Vorsicht Abzocke: Trading-Gruppen auf Whatsapp

Binäre Optionen Vorsicht Abzocke: Trading-Gruppen auf Whatsapp

Ines Baur
von Ines Baur
27.02.2018
Auf einen Blick
  • Auf Whatsapp werben Abzocker für Chatgruppen, in denen Mitglieder vermeintliche Expertentipps für die Geldanlage mit binären Optionen oder Kryptowährungen erhalten.

  • Hinter den Trades stecken riskante Finanzwetten, die eher einem Glücksspiel als einer Geldanlage gleichen. Alles oder nichts ist die Devise. 

  • Selbst bei Gewinnen ist es fraglich, ob Anleger ihr Geld je ausgezahlt bekommen.

 

 

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Ohne viel Aufwand schnelles Geld verdienen. Eine Verlockung, der nur wenige widerstehen können. Das wissen auch Abzocker und nutzen die Neugier ahnungsloser Anleger aus. Auf Whatsapp werben Betrüger für Chatgruppen, wo Mitglieder vermeintlich sichere Anlagetipps für die Geldanlage mit binären Optionen oder Kryptowährungen teilen. Um Verbraucher in ihre Gruppen zu locken, schreiben sie private Kontakte in kumpelhaftem Ton an, in Form von Kettenbriefen oder Schneeballsystemen. 

Bei Finanzwetten mit binären Optionen oder dem Kauf von digitalen Währungen sind extreme Kursschwankungen und Totalverluste keine Ausnahme. "Für Betrüger sind das beste Voraussetzungen", sagt Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. "Sogenannte Broker oder Währungsentwickler bewegen ihre Kunden dazu, echtes Geld einzuzahlen – mit höchst ungewissen Erfolgsaussichten."

Die Gefahr solcher Gruppen für Anleger besteht nicht nur in Form von "Alles-oder-Nichts-Deals". Wie Verbraucherschützer berichten, kann man erst gegen eine obligatorische Einlage von circa 250 Euro ein Tradingkonto eröffnen. Ein Anbieter verspricht zum Beispiel mit einer "Geld-zurück-Garantie für Ihren ersten Trade!", die jedoch an Bedingungen geknüpft ist. Die zum Teil schlecht übersetzten Geschäftsbedingungen sind verwirrend, die Regelungen zur Auszahlung der Beträge unklar. 

Die eigenen Daten an einen Wildfremden weiterzugeben, ist leichtsinnig. Sobald der vermeintliche Experte diese besitzt, kann er sie für seine Zwecke missbrauchen. Überweist der Anleger auch noch Geld auf ein Konto im Ausland, ist es fraglich, ob er es jemals wiedersieht. Selbst wenn er einen Gewinn einfährt.

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Was ist eine binäre Option?

Binäre Optionen sind eine Wette auf die Kursentwicklung eines Basiswertes in einem festgelegten Zeitraum. Dies kann ein Wertpapier, Rohstoff, Index oder Währungspaar sein (zum Beispiel Euro/Dollar).

Beispiel: Mit einer binären Option können Anleger darauf spekulieren, dass der Dax bis zu einem bestimmten Zeitpunkt den Wert von 13.000 Punkten erreicht. Oder dass der Bitcoin-Kurs auf 15.000 US-Dollar steigt. Es handelt sich – salopp gesagt – um eine Wette. "Binär" (von lateinisch binus = zweifach) bedeutet, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt. Nämlich alles oder nichts, Gewinn oder Totalverlust.

Jeder sollte für sich selbst wissen, wie er sein Erspartes anlegen möchte. Aber es befinden sich immer mehr unseriöse Anbieter im Netz, deren Aktivitäten an Betrug grenzen. "Die Geschäftspraktiken sind teils dubios, die Firmen im Ausland nicht greifbar", warnt das Marktwächter-Team Finanzen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Beschwerden bei den Verbraucherzentralen häufen sich. Verbraucher erhalten teils ihre eingezahlten Einlagen und auch ihre Gewinne nicht zurück.

Vergleich Rechtsschutzversicherung

  Anbieter Tarif Beitrag  
1 CIF-PRO-classic 188,45 Euro weiter
2 DMB Securo 198,29 Euro weiter
3 Ratio 229,00 Euro weiter
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Was sagt die Bafin?

Eine spezielle Warnung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zu binären Optionen besteht nicht. "Wir schließen uns der Warnung der Europäischen Finanzaufsicht ESMA an, derzeit laufen aber keine thematischen Untersuchungen bezüglich eines möglichen Verbots der binären Optionen", sagte Pressesprecherin Anja Schuchhardt Anfang vergangenen Jahres gegenüber biallo.de. 

Im Sommer 2016 gab die ESMA eine allgemeine Warnung über binäre Optionen und andere spekulative Produkte heraus. Viele Anleger verlieren alles, wenn sie in die hochspekulativen Optionen investieren. Das zeigen unterschiedliche Studien. "Die Aufsichtsbehörden haben auch beobachtet, dass diese Produkte oft aggressiv beworben und verkauft werden und dass einige Firmen gegen regulatorische Auflagen unter Mifid verstoßen, indem sie die Konditionen für Privatanleger so gestalten, dass diese erheblichen Schaden erleiden", warnt die ESMA.  

Das ist die Masche

Über Werbung und Kontakte in sozialen Medien kommen Verbraucher mit solchen Trading-Angeboten in Berührung. "In der anhaltenden Niedrigzinsphase suchen viele Menschen nach neuen Möglichkeiten der Geldanlage", beobachtet Herte. "In unserer Beratung fragen Anleger regelmäßig, ob sie in digitale Währungen wie Bitcoin, IOTA oder Ripple investieren sollten."

Besonders die Werbung auf der Social-Media-Plattform Whatsapp sieht der Experte kritisch. In den Chatgruppen tauscht man sich aus, teilt vermeintlich sichere Anlagetipps und nennt sich gegenseitig Ansprechpartner. Die unseriösen Anbieter nutzen dazu gleich einem Schneeballsystem persönliche Netzwerke für ihre Zwecke. "Wer von Freunden in eine Whatsapp Gruppe eingeladen wird, hinterfragt die Empfehlungen dort kaum und trifft Entscheidungen eher nach Sympathie", beschreibt Herte. Die Verbraucherzentrale verzeichnet bereits diverse Beschwerden von Verbrauchern, die hohe Verluste mit binären Optionen erlitten haben. 

Facebook hat reagiert

Eine beliebte Werbeplattform für derart unseriöse Anbieter war bis vor kurzem Facebook. Mittlerweile hat das Unternehmen reagiert und jegliche Werbung für binäre Optionen, ICOs und Kryptowährungen verboten: "Werbeanzeigen dürfen nicht für Finanzprodukte und -dienstleistungen werben, die oft mit irreführenden oder betrügerischen Verkaufsförderungsmethoden wie binären Optionen, Initial Coin Offerings oder Kryptowährung in Verbindung gebracht werden." Damit steckt Facebook Anzeigen für Bitcoins, binäre Optionen und Co. in eine Schublade mit Waffen, Pornographie und Drogen.

So erkennen Sie unseriöse Anbieter

Die Verbraucherzentrale verrät sechs Anzeichen, an denen Sie unseriöse Anbieter erkennen können.

  1. Übertriebene Versprechen
    Ignorieren Sie Angebote mit auffallend hohen Renditen oder dauerhaft passivem Einkommen.

  2. Sitz im Ausland
    Stellen Sie sicher, dass der Anbieter seinen Unternehmenssitz nicht im Ausland hat. Das kann es Ihnen im Zweifelsfall zusätzlich erschweren, Ihr Recht durchzusetzen.

  3. Freunde werben
    Ignorieren Sie Aufforderungen, selbst neue Interessenten zu werben, auch wenn Ihnen hierfür hohe Provisionen oder Renditen versprochen werden.

  4. Kein Impressum
    Überprüfen Sie, ob die Webseite des Anbieters ein Impressum besitzt.

  5. Mangelnde Transparenz
    Misstrauen Sie intransparenten und unverständlichen Geschäftsmodellen, zu denen Sie erst nach Kontaktaufnahme oder Registrierung mehr Informationen erhalten sollen.

  6. Unaufgeforderter Kontakt
    Werden Sie kontaktiert, ohne zuvor Interesse an Kryptowährungen gezeigt zu haben, sollte Sie misstrauisch sein.

Biallo-Tipp: Die Redaktion von biallo.de sieht binäre Optionen definitiv nicht als seriöse Geldanlage, sondern als Glücksspiel. Das Risiko, alles zu verlieren, ist groß. Zudem ist der Handel mit binären Optionen kaum reguliert. Verbraucher, die Ungereimtheiten bei der Kursfeststellung beobachten oder ihre Gewinne und Einlagen nicht ausbezahlt bekommen, sollten sich dringend rechtlichen Beistand suchen.

Finanztipps per Whatsapp

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de