US-Wahl

Trump oder Biden: Wer ist besser für Wirtschaft und Börse?

Update: 03.11.2020
Auf einen Blick
  • Biallo.de hat Anlageprofis von Vermögensverwaltungen und Banken befragt, was ein Sieg für Donald Trump oder Joe Biden bei der US-Wahl für Wirtschaft und Aktienmärkte bedeuten würde.

  • Die Wirtschaftsprogramme der beiden Kandidaten unterscheiden sich zum Teil deutlich. Dennoch könnten die Börsen in beiden Fällen profitieren.

  • Bei Branchen und Unternehmen gibt es aber Unterschiede. Während Trump für die „alte Ökonomie“ steht, dürfte Biden insbesondere der Umweltbranche helfen.

Die USA am Scheideweg: Anleger schauen gespannt auf die US-Präsidentenwahl am 3. November.
Drop of Light / Shutterstock.com

Rein statistisch gesehen wäre ein Sieg von Joe Biden nicht das schlechteste für die Aktienmärkte. Betrachtet man die Amtszeit der vergangenen vier US-Präsidenten, so zeigt sich: Die Börsen schafften bei den beiden Demokraten Bill Clinton und Barack Obama deutliche Gewinne. In den acht Jahren unter dem Republikaner George W. Bush verloren sie dagegen unterm Strich.

Und die Bilanz von Donald Trump? Beim amtierenden US-Präsidenten steht bislang an den Aktienmärkten ein Plus von etwa 50 Prozent zu Buche. Trump liegt damit etwa auf dem Niveau von Barack Obama nach knapp vier Jahren Amtszeit – aber deutlich hinter dem Ergebnis Clintons.

Demokratische Präsidenten müssen daher nicht schlecht für die Börsen sein. Historisch gesehen schnitten die Aktienmärkte oft sogar deutlich besser ab, wenn ein Demokrat im Weißen Haus regierte. Das macht eine Analyse der Vermögensverwaltung Albrech & Cie deutlich. So kamen Anleger unter den demokratischen Präsidenten seit dem Jahr 1900 mit dem US-Aktienindex S&P-500 im Schnitt auf eine Jahresrendite von gut zehn Prozent. Mit den Republikanern war es nur die Hälfte.

Biden vs. Trump: Checkliste für Anleger

Was bedeuten Donald Trump und Joe Biden für Wirtschaft, Börse und Anleger? Eine kompakte Übersicht dazu bieten wir Ihnen als  kostenlosen PDF-Download. Darin erfahren Sie auch, welche Unternehmen unter anderen jeweils von einem Wahlsieg Trumps oder Bidens profitieren könnten.

Wirtschaftsprogramme unterscheiden sich deutlich

Statistiken über die Vergangenheit allerdings helfen nur bedingt, wenn es um die Zukunft geht. Was bedeutet eine Wiederwahl von Donald Trump für die Finanzmärkte – und was eine Wahl seines Herausforderers Joe Biden? Diese Frage stellen sich kurz vor dem Wahltag am 3. November viele Anleger. Biallo.de hat dazu Anlageprofis bei Vermögensverwaltungen und Banken befragt.

Ein Ergebnis: Langfristig ist es für die Börsen gar nicht so entscheidend, wer am Ende vorne liegt. Denn wichtige Themen, die die Aktienmärkte beeinflussen, bleiben unabhängig vom Wahlausgang bestehen. Dazu gehören neben der Corona-Pandemie etwa der Handelskonflikt mit China, die Niedrigzins-Politik der Notenbanken oder die Verschuldung der US-Wirtschaft.

Dennoch unterscheiden sich die wirtschaftlichen Programme der beiden Kandidaten zum Teil deutlich. Das hat Einfluss auf die Branchen und Unternehmen – und damit auch auf die Aktienmärkte.

Biallo-Tipp: Bis zu zehn Prozent Dividende

Eine interessante Alternative zu Wertpapier-Dividenden sind die Ausschüttungen von Genossenschaftsbanken. Es winken bis zu zehn Prozent Dividende ganz ohne Kursrisiko. Manche Genossen gehen sogar bundesweit auf Mitgliederfang. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber:  Die besten Dividenden von Genossenschaftsbanken.

Trump steht für Steuersenkungen

Experten rechnen bei einem Wahlsieg Donald Trumps mit einer Fortsetzung der bisherigen Wirtschaftspolitik. Damit werde „tendenziell die für die Unternehmen und wohlhabenden Bürger vorteilhafte Steuerpolitik beibehalten“, sagt Uwe Eilers, Vorstand der FV Frankfurter Vermögen AG. Trump plant bei einem Sieg weitere Steuersenkungen. Der Republikaner steht außerdem für Deregulierung, also weniger Einfluss des Staates auf die Wirtschaft.

Gleichzeitig nimmt der US-Präsident immer wieder Einfluss auf die US-Notenbank, um die Wirtschaft mit sinkenden Zinsen anzukurbeln. „Sollte Trump gewinnen, dürften die US-Zinsen noch weiter sinken und der Dollar sich weiter abschwächen“, meint daher Frank Wieser, Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement. Ein schwacher US-Dollar nutzt dem Export.

Deregulierung, niedrige Steuern und sinkende Zinsen: Das alles wäre gut für das Wachstum der US-Wirtschaft. Doch die Experten sehen auch Risiken bei einer Wiederwahl Trumps. Das gilt vor allem für die Handelspolitik. Man könne nicht davon ausgehen, dass Trump „bestehende Probleme wie etwa den Handelskrieg mit China entschärft“, sagt Marko Behring, Leiter Asset Management bei der Fürst Fugger Privatbank. An den Finanzmärkten dürfte daher bei einem Wahlsieg Trumps auch „ein wenig Enttäuschung vorherrschen“, meint Behring.

Biden plant ein großes Konjunkturprogramm

Im Gegensatz zu Donald Trump plant Joe Biden Steuererhöhungen. So will der Demokrat bei einem Wahlsieg die Unternehmenssteuern erhöhen: Die Körperschaftsteuer soll deutlich von 21 auf 28 Prozent steigen. Dennoch gehen die die Anlageprofis nicht davon aus, dass ein Wahlsieg Bidens schlecht für die Aktienmärkte sein wird.

Grund dafür ist vor allem ein großes Konjunkturprogramm, das der demokratische Präsidentschaftsbewerber plant. So sollen in den kommenden zehn Jahren 7,5 Billionen US-Dollar in die Wirtschaft fließen. Zuerst soll es dabei ein 2,2 Billionen US-Dollar schweres Corona-Konjunkturprogramm geben. In der Summe könnten daher „auch hier die Börsen trotz einer eventuell höheren Besteuerung profitieren“, sagt Uwe Eilers.

Hinzu kommt: Im Gegensatz zu Trump möchte Biden die weltweiten Handelsbeziehungen der USA wieder verbessern. Biden stehe „pro Globalisierung und wäre für Europa und vor allem auch Deutschland politisch besser, da er eine höhere Verlässlichkeit bietet“, sagt Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement bei Huber, Reuss & Kollegen. Strafzölle könnten unter Biden der Vergangenheit angehören. Die weltweiten Märkte dürften daher bei einem Sieg des Demokraten „etwas erleichtert reagieren“, meint auch Aktienexperte Marko Behring.

Old Economy oder Green New Deal

Wie sieht es bei Branchen und Unternehmen aus? Von einem Sieg Donald Trumps könnte die Finanz- und Bankenbranche profitieren. Sie dürfte „auch in den kommenden Jahren von verschärften Vorschriften verschont bleiben“, sagt Marko Behring. Für Unternehmen wie etwa die Bank of America wäre das von Vorteil. Auch die klassischen Branchen der „Old Economy“ wie Öl, Gas, die Automobil- und die Rüstungsindustrie sehen die Experten bei einem Wahlsieg Trumps als Profiteure. Dazu gehören etwa Firmen wie der Energiekonzern Exxon oder das Automobilunternehmen General Motors.

Ein Wahlsieg Bidens könnte dagegen eher einen Schub für Unternehmen der Umweltbranche bringen. „Wenn Biden gewählt würde, der ja auch für einen ‚Green New Deal‘ steht, wäre das für die Nachhaltigkeit sicherlich absolut von Vorteil“, sagte Frank Huttel, Leiter Portfoliomanagement beim grünen Robo-Advisor Vividam, kürzlich im Youtube-Interview mit biallo.de

Falls Trump die Wiederwahl gewinnt, wäre der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen wohl erst mal besiegelt. Biden dagegen hat bereits angekündigt, nach einem Wahlsieg dem Abkommen wieder beizutreten. Das könnte Firmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien helfen – etwa den Öko-Versorgern Nextera Energy oder First Solar, aber auch dem US-Elektroautobauer Tesla

Rechner topfondsauf
3
Aktienfonds Ökologie/Ethik
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
green benefit Global Impact Fund P
LU1136260384
24,94 %
Zum Chart
2.
ERSTE WWF Stock Environment R01 A
AT0000705660
18,96 %
Zum Chart
3.
AB FCP I Sust. US Them. Pf. B USD
LU0124677880
15,47 %
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre

Uneinigkeit bei US-Tech-Giganten

Uneinig sind sich die Experten darüber, wie sich ein Wahlsieg Trumps oder Bidens auf die großen US-Technologiefirmen wie Facebook, Amazon, Apple oder den Google-Mutterkonzern Alphabet auswirken wird. Die Mehrzahl der Anlageprofis glaubt, dass die Kurse der Tech-Riesen unter einem Wahlsieg Bidens zumindest kurzfristig leiden. Denn die Demokraten wollen entschieden gegen die Monopolstellung der Konzerne vorgehen. 

Allerdings hat auch Donald Trump zuletzt eine härtere Gangart gegen die Technologiekonzerne angekündigt. So haben das US-Justizministerium und elf Bundesstaaten eine Monopol-Klage gegen Google angestrengt.

Eine mögliche Aufspaltung der Monopolfirmen muss aber „nicht zwingend schlecht für die Börsen sein“, meint Anlageexperte Frank Wieser. Denn Deregulierung sei immer auch ein Kurstreiber, so Wieser. Einzelne Teile der Konzerne – wie etwa der Chat-Dienst WhatsApp von Facebook – könnten an die Börse gehen. „Die Summe der Einzelteile wäre bei vielen Technologiekonzernen größer als der aktuelle Börsenwert.“ 

Was passiert bei einem unklaren Wahlausgang?

Mit deutlichen Kursverlusten könnten die Aktienmärkte dagegen reagieren, wenn es keinen eindeutigen Wahlsieger gibt. Donald Trump hat bereits mehrfach angekündigt, bei einer Niederlage die Wahl anzufechten. Sollte er sich daher etwa weigern, das Weiße Haus zu verlassen, dürfte es heftige Kursreaktionen geben, meint Frank Wieser: „Die Börse hasst nichts mehr als Unsicherheit.“

Die Experten sind sich jedoch einig: Solange es nicht zu einer anhaltenden Hängepartie kommt, dürfte ein solches Szenario die Börsen nur kurzfristig belasten. "Poliltische Börsen haben kurze Beine", heißt ein bekanntes Sprichwort der Börsianer. Anleger sollten sich daher in einem solchen Fall nicht verunsichern lassen, meint Aktienstratege Marko Behring: „Wenn es so käme, wäre dies nicht der Moment, um den Märkten den Rücken zu kehren, sondern um Kaufgelegenheiten zu nutzen.“

Rechner topfondsaw
3
Aktienfonds Global
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
MSIF Global Advantage A USD
LU0868753731
23,30 %
Zum Chart
2.
ABAKUS New Growth Stocks
LU0418573316
22,08 %
Zum Chart
3.
SICAV Echiquier-Echiq. World Next Lead. A
FR0011449602
20,90 %
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre





  Andreas Jalsovec


 
Exklusive Informationen und Angebote per Mail erhalten.


 
 
 
Powered by Telsso Clouds