Voraussagen

Über den Tellerrand... Voraussagen

von Norbert J. Breuer
27.09.2018
Auf einen Blick

"Die meisten Prognosen sind gut, aber die Zukunft kümmert sich wenig darum."

Prof. Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger

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Ich erinnere mich an eine loriothafte Karikatur. Ein Chef erhebt sich und lässt griesgrämig wissen: "Todays’s financial report will be a short one: We had money, now we don’t." Die übrigen Direktoren zeigen darob betretene Mienen.

Zuweilen liegt der Grund für Bankrotte schlicht in unzutreffenden Voraussagen. Die Menschheit liebt ja von jeher Prognosen. Und, das ist das nicht selten wahrhaft Bedrohliche: glaubt ihnen nur allzu gerne oder bange – schlechten wie guten. Auch Manager sind davor beileibe nicht gefeit. Aufgrund der hierzulande grassierenden Englischtümelei heißen sie bei ihnen aber "Forecast", wodurch sie indes auch nicht verlässlicher geworden sind.

Übel erging es einst dem Lyderkönig Krösus, welcher das Orakel von Delphi konsultierte. Er hatte es erwählt, weil es seinen Gesandten doch tatsächlich zu eröffnen wusste, was er in der Ferne just tue (Krösus bereitete in diesem Moment eine Schildkröte nebst Lammfleisch zu). Soviel Empathie schafft tiefes Vertrauen. So begab er sich selbst zu Pythia, die ihm weissagte: "Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören." Krösus überquerte den Fluß – woraufhin jedoch sein eigenes Reich vom Perserkönig Kyros II. vernichtet wurde.

Die Mazedonierin "Baba Wanga" sagte vieles richtig voraus, nicht zweideutig wie Pythia, sondern unmissverständlich. Ihre unheilvollste Prophezeiung betraf – mit zwölf Jahren Vorlauf – 9/11: "Die amerikanischen Zwillinge werden fallen, nachdem sie von stählernen Vögeln angegriffen wurden".

Laut einer Vorschau sollte der Planet Nibiru, obschon bisher unentdeckt, unserem blauen Planeten am 23.9.2017 den Garaus machen. Nachdem dies nicht erfolgte, legten sich die düpierten Apokalyptiker auf den 23.4.2018 fest. Auch das ging daneben. Dem nächsten Knall-Datum darf man demnach in aller Bierruhe entgegensehen. Zumal die NASA betont, ein solcher Himmelskörper sei ihr überhaupt nicht bekannt.

Manche Wirtschaftsprognose trifft aber zu, das sei gerne eingeräumt. Beispielshalber wurde vor Jahrzehnten vorausgesagt, dass Pizza-Lieferservices eine glänzende Zukunft bevorstehe. Deren Zuwachsraten türmen sich ebenso wie die Schachteln am Straßenrand seit langem.

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Voraussagen sollen ja "subjektive Einschätzungen, welche von Fachleuten mit einer gereiften Expertise intuitiv erarbeitet werden" darstellen. Der US-Psychologe Philipp Tetlock beforschte zwanzig Jahre lang Vorhersagen politischer Kommentatoren, exakt 82.361. Die Experten lagen danach fast ebenso oft richtig oder falsch wie gutunterrichtete Laien. Ein miserables Ergebnis, zumal die Laien dafür nicht honoriert wurden.

Mir selbst ergeht es ähnlich, vermag ich doch seit früher Jugend Fußballergebnisse fast bis aufs Tor genau vorauszusagen – mit oder ohne Özil. Der bekannte Fußballphilosoph Franz Beckenbauer hingegen äußerte nach der Wiedervereinigung, dass Deutschland nun auf Jahre hinaus unschlagbar sein werde. Schlagen Sie ruhig mal nach, was daraus wurde.

Vielleicht sollte man sich als Geschäftsmann schlicht mit dem bescheiden, was das erreichbare Wissen für uns bereithält. Und wer recht zuverlässige Voraussagen braucht, hat als Basis nicht nur das Controlling: Manchmal hilft schon der Sprichwortschatz, deutsch wie international. Der hat gemeinhin eine gute Trefferquote, selbst bei Bauernregeln wie: "Liegt der Bauer tot im Zimmer, lebt er nimmer."

Schon im 5. Buch Mose lesen wir die göttliche Offenbarung: "Ihr dürft keine Wahrsager und Wahrsagerinnen unter euch dulden, niemand, der aus irgendwelchen Zeichen oder mit irgendwelchen Praktiken die Zukunft voraussagt." Die sogenannte "Zweite Wiederkunft Jesu" wurde dennoch für 2015 geweissagt, von einem US-Pastor namens Mark Biltz.

Die US-Astrologin Jeane Dixon (1904-1997) – sie sagte das Attentat auf John F. Kennedy voraus – kündigt Jesus leider erst für 2020 an. Denn je früher sein Erscheinen, desto besser. Lesen wir im 2. Brief des Apostels Paulus an Timotheus doch, was uns BILD alltäglich genüsslich belegt: "In den letzten Tagen werden schwere Zeiten anbrechen. Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, Lästerer, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, rücksichtslos, dem Guten abgeneigt, heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt." Paulus fährt dann noch fort: "Zu ihnen gehören nämlich auch die Leute, die sich in die Häuser einschleichen und dort gewisse Frauen auf ihre Seite ziehen, die von Sünden beherrscht und von Begierden aller Art umgetrieben werden, Frauen, die ständig am Lernen sind und die doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen können."

Also an dieser Stelle beende ich meinen Bibelexkurs nun doch lieber – um mir selbst keine Mahnwachen nebst Lichterketten vor meiner Wohnstatt oder gar zornige Schmähungen durch Alice und Claudia prophezeien zu müssen. (Die self-fulfilling prophecy behandeln wir dann ein andermal.)

Lesen Sie auch: Die Dax-Prognosen der Börsengurus

Zum Autor

Norbert J. Breuer ist seit 1995 als internationaler Managementberater mit Schwerpunkt Deutschland/Frankreich tätig. Er bahnt auf Basis einer breitgefächerten Dienstleistungspalette Unternehmens-Zusammenarbeiten im Exportbereich an. Lange Jahre war er als Lehrbeauftragter (Universität Metz, DFHI/HTW Saarbrücken, FH Trier) und bundesweit als IHK-Dozent tätig. Im staatlichen Auftrag war er als Deutscher Konsulent für Wirtschaftsförderungen der Schweiz und Österreichs delegiert.

Schon früh ist Breuer als Buchautor – unter anderem in den Verlagen CAMPUS und ULLSTEIN – hervorgetreten. Seine ausnehmend vielseitigen publizistischen Beiträge erscheinen im In- und Ausland. Mehr Information finden Sie unter www.breuer-exportmarketing.de.

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ist seit 1995 als internationaler Managementberater mit Schwerpunkt Deutschland/Frankreich tätig. Er bahnt auf Basis einer breitgefächerten Dienstleistungspalette Unternehmens-Zusammenarbeiten im Exportbereich an. Lange Jahre war er als Lehrbeauftragter (Univ. Metz, DFHI/HTW Saarbrücken, FH Trier) und bundesweit als IHK-Dozent tätig. Im staatlichen Auftrag war er als Deutscher Konsulent für Wirtschaftsförderungen der Schweiz und Österreichs delegiert.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de