Sportwetten: Milliardenmarkt in der Grauzone

Sportwetten-Serie Teil 1 Sportwetten: Milliardenmarkt in der Grauzone

von Lars Becker
11.09.2017
Auf einen Blick
  • Laut dem Bundesministerium für Finanzen wurden 2016 rund 300 Millionen Euro an Sportwettsteuer an den Fiskus gezahlt.

  • Eigentlich befinden sich Sportwetten - abgesehen vom Lotto-Anbieter Oddset - in einer rechtlichen Grauzone.
  • Anfang dieses Jahres wurde von den Ministerpräsidenten der Länder der "Zweite Glücksspieländerungsstaatsvertrag" unterschrieben, der am 1. Januar 2018 in Kraft treten soll.

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"Ihre Wette in sicheren Händen" – Titan Oliver Kahn wirbt flächendeckend für einen Wettanbieter. Dieser ist auch Sponsor bei Fußball-Rekordmeister Bayern München. Das zeigt schon, wie viel Geld in die Kassen der Sportwettanbieter gespült wird.

Im Jahr 2016 wurden laut Bundesministerium der Finanzen 307 Millionen Euro Sportwettsteuer (2015: 240 Millionen Euro) an den Fiskus abgeführt. Diese beträgt fünf Prozent – damit kann man von gut sechs Milliarden Euro Zocker-Umsatz im vergangenen Jahr in Deutschland ausgehen - mindestens.

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Sportwetten sind eigentlich illegal

Eigentlich sind Sportwetten hierzulande - bis auf die beim staatlichen Lotto-Anbieter Oddset, der allerdings wirtschaftlich wenig Bedeutung hat - zumindest formalrechtlich nicht erlaubt. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag aus dem Jahr 2012, mit dem 20 Lizenzen an private Anbieter vergeben werden sollten, wurde vom Europäischen Gerichtshof gekippt.

Anfang dieses Jahres wurde von den Ministerpräsidenten der Länder der "Zweite Glücksspieländerungsstaatsvertrag" unterschrieben, der künftig eine qualitative Lizenzierung von Sportwettanbietern in Deutschland vorsieht. Damit könnten die Zocker ab 2018 rechtlich aus der Grauzone kommen.

Glücksritter werden rechtlich nicht verfolgt

Bisher haben die großen Sportwettanbieter nämlich zumeist EU-Lizenzen aus Malta oder Gibraltar. In den AGBs wird darauf verwiesen, dass sich die Nutzer über rechtliche Bedingungen in ihren Heimatländern informieren müssen und die Anbieter nicht für etwaige Verstöße haftbar gemacht werden können. Online-Sportzocker werden aber in Deutschland ohnehin rechtlich nicht verfolgt, da EU-Lizenzen auch EU-weit gelten dürften.

Die einzige Bedingung: Man muss mindestens 18 Jahre alt sein. Rechtlich verfolgt werden höchstens illegale Buchmacher. Es gibt neben den als seriös eingestuften großen Firmen wie "Bet365", "Tipico", "Interwetten", "Bet-at-home", "Betvictor", "William Hill", "Ladbrokes", "Betfair", "Unibet" oder "Betsson" nämlich auch schwarze Schafe in der Szene.

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Geldeingang 1.000 €, niedrigster Kontostand 500 €

Wettbüro versus Online-Wetten

Nicht nur bei Online-Wetten kann man seinen Tipp platzieren, auch stationäre Wettstuben sind bei Glücksspielern beliebt. Und auch hier spielen Online-Wettanbieter wie "Tipico" mit etwa 750 Geschäftsstellen in Deutschland, "MyBet" oder "Bet3000" eine Hauptrolle. Es gibt aber auch noch kleine unabhängige Wettstuben.

Der Vorteil in den stationären Wettstuben gegenüber der Online-Variante: Hier kann man sich oft auf großen Bildschirmen viele Sportereignisse parallel live anschauen und gleich darauf wetten. Zudem erhält man beim Austausch mit anderen Zockern vielleicht den einen oder anderen guten Tipp.

Bei der Auswahl eines Wettbüros sollten Glücksritter darauf achten, dass es ein breites Wettangebot bietet – und dass nicht zuletzt der Wohlfühlfaktor stimmt. Im Vergleich dazu bieten Online-Wetten natürlich viele Vorteile wie die völlige zeitliche und örtliche Flexibilität.

Neues Gesetz gegen Manipulationen

Auch Spielmanipulationen sind spätestens seit dem Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer aus dem Jahr 2005 und dem Prozess gegen den Wettpaten Ante Sapina ein Thema und schaden der Reputation der Sportwett-Szene.

Seit März sorgt allerdings ein neues Gesetz zur Strafbarkeit von Wettbetrug und Spielmanipulationen für mehr Abschreckung. Sportlern, Trainern und Schiedsrichtern drohen bei Wettmanipulationen künftig bis zu drei Jahren Gefängnis, in besonders schweren Fällen ist auch eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren möglich.

Bessere Überwachung

Matthias Dahms, Chef des Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV) begrüßt das: "Sportwetten sind für die Verbraucher nur dann ein attraktives Freizeitangebot, wenn diese auf die Unverfälschtheit und Glaubwürdigkeit des Sports vertrauen können. Jeder Sportwettanbieter überwacht alle bei ihm getätigten Wetten in Echtzeit und technologiegestützt.

Bei unregelmäßigen Marktbewegungen und Quotenverläufen wird unmittelbar geprüft, ob weitere Anzeichen für eine Manipulation vorliegen. Sollte sich der Verdacht erhärten, wird dies an die zuständigen Sportverbände und Behörden gemeldet." Schließlich sind die für die rechtlichen Regelungen bei Sportwetten zuständigen Bundesländer für den Schutz der Spieler zuständig – und an den sprudelnden Steuereinnahmen interessiert.

Biallo-Lesetipp

Anbieter von binären Optionen locken im Netz mit satten Renditen. Doch auch im Falle eines Gewinns gehen Anleger oft leer aus. Mehr hierzu lesen Sie in unserem Artikel: "Abzocke bei Finanzwetten?"

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de