich werde in den nächsten Monaten konzentriert in der Rehabilitation arbeiten und mich dann auf die Olympiasaison vorbereiten.“

Preisgelder pro Saison

Der Einkommensverlust in diesem Winter durch nicht so starke Leistungen (nur ein Sieg) und die Verletzung ist enorm: In der vergangenen Weltcup-Saison hatte Severin Freund noch 169.500 Schweizer Franken (gut 157.800 Euro) an Prämien vom Internationalen Skiverband FIS eingestrichen. Im Winter zuvor waren es trotz zwei Weltmeister-Titeln und dem Gesamtweltcup-Sieg mit 198.900 Schweizer Franken (knapp 185.200 Euro) nur unwesentlich mehr.

Zum Vergleich: Als Sven Hannawald vor 15 Jahren seinen historischen Grand-Slam-Sieg bei der Vierschanzentournee feierte, kassierte er allein bei den vier Springen 330.000 Euro. Zu den Preisgeldern kamen damals noch Prämien vom Deutschen Skiverband (DSV), die es in dieser Form heute nicht mehr gibt. Aber auch wenn es wie jetzt gerade sportlich nicht so gut läuft, kann Severin Freund gut von seinem Sport leben.

Einbußen durch Verletzung

Die wichtigsten Sponsoren sind neben der Krankenkasse IKK Classic der Waffelhersteller Manner und Ausrüster wie Fischer (Ski) und Uvex (Helm & Brille). Bei fast allen gibt es neben einer Grundprämie erfolgsabhängige Zahlungen. Das bedeutet: Die Verletzung kostet Severin Freund.

Aber Sorgen muss man sich deshalb nicht um ihn machen. Freund arbeitet mit allen Partnern langfristig zusammen, für seine beiden Hauptgeldgeber war er auch in TV-Spots zu sehen. In der Boomzeit des Skispringens kamen Martin Schmitt und Sven Hannawald kumuliert auf Millioneneinnahmen. Schmitt ist heute Gesellschafter der Agentur ASP SPORTS, die Freund vermarktet. Insgesamt kann er in einem guten Winter geschätzt über 500.000 Euro pro Jahr verdienen – vor Steuer. Die Verletzung jetzt kostet ihn allerdings viele Erfolgsprämien, die er sich bei der Weltmeisterschaft in Lahti (22. Februar bis 5. März) hätte sichern können.

Das hat der Weltmeister-Titel verändert

Vor zwei Jahren wurde Freund zweimal Weltmeister und gewann den Gesamtweltcup. Das hat sich in verbesserten Verträgen bezahlt gemacht. „Wir hätten einen schlechten Job gemacht, wenn sich das finanziell nicht niederschlagen würde“, sagt sein Manager Hubert Schiffmann. In Sachen Beliebtheit ist Severin Freund in den meisten Umfragen die Nummer 2 der aktiven deutschen Wintersportler hinter Alpin-Star Felix Neureuther. Seit diesem Winter hat Severin Freund in seinen Social-Media-Kanälen (fast 90.000 Likes bei Facebook ) auch seinen eigenen Hashtag: #SFly.

"Eher der Sparertyp"

Geld ist für Freund allerdings nicht das Wichtigste im Leben: „Wir können uns sicher nicht beschweren, auch wenn es Wintersportarten gibt, in denen deutlich mehr geht. Natürlich ist es schön, mit seiner Leidenschaft Geld zu verdienen, aber es ist nicht das Entscheidende. Mir sind die Erlebnisse wichtiger als das Geld. Ich bin generell eher der Sparertyp. Als Leistungssportler hast du keine extremen Kosten und die Zeit der Karriere ist begrenzt: Deshalb solltest du etwas auf der hohen Kante haben. Finanziell ausgesorgt werde ich am Ende meiner Karriere aber mit Sicherheit nicht haben.“

Freund will nicht mit Fußball-Millionären tauschen

Das ist bei Fußballern anders. In der chinesischen Fußball-Liga werden Topstars mit astronomischen Gehältern von bis zu 100.000 Euro pro Tag (!) geködert. Bayern-München-Fan Freund will aber nicht tauschen: „Die 90 Minuten beim Fußball sind cool. Das Davor und Danach finde ich aber nicht so cool. Ob Transfergerüchte oder Verletzungen: Alles wird enorm wichtig genommen. So, als wenn es weltentscheidend wäre. Dabei geht es doch nur um Sport.“

Nach der Karriere

Severin Freund studiert parallel zu seiner sportlichen Karriere International Management an der Hochschule Ansbach. „Ich studiere ja schon länger nebenbei, aber ich kann noch nicht sagen, wo es mich danach hinverschlägt. Für manche ist es gut, dass sie einen Masterplan haben, aber ich bin derzeit Skispringer und das mache ich zu 100 Prozent. Ich brauche keinen Notnagel, ich werde danach schon eine neue spannende Aufgabe finden. Ich habe ja 2016 auch geheiratet und möchte grundsätzlich Kids haben“, so Freund.

Über seine Planungen für die Zukunft kann er sich jetzt in der Verletzungsphase Gedanken machen. Dann bereitet er sich auf Olympia 2018 in Pyeongchang (Südkorea) vor. Dort gibt es übrigens für eine Goldmedaille 20.000 Euro von der Sporthilfe – und wesentlich mehr von den Sponsoren.

Biallo-Serie

Wie viel verdient eigentlich ....? In unserer neuen Serie stellen wir Ihnen in loser Folge Sportler und andere Prominente vor. Lesen Sie auch:

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Johannes Lochner: Europameister umkurvt finanzielle Hindernisse

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de