Stadtsparkasse: Gute Beratung, teure Fonds

Test Anlageberatung Teil 4 Stadtsparkasse: Gute Beratung, teure Fonds

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
09.06.2017
Auf einen Blick
  • Die Stadtsparkasse München schneidet im Test positiv ab. Der Bankberater nahm sich für unsere Fragen viel Zeit und wich auch unangenehmen Themen nicht aus.
  • Zwar war die Beratung gut, doch die angebotenen Fonds von Deka ließen preislich zu wünschen übrig.
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Zwei Stunden, kein einziger Produktvorschlag und doch ein gutes Gefühl. Das ist die Bilanz meiner ersten Anlageberatung bei der Stadtsparkasse München. Das Beratungs-Center der Stadtsparkasse ist eines von insgesamt acht seiner Art für Privat- und Gewerbekunden in der Bayerischen Landeshauptstadt. Eigentlich der perfekte Ort, um die Weichen für meine finanzielle Zukunft zu stellen.

Kaum im Wartebereich Platz genommen, empfängt mich mein Privatkundenbetreuer. Nach kurzem Vorgeplänkel bei einer Tasse Kaffee und Keksen, kommen wir gleich zur Sache. Ich 28, Student, habe 50.000 Euro geerbt. Die eine Hälfte möchte ich sicherheits-, die andere Hälfte gewinnorientiert anlegen. Nachdem das geklärt wäre, gehen wir einige standardisierte Fragen durch, um ein persönliches Anlegerprofil zu erstellen.

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Als Laie eine ausgeprägte Risikobereitschaft?

Zu Beginn stellt der Berater allerhand Fragen zu meiner derzeitigen wirtschaftlichen Situation - Einkommen, Barvermögen und monatliche Belastungen. Fazit: Ich bin armer Student und abgesehen von einem Sparbuch aus Kindheitstagen – übrigens auch von der Stadtsparkasse München – bin ich in Sachen Geldanlage ein unbeschriebenes Blatt.

Nichtsdestotrotz bin ich gewillt ein etwas höheres Anlagerisiko zu gehen – es muss ja schließlich die Inflation geschlagen werden. Die Münchner Stadtsparkasse unterscheidet zwischen fünf Risikoklassen, dabei steht Risikobereitschaft 1 für besonders sicherheitsbewusste Sparer und Risikobereitschaft 5 für die Vollblut-Zocker. Da ich einen Totalverlust unbedingt vermeiden möchte, einigen wir uns auf die goldene Mitte - Risikoklasse 3.

Die damit zusammenhängende Vermögensaufteilung wird mir anhand eines bunten Tortendiagramms vor Augen geführt. Ich gehöre in die Risikoklasse 3 und diese steht für: ausgeprägte Risikobereitschaft und überdurchschnittliche Ertragschancen. Klingt gut, damit bin ich einverstanden. Jetzt da das geklärt ist, warte ich gespannt auf den ersten Produktvorschlag – vergeblich.

Zuerst klärt mich der Berater, der ungefähr in meinem Alter sein dürfte, sehr ausführlich über sämtliche Anlageformen, Gebühren und gesetzlichen Rahmenbedingungen, auf. 

Bloß nichts überstürzen

Dabei gibt sich der Bankberater viel Mühe, mir den komplexen Sachverhalt prägnant, kurz und klar zu präsentieren. Für kritische Nachfragen, insbesondere in Bezug auf Gebühren, wie Ausgabeaufschläge bei Wertpapieren, nimmt sich der Banker viel Zeit. Er wird nicht müde zu betonen, dass in erster Linie ich mit meiner Geldanlage "nachts gut schlafen kann, denn alles andere zählt nicht". So könne man mein Anlegerprofil auch jederzeit verändern, falls ich doch ein geringeres Risiko bevorzuge.

Wir einigen uns darauf, dass wir es erstmal bei meiner Risikoeinstellung von minus vier bis plus acht Prozent belassen, ich müsse mich ja ohnehin nicht gleich heute entscheiden. So schickt mich der Privatkundenbetreuer mit einem aktuellen Preis-Leistungs-Verzeichnis und einer Informationsbroschüre zum Thema Wertpapieren nach Hause.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
110,00
1,10%
2.
80,30
0,80%
3.
75,00
0,75%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate

Jetzt wird’s ernst

Der Nachfolgetermin findet genau eine Woche später statt. Auf die minutegenau empfängt uns unser sichtlich gut gelaunter Anlageberater. Die Spannung steigt, heute soll es nämlich um konkrete Produkte gehen. Erstmal erklärt der Berater, wie meine künftige Vermögensaufteilung aussehen soll.

45.000 der ursprünglich 50.000 Euro sollen angelegt werden. "Hausmeinung ist, dass mindestens 5.000 Euro als eiserne Reserve zurückgelegt werden sollen", so der Experte. Mit 23.400 Euro soll der Rentenbaustein, mit 12.600 Euro der Aktienbaustein und der Immobilienbaustein soll mit 9.000 Euro bedient werden. Soweit so gut.

Luftfahrt und keine Rüstung, oder?

Als Basisanlage empfiehlt der Banker den Fonds Deka-Basis Anlage A60.  Gleich springt der deftige Ausgabeaufschlag von vier Prozent ins Auge, bei laufenden Kosten von 1,06 Prozent pro Jahr. Die Wertentwicklung der vergangen fünf Jahre sieht ganz ordentlich aus. Nur das Jahr 2016 fällt mit 0,94 Prozent deutlich ab. "Durch den Brexit hatten wir 2016 ein eher schwieriges Jahr", erklärt der Sparkassler. In diesen Fonds sollen 23.000 Euro von dem geerbten Geld investiert werden. "Etwas solides, dass für Sie arbeitet", so das Banker-Urteil.

Als zweites Produkt empfiehlt der Kundenberater den Fonds Deka-Dividenden Strategie CF (A). Als Anlagebetrag sollen 7.500 Euro in das Deka-Produkt fließen. Auch hier beträgt der Ausgabeaufschlag satte 3,75 Prozent. Die jährlich laufende Kosten sind mit 1,42 Prozent ebenfalls teuer. Jedoch kann sich die Performance sehen lassen. Selbst im Krisenjahr 2016 lag die Rendite bei guten 3,79 Prozent. 

Während der Berater mit mir Schritt für Schritt die Fondsbroschüre durchgeht, fällt sofort Northrop Grumman unter den Top-Performern auf. Gleich spreche ich Bedenken aus, da ich eher ungern in die Rüstungsindustrie investieren möchte. Der Banker scheint mit den Geschäftsmethoden von Northrop Grumman nicht wirklich vertraut zu sein, schließlich spricht er permanent von Luftfahrttechnik und dass Rüstung kein Teil dieses Fonds sei.

Durch meine anhaltende Skepsis zeigt sich der Banker genötigt, mal nach dem Begriff zu googlen. Und siehe da:  Kaum auf die Enter-Taste gedrückt erscheint auf dem Computer-Bildschirm der atomare Langstreckenbomber B2. Bei der Deka wird Northrop als Luftfahrtunternehmen geführt. Der sichtlich verblüffte Bankberater springt von seinem Stuhl auf, um Rat vom Filialdirektor einzuholen. Fazit: Stimmt, ist doch ein Rüstungsunternehmen.

Trotz dieses unfreiwillig peinlichen Moments, geht auch hier der Berater gezielt und verständnisvoll auf meine Bedenken ein. Er könne voll und ganz verstehen, wenn ich bei diesem Investment moralische Vorbehalte hätte. Gleichzeitig versucht er jedoch auch diese zu relativieren. Immerhin mache der Rüster lediglich 1,05 Prozent des Fonds aus. Außerdem sei es nicht das einzige Unternehmen aus fragwürdigen Geschäftsfeldern. Was die Sache nicht unbedingt besser macht.

Fazit

Mit der Beratung waren wir in unserem Test zufrieden. Die Terminvereinbarung verlief schnell und unkompliziert. Der freundliche Berater nahm sich extrem viel Zeit, auf wirklich jede gestellte Frage einzugehen. Dabei verspürten wir nie auch nur einen Hauch von Druck, jetzt einen Abschluss tätigen zu müssen. Der einzige Wermutstropfen: Die angebotenen Fonds der Deka waren bei Ausgabeaufschlägen von bis zu vier Prozent alles andere als günstig. Kundenfreundlich wäre eine Empfehlung hin zu ETF-Produkten gewesen. Studien zeigen, dass solche passiven Fonds oftmals besser performen und auch wesentlich günstiger sind. Zwar empfiehlt die Stadtsparkasse grundsätzlich nur Deka-Fonds, doch unser Berater zeigte sich durchaus offen, auch Fonds anderer Anbieter mit uns zu besprechen. 

Testkritierien

Unser Beispielfall ging von folgenden Annahmen aus: Die Testperson erwartet eine Erbschaft in Höhe von 50.000 Euro. Außerdem ist sie 28 Jahre alt und hat als Student ein geringes Einkommen. Ein Teil der Erbmasse soll sicherheits- der andere renditebewusst angelegt werden.

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit Januar 2016 ist er Volontär.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de