Tafelpapiere werden bald "kraftlos"

Geldanlage Tafelpapiere werden bald "kraftlos"

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
15.12.2016
Auf einen Blick
  • Inhaber von physischen Anteilsscheinen deutscher Investmentfonds können bis 31.12.2016 ihre Papiere einbuchen lassen. Andernfalls werden sie "kraftlos".
  • Die sogenannten Tafelpapiere können dann nicht mehr weiterverkauft werden, ihr Wert bleibt für den Inhaber allerdings erhalten.
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Was waren das noch für Zeiten: Als Wertpapiere nicht digital beim Online-Broker gekauft wurden, sondern in physischer Form per Barzahlung über den Banktresen – also über die Tafel - gingen. Diese Tafelpapiere – auch Effekten genannt - deponierte der Wertpapierkäufer mit den anhängenden Zins- oder Dividendenkupons im Safe zuhause oder im klassischen Bankschließfach. Die Coupons schnitt der Inhaber dann bei Fälligkeit vom Wertpapierbogen ab und löste sie bei der Bank gegen Bares ein.

Ein alter Hut, der nur noch Nostalgiker zum Schwärmen bringt? Mitnichten. Die Fondsanbieter Dekabank und Union Investment zum Beispiel geben an, dass ihre Kunden noch Tafelpapiere im jeweils zweistelligen Millionenbereich besitzen. Inhaber der effektiven Stücke sollten den Stichtag 31. Dezember nicht verpassen. Bis dahin haben sie noch Zeit, ihre Anteilsscheine deutscher Investmentfonds zur Hausbank oder Verwahrstelle des betreffenden Fonds zu bringen und ins Depot einzubuchen. Andernfalls werden die Anteilsscheine laut § 358 des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) „kraftlos“.

Wert der Anteilsscheine bleibt erhalten

Kraftlos bedeutet allerdings nicht wertlos. Es besagt lediglich, dass die Stücke nicht mehr gehandelt beziehungsweise weiterverkauft werden können. Der Anleger bleibt Inhaber des Anteils, partizipiert weiter an Wertentwicklung und Ausschüttung und behält die Legitimation für eine Depotgutschrift. "Es gibt also keinen Grund für die Kunden, überstürzt zur Sparkasse zu gehen und die Papiere bis 31.12. einzuliefern. Das ist auch später noch möglich“, erklärt eine Sprecherin der Dekabank. „Auch Steuern lassen sich nicht sparen, da eine Barauszahlung schon lange nicht mehr erfolgt, auch nicht brutto.“

Bekämpfung von Steuerflucht und Geldwäsche

Die neue Regelung hat der Gesetzgeber am 18. März 2016 in das Kapitalanlagegesetzbuch aufgenommen. Sie ist Folge des FATCA-Abkommens zwischen den USA und der Bundesrepublik (FATCA = Foreign Account Tax Compliance Act). So haben sich Deutschland und die USA am 31. Mai 2013 darauf verständigt, „durch gegenseitigen Informationsaustausch über Finanzkonten (mit US-Bezug bzw. mit Bezug zu Deutschland) eine effektive Besteuerung sicherzustellen.“

Inhaber von Effekten sind den Steuerfahndern schon länger ein Dorn im Auge. Denn sie sind namentlich nicht erfasst. So können Besitzer von Tafelpapieren zum Beispiel leicht die Abgeltungssteuer umgehen. Damit soll jetzt endgültig Schluss sein.

Achtung: Steuerexperten warnen immer wieder vor den juristischen Fallstricken bei einer unbedachten Einlieferung der Effekten. Bei größeren Summen sollten Anleger auf jeden Fall einen Fachmann zu Rate ziehen.

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de