Trotz Sparfrust meiden Anleger das Risiko

Studie zum Sparverhalten Trotz Sparfrust meiden Anleger das Risiko

Ines Baur
von Ines Baur
05.07.2018
Auf einen Blick
  • Laut einer Studie von J.P. Morgan Asset Management ist jeder zweite Sparer unzufrieden mit den Erträgen seiner Sparanlagen. 
  • Doch das Problem ist hausgemacht: Trotz Niedrigzinsen haben die wenigsten ihr Anlageverhalten geändert und beharren auf Sparbuch und Festgeld.

  • Hauptgründe sind die Angst vor Kursschwankungen und ein fehlendes Know-how am Kapitalmarkt.
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Die Aktionäre haben auch 2018 wieder einmal allen Grund zur Freude. Allein die Dividendenzahlungen aller börsennotierten Unternehmen in Deutschland belaufen sich auf über 50 Milliarden Euro. Konservative Sparbuch oder Festgeld-Sparer dagegen ziehen lange Gesichter. Kein Wunder, bei Zinsen zwischen 0,01 und einem Prozent.

Und dennoch ändern die wenigsten – trotz fast zehn Jahren Niedrigzinsphase – ihr Anlageverhalten. Gründe sind die Angst vor unkalkulierbaren Kursschwankungen und das fehlende Kapitalmarktwissen. Soweit die Ergebnisse der Studie "Erstes Europäisches Income-Barometer 2018" von J.P. Morgan Asset Management in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Befragt wurden im Frühjahr rund 8.200 Privatanleger aus Belgien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Österreich und Spanien nach ihrem Spar- und Anlageverhalten.

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Dogmatisches Sparverhalten

Laut Studie legt die Mehrheit der europäischen Anleger ihr Erspartes in kaum verzinsten Sparprodukten an. 78 Prozent der befragten Frauen und Männer nutzen weiterhin Spareinlagen oder Tagesgeld und Festgeld. In Deutschland beträgt die Quote 81 Prozent. In ertragreichere, aber risikofreudigere Anlagen wie Fonds, Aktien oder Anleihen investieren lediglich 24 Prozent der europäischen Sparer. Bei den Deutschen sind es sogar nur 21 Prozent. Und das, obwohl mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer nicht täglich über ihr Geld verfügen müssen. "Das Income-Barometer zeigt, dass 76 Prozent der befragten euro­päischen Privatanleger weiterhin nicht auf die Ertragskraft des Kapitalmarkts setzen", sagt Christoph Bergweiler, Leiter von J.P. Morgan Asset Management in Deutschland, Österreich, Zentral- und Osteuropa sowie Griechenland.

"Seit einem Jahrzehnt müssen Sparer immer weiter sinkende Zinsen für ihre Sparprodukte und immer geringere Erträge daraus hinnehmen. Und obwohl sich beispielsweise der US-Aktienmarkt in dieser Zeit verdreifacht hat, schauen viele Privatanleger tatenlos zu und verharren in ihren vermeintlich sicheren Anlagehäfen", so Bergweiler weiter.

Bleibt die Frage: Warum verzichtet der europäische Anleger freiwillig aufs Geld? Jedes Schnäppchen beim Discounter wird verglichen, doch beim sauer Ersparten verschenken die Anleger durch falsches Anlageverhalten Millionen.

Gründe für das Fehlverhalten sind neben mangelndem Selbstvertrauen die Unwissenheit und Hoffnung auf bessere Zins-Zeiten. 23 Prozent der Sparer geben zu, dass sie vom Thema nichts verstehen. 22 Prozent haben Angst vor Schwankungen am Kapitalmarkt. Und rund ein Viertel der Befragten meint, dass das Geld, das sie zur Seite legen können, sowieso nicht ausreicht für ein Investment am Kapitalmarkt.

Die Crux: Über die Hälfte der Teilnehmer ist sich durchaus bewusst, dass es mit ordentlichen Zinsen auf Sparanlagen und Festgelder weiterhin eher schlecht aussieht. 23 Prozent rechnen mit einem Anstieg der Zinsen in zwei bis drei Jahren, 39 Prozent meinen, dass es mindestens noch fünf Jahre dauert. Rund ein Drittel hat überhaupt keine Meinung zu den Zinsaussichten. Das Warten macht träge, aber nicht mürbe.

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Kein Gewinn ohne Risiko

Risikobereitschaft ist neben fehlendem Wissen das andere große Thema. So möchten 40 Prozent der Befragten lieber kein Risiko eingehen und ihr Kapital erhalten statt zu mehren. 30 Prozent beschreiben sich als sicherheitsorientiert – ihnen würden weniger hohe Erträge genügen, wenn dafür die Schwankungen gering ausfallen.

Weniger als die Hälfte der europäischen Privatanleger wissen, dass Aktien, Anleihen oder Investmentfonds regelmäßige Erträge aus Zinsen und Dividenden bieten können. Hier fehlt es an dem grundlegenden Bewusstsein, dass Erträge wie Dividenden unabhängig von Kapitalmarktschwankungen ausgezahlt werden. Die Erträge können sogar Schwankungen an der Börse abfangen.

Wem Aktien als Einzelanlage zu heiß sind, der könnte alternativ in Mischfonds investieren. Diese bieten aufgrund der breiten Streuung in verschiedene Anlageklassen unerfahrenen Anlegern die Chance, sich am Ertrag der Kapitalmärkte zu beteiligen. Dass man bereits mit kleinen Beträgen professionelle Anlagen kaufen kann, die mittel- bis langfristig Marktschwankungen ausgleichen sollten, weiß lediglich ein Drittel der Befragten.

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"Es gibt nach wie vor große Wissenslücken über Kapitalmärkte und einfache Anlagelösungen, so dass viele Europäer mit ihrer Geldanlage auf verlorenem Posten stehen. Doch angesichts steigender Lebenserwartung und sinkender Renten ist es umso wichtiger, die Portfolios für die Realitäten des heutigen Zinsumfelds zu präparieren", unterstreicht Bergweiler. "Wer weiterhin meint, mit vermeintlich sicheren Sparanlagen den niedrigen Zinsen trotzen zu können, sieht tatenlos zu, wie sein Erspartes immer weniger wird."

Um heute ein attraktives Ertragsniveau zu erreichen, sei es notwendig, etwas mehr Risiko bei der Geldanlage einzugehen. Gerade bei der langfristigen Anlage würden sich Marktschwankungen ausgleichen und der Zinseszinseffekts komme zum Tragen. "Bei Wiederanlage der Erträge wachsen die Summen schneller als durch die einfache Verzinsung, da sie Erträge aus Erträgen erzielen und das Vermögen im Laufe der Zeit exponentiell wächst", so Bergweiler weiter.

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Der Wert des Geldes schmilzt weiter

Wer sein Erspartes langfristig auf einem Sparbuch oder Festgeld anlegt, erzielt unter dem Strich einen Realverlust. Denn bei einem Prozent Zins bleibt nach Abzug von 25 Prozent Abgeltungsteuer und (geschätzten) zwei Prozent Inflationsrate nicht mal mehr eine Null nach einem Jahr, sondern ein Minus.

Interessante Ergebnisse der Studie zu den einzelnen Ländern

Belgien: Belgien weist den höchsten Anteil an Befragten auf, die langfristig für den Ruhestand sparen (33 Prozent der Befragten gegenüber einem europäischen Durchschnitt von 21 Prozent).

Deutschland: Deutsche Sparer sind am unzufriedensten mit den Erträgen ihrer Sparanlagen (67 Prozent im Vergleich zum europäischen Durchschnitt mit 49 Prozent).

Großbritannien: Nur 18 Prozent der britischen Befragten sind Anleger – das ist deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 24 Prozent.

Italien: In Italien finden sich die wenigsten Befragten, die wissen, dass Aktien und Anleihen regelmäßige Erträge generieren. Hier sind auch den wenigsten die Vorteile von Mischfonds bekannt.

Österreich: Österreich ist die Heimat der meisten Sparer (92 Prozent verglichen mit dem europäischen Durchschnitt von 78 Prozent) und vor allem Anleger (38 Prozent verglichen mit 24 Prozent im europäischen Durchschnitt).

Spanien: Mit 44 Prozent sind die spanischen Befragten besonders an einer Geldanlage interessiert, die regelmäßige Erträge ausschüttet. Und: Die Spanier zeigen ein überdurchschnittlich hohes Interesse an zukünftigen Investments wie Multi Asset Fonds oder sogar Aktien.

Zur Infografik Europäisches Income-Barometer 2018

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de