Vermögensanlagen: Der Teufel steckt im Detail

Grauer Kapitalmarkt Vermögensanlagen: Der Teufel steckt im Detail

Manfred Fischer
von Manfred Fischer
30.08.2019
Auf einen Blick
  • Bei der Suche nach rentablen Investments wagen sich immer mehr Sparer auf den grauen Kapitalmarkt und investieren in Vermögensanlagen.

  • Beteiligungen, Genussrechte, Direktinvestments: Vieler solcher Finanzprodukte sind undurchsichtig. Anbieter vernebeln, wo das Kapital landet, und verschleiern Kosten und Provisionen.

  • Für Verkaufsprospekte und Vermögensanlage-Informationsblätter gibt es klare Vorgaben. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht prüft diese Unterlagen aber nur in "formeller Hinsicht".

  • Wer den Eindruck hat, dass ihm wichtige Informationen vorenthalten worden sind, sollte nicht lange zögern und gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten.
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Wohin mit dem Ersparten? Bei der Suche nach Finanzprodukten wagen sich immer mehr Anleger auf den grauen Kapitalmarkt und investieren in Vermögensanlagen. Überdurchschnittliche Rendite, hohe Sicherheit, ethisch-ökologische Anlageziele – Anbieter versprechen, was sich der Zeitgeist wünscht. Jährlich erscheinen zig neue Vermögensanlagen, das Volumen der Neuemissionen beträgt fast 800 Millionen Euro.

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Nicht selten verbrennt Kapital. Ob Investments in Container, regenerative Energien, Land- und Forstwirtschaft oder Immobilienprojekte, Brandspuren finden sich fast überall auf dem grauen Kapitalmarkt. Und ständig kommen neue hinzu. "Viele Anleger sind sich der Risiken nicht bewusst", sagt Wolf Brandes, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Hessen.

Das liegt nicht allein an Leichtsinn oder Gutgläubigkeit. So mancher Anbieter von Vermögensanlagen vernebelt in den Produktinformationen, wo das Kapital landet. Zudem ist es an der Tagesordnung, dass über Kosten und Provisionen nicht so aufgeklärt wird, wie das der Fall sein müsste. Dies hat kürzlich eine Untersuchung des "Marktwächters Finanzen" der Verbraucherzentralen deutlich gemacht.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
 223,23
1,11%
2.
211,10
1,05%
3.
 160,64
0,80%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Kalkül oder schlecht gemacht?

"Nebulöse Angaben deuten nicht per se auf unseriöse Anbieter hin", sagt Brandes. Vielmehr seien zahlreiche Produkte "einfach schlecht konzipiert". Auch sei eine Reihe "sehr teuer". Brandes und seine Marktwächter-Kollegen haben sich 36 Vermögensanlagen, die Ende vergangenen Jahres offeriert wurden, näher angesehen. Darunter Nachrangdarlehen, Beteiligungen, Direktinvestments, Namensschuldverschreibungen und Genussrechte.

Bei mehr als der Hälfte der Investments handelt es sich um sogenannte Blind- oder Semi-Blindpools. Das sind Anlagen, bei denen die Anlageobjekte in den Produktunterlagen nicht konkret genannt sind. Blindpool-Konstrukte sind besonders weit verbreitet. Verbraucherzentralen sehen sie grundsätzlich kritisch. "Je weniger präzise die Investitionskriterien feststehen, desto schwieriger ist es für Verbraucher, Chancen und Risiken abzuschätzen", betonen sie. In Regierungskreisen gibt es Überlegungen, Blindpools zu verbieten.

Wohin fließt das Geld?

Bei gut zwei Dritteln aller beäugten Produkte können Anleger nicht erkennen, worauf sie sich einlassen, resümieren die Verbraucherschützer. In den Vermögensanlage-Informationsblättern (VIB) seien Anlagenobjekte vage beschrieben. Bei einem Holz-Investment etwa sei angegeben, dass sich die Plantagen in Australien befinden, jedoch weder wo genau und wie groß sie sind.

 

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Besonders negativ fallen die Blindpools auf, bei drei Vierteln der Angebote hapert es. Das kann schon damit beginnen, dass das Kind nicht beim Namen genannt wird. "Man wird wenigstens erwarten dürfen, dass Blindpool draufsteht, wenn Blindpool drin ist - aber nicht einmal das ist immer der Fall", berichtet Brandes. Als Beispiel nennt der Marktwächter das VIB eines Emittenten, der Geld in die Lichtindustrie steckt. Das Anlageziel umreißt der Anbieter mit einem Satz und verweist darauf, dass die Anlageobjekte im Verkaufsprospekt im Detail beschrieben seien. Darin wiederum steht, dass die Produkte zum Zeitpunkt, als der Prospekt erstellt wurde, sich noch in der "Konzeptionsphase" befanden.

Rendite trotz hoher Kosten?

Anstoß nehmen die Verbraucherschützer auch an der Darstellung von Kosten und Provisionen. Ein Viertel der Anbieter nimmt es laut der Untersuchung mit den Regeln nicht so genau. Die Unschärfen haben ihren Hintergrund: Allein die Provisionen liegen bei 16 der Produkte zwischen fünf und zehn Prozent, bei sieben zwischen zehn und 15 Prozent und bei sechs über 15 Prozent. Den Vogel schießt ein Hamburger Emittent ab, der 31 Prozent Provision einstreicht. Im Durchschnitt werden bei Vermögensanlagen knapp zehn Prozent fällig.

"Auch die Gesamtkosten können Verbraucher kaum erkennen, selbst wenn die gesetzlichen Vorgaben formal erfüllt sind", moniert Brandes. Die Marktwächter wollen, dass Emittenten gesetzlich verpflichtet werden, die einmaligen und laufenden Gesamtkosten anzugeben, wie das bei Fonds üblich ist. 

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Kritik üben sie überdies an den Prognose-Darstellungen und Warnhinweisen. Der gesetzlich vorgeschriebene Hinweis etwa, dass eine Vermögensanlage zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen kann, ist bei mehr als einem Drittel der Anbieter auf deren Website nicht deutlich hervorgehoben. Mögliche Marktentwicklungen und Konsequenzen auf Auszahlungen, seien nicht ausreichend in Prospekten aufgezeigt, heißt es weiter.

Was steht im Prospekt?

Dass Anleger wichtige Details nicht mitbekommen, liegt an simplen Praktiken. Hinweise auf Risiken werden "in grauem Text vor hellgrauem Hintergrund" dargestellt, Kostenangaben in den Fließtext gestreut, monieren die Marktwächter etwa. "Es drängt sich uns der Verdacht auf, dass Verbraucher Hinweise überlesen sollen", sagt Brandes. Dabei seien Produktanbieter verpflichtet, "alle wichtigen Informationen klar und verständlich" anzugeben.

Glaubt man Brandes, liegt das Problem auch auf Verbraucherseite: "Anleger lesen in der Regel Prospekte nicht", sagt er. Neue Vorschriften würden daran wenig ändern.

Deren Effekt bestehe eher in der Disziplinierung der Anbieter. Als die neuen Vorgaben für das Vermögensanlagengesetz 2015 in Kraft traten, seien einige plötzlich vom Markt verschwunden. Eine ähnlich positive Wirkung verspricht sich der Experte von der EU-Prospektverordnung, die im Juli in Kraft getreten ist – sie gilt für Wertpapiere und Vermögensanlagen.

Böse Überraschung – was tun?

Bis Investoren merken, welche Risiken Vermögensanlagen bergen, vergeht oft eine Menge Zeit. "Beschwerden von Verbrauchern kommen im Nachlauf, wir haben jetzt welche über Finanzprodukte, die vor zehn Jahren aufgelegt worden sind", schildert Brandes.

Die Chancen für Anleger im Streitfall sind durchwachsen, wie die Praxis lehrt. Die Frage ist, inwieweit die Anlegerinformationen nicht rechtskonform sind.

Emittenten müssen einen Verkaufsprospekt erstellen. Der muss von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gebilligt sein. Außerdem ist ein Vermögensanlage-Informationsblatt vorzulegen, auf maximal drei DIN-A4-Seiten müssen alle wesentlichen Informationen über die Geldanlage stehen.

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Papier ist bekanntlich geduldig. Das gilt zumal in solchen Fällen, denn die Bafin guckt sich Prospekt und VIB nur in "formeller Hinsicht" an. Ob einzelne Angaben stimmen, prüft sie nicht. Auch ob ein Projekt solide ist und wie es um Seriosität und Bonität des Anbieters steht, hinterfragt sie nicht. Nach eigenen Angaben dagegen schon, ob der Verkaufsprospekt "verständlich und kohärent ist".

Belegbare Regelverstöße?

Doch was die Prospektpflicht betrifft, gibt es Ausnahmen. Sie entfällt zum Beispiel, wenn nicht mehr als 20 Anteile von derselben Vermögenanlage emittiert werden (§ 2 Nr. 3 a Vermögensanlagegesetz). Anbieter, die Geld von mehr Kunden einsammeln wollen, können um einen Prospekt herumkommen, wenn sie Projekte in verschiedene 20er-Tranchen aufteilen. Ohne Prospekt verkauft werden dürfen auch Anlagen, bei denen ein Anteil mindestens 200.000 Euro kostet.

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Wer den Eindruck hat, dass ihm wichtige Informationen vorenthalten worden sind, dem rät Brandes, den Sachverhalt von einem Fachmann für Kapitalrecht prüfen zu lassen. Sind Regelverstöße belegbar, "läuft es am Ende der auf den zivilrechtlichen Weg hinaus." "Wichtig ist, dass man alle Verkaufsunterlagen beisammen hat."

Betroffene sollten nicht zu lange zögern - sich etwa mit immer neuen Versprechungen vertrösten lassen. Denn die Beweisführung kann im Laufe der Zeit schwieriger werden, außerdem gelten Verjährungsfristen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de